Migrationskinder sind weniger gesund

Studien zeigen, dass sich Kinder aus Migrationsfamilien weniger gesund ernähren und schlechtere Zähne haben. Der Kanton setzt bei der Mütter- und Väterberatung an und bildet die Beraterinnen in der interkulturellen Vermittlung aus.

Marina Winder
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FRAUENFELD. Die Mütter- und Väterberatung unterstützt Familien mit Kindern ab der Geburt bis zum Kindergarteneintritt. Die Beraterinnen helfen bei Fragen zur Ernährung, zum Schlaf, zur gesunden Entwicklung des Kindes, zum Stillen und zur Erziehung.

Im Beratungsalltag hat sich gezeigt, dass Familien mit Migrationshintergrund die Beratungsstellen weniger häufig aufsuchen als Schweizer Familien. Kommt es zu Beratungsgesprächen, werden diese erschwert durch mangelnde Sprachkenntnisse und kulturelle Missverständnisse. Dabei wäre die Beratung vor allem bei Familien mit Migrationshintergrund wichtig: Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Kinder aus Migrationsfamilien ein erhöhtes gesundheitliches Risiko haben. Sie leiden vermehrt an Übergewicht, haben weniger Bewegung, essen weniger Gemüse und Früchte und haben zudem oft schlechtere Zähne. Das geht aus Berichten des Bundesamtes für Gesundheit hervor.

Der Kanton hat deshalb im Rahmen des Aktionsprogramms «Thurgau bewegt» das Projekt «Miges Balù» lanciert, umgesetzt wird es von der Perspektive Thurgau. Ziel dieses Projektes ist es, für Migrationskinder bessere Chancen für eine gesunde Entwicklung zu schaffen. Programmleiterin ist Veronika Boss von der Perspektive Thurgau.

Im Vordergrund steht die Weiterbildung der Väter- und Mütterberaterinnen. Sie sollen dank dieser «transkulturellen Kompetenzen» leichter den Draht zu ausländischen Eltern finden und auf kulturelle Besonderheiten sensibilisiert werden. Die Schulung hat bereits angefangen, ist aber noch nicht abgeschlossen. 20 Beraterinnen aus dem Thurgau bilden sich in diese Richtung weiter.

An den Beratungsgesprächen mit Migrationsfamilien werden künftig aber auch noch interkulturelle Vermittlerinnen teilnehmen. Das sind Übersetzerinnen, die zusätzlich in einem Ausbildungslehrgang transkulturelle Kompetenzen erlangt haben. Im Thurgau kommen 24 solcher interkultureller Vermittlerinnen zum Einsatz. Zudem sollen die Elterninformationen der Beratungsstellen in mehrere Sprachen übersetzt werden. Im Internet sind die Elterninformationen bereits auf Albanisch, Portugiesisch, Serbisch, Tamilisch, Tigrinisch und Türkisch erhältlich.

Boss sagt, dass auch die Zusammenarbeit mit Schlüsselpersonen der Zielgruppen ausgebaut werden soll. Gemeint sind damit zum Beispiel die Kontakte zu Ausländerorganisationen.

Caritas Thurgau stellt für «Miges Balù» die Projektleiterin. Sie kümmert sich um die Schulung der Beraterinnen, die Ausbildung der interkulturellen Vermittlerinnen und um die Projektorganisation.