Milchbauern wollen freien Markt

Thurgauer Bauern, die auf einen freien Markt gesetzt haben, wollen grosse Mengen an Milch produzieren. Sie wehren sich gegen Pläne, die Milchmenge zu beschränken.

Christian Weber
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Wäldi. «Die Aufhebung der Milchkontingentierung hat mir erstmals seit 30 Jahren die Möglichkeiten zum Wachstum gegeben», sagt Werner Schenk. Unter dem Regime der Milchkontingentierung durfte der Landwirt in Wäldi 67 000 Liter Milch pro Jahr auf den Markt bringen. 14 Kühe standen in seinem Stall. Auf den Zukauf von Kontingenten verzichtete Schenk. Heute stehen 36 Kühe in seinem Stall, die eine jährliche Milchmenge von 250 000 Liter produzieren.

Schenks Fazit: «Mein Einkommen aus der Milchproduktion hat sich massiv erhöht – trotz des sehr tiefen Milchpreises.»

Erhebliche Investitionen

Schenk verfügt über eine landwirtschaftliche Nutzfläche von knapp 19 Hektaren und führt seinen Bauernhof, auf dem er auch 3800 Legehennen hält, als Einmannbetrieb.

Um die Milchproduktion so markant zu erhöhen, bedurfte es auf seinen Betrieb zugeschnittene Investitionen von über 300 000 Franken: etwa den Bau einer neuen Liegehalle oder die Anschaffung eines Fahrsilos zur Selbstfütterung der Kühe im Winter. Im Sommer befinden sich diese während 20 von 24 Stunden auf den Weiden, die den Hof umgeben.

Schenk realisierte die Erhöhung der Milchproduktion auf seinem Hof in den Jahren 2006 bis 2009: In diesen Jahren vor der Aufhebung der Milchkontingentierung bewilligte der Bund für Projekte zur Erschliessung neuer Märkte die Produktion von Milch über die zugewiesenen Kontingente hinaus.

Gegner der Beschränkung

Schenk ist ein klarer Gegner der Motion Aebi (siehe Kasten), über die der Nationalrat noch während dieser Session befindet. Diese sieht unter anderem eine Bestrafung für Landwirte vor, die hohe Milchmengen produzieren.

Auch Ernst Felix, Landwirt in Braunau, ist ein entschiedener Gegner der Motion Aebi.

Er verkauft seine Milch an die PMO Bodenseemilch, in der 160 Milchbauern und vier Käsereien zusammengeschlossen sind. Diese Käsereien beliefern in der Schweiz die Marktführer Migros und Coop mit ihren Produkten, aber auch etwa Volg und Spar. Sie ist aber auch über verschiedene Importeure im deutschen Markt präsent. Produkte der PMO Bodenseemilch sind etwa in den Regalen von Rewe, Edeka oder Kaufland erhältlich.

Als Exportschlager hat sich etwa der Halbhartkäse «Der scharfe Maxx» erwiesen, der von der Hatswiler Käserei Studer hergestellt wird.

Von 10 auf 440 Tonnen

Die PMO Bodenseemilch konnte ihre Exportmenge an Käse von 10 Tonnen im Jahr 2005 auf 322 Tonnen im Jahr 2009 steigern. Für das laufende Jahr rechnet sie damit, 440 Tonnen Käse im Ausland verkaufen zu können.

Bereits heute können die in der PMO Bodenseemilch zusammengeschlossenen Bauern den Milchbedarf der vier Käsereien nicht mehr decken.