«Michelin-Sterne nützen nix, wenn man pleite ist»

Seit Anfang Jahr führt nicht mehr Wolfgang Kuchler das «Schäfli» in Wigoltingen, sondern sein Sohn Christian Kuchler. Der 30jährige Koch hat grosse Pläne mit dem Restaurant: Das «Schäfli» soll wieder die Nummer eins im Thurgau werden. Bis zur Eröffnung im August wird zuerst aber noch fertig umgebaut.

Perrine Woodtli
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Christian Kuchler Sternekoch (Bild: Reto Martin)

Christian Kuchler Sternekoch (Bild: Reto Martin)

Herr Kuchler, seit Januar wird im «Schäfli» in Wigoltingen umgebaut. Wie geht es voran?

Christian Kuchler: Soweit ich weiss, gut. Wir befinden uns im Zeitplan und ich denke, dass wir wie geplant im August eröffnen können.

Planen Sie eine spezielle Eröffnung?

Kuchler: Dazu habe ich mir bisher noch keine allzu grossen Gedanken gemacht. Aber natürlich wird es ein Grand Opening geben. Es gibt vermutlich einen Tag der offenen Tür, damit wir dann in der Woche den normalen Restaurantbetrieb aufnehmen können.

Sie arbeiten zurzeit noch im «Hirschen» in Eglisau. Am 30. Juni haben Sie Ihren letzten Arbeitstag. Sind Sie traurig zu gehen?

Kuchler: Ich würde sagen, dass ich mit gemischten Gefühlen gehe. Zum einen bin ich natürlich traurig, da ich hier vier super Jahre mit super Leuten verbracht habe und riesigen Erfolg hatte. Zum anderen freue ich mich natürlich auf die neue Herausforderung, die mir bevorsteht. Es ist etwas ganz anderes was ich nachher machen werde.

Inwiefern?

Kuchler: Da ich jetzt etwas Eigenes mache, bedeutet das auch viel mehr Risiko für mich. Der Umbau war ja schliesslich nicht gratis. Als Angestellter habe ich es nicht so mitbekommen, wenn das Restaurant mal einen schwachen Monat hatte. Der Besitzer hat ja die Rechnungen bezahlt. Als Chef läuft das jetzt etwas anders.

Was genau wird nun alles umgebaut im «Schäfli»?

Kuchler: Die Küchengrösse wird verdreifacht. Bis anhin musste sich mein Vater in einer sehr kleinen Küche zurechtfinden. Das Gasthaus wird ein wenig aufgefrischt. Die Küche wird vom Restaurant mit einer Schiebetür getrennt, um die Lärmemissionen zu verhindern. Der Gast soll wirklich Gast sein und nicht das Gebrüll des Kochs hören müssen (lacht). Zudem werden die sanitären Anlagen verbessert. Und ich habe noch weitere Pläne.

Die da wären?

Kuchler: Ich will eine Bar einbauen mit einer Raucherlounge. Dort kann man sich dann eine schöne Zigarre mit einem Cognac genehmigen. Die Bar hätte einen separaten Eingang, so dass man auch nur etwas trinken gehen kann, ohne ins Restaurant zu müssen. Ich finde, so etwas fehlt in dieser Gegend noch.

Was wird sich mit Ihnen nebst dem Umbau noch verändern im «Schäfli»?

Kuchler: Ich will eine gewisse Hemmschwelle brechen, die zwischen einigen Leuten und dem «Schäfli» existiert. Es sollen nicht alle denken, dass es da nur schön und teuer ist. Mein Ziel ist, dass auch Turnvereine und Männerchöre aus den umliegenden Gegenden zu mir kommen – zum Beispiel in diese Bar. Das «Schäfli» wird einen Hauch moderner und aufwendiger. Ich möchte auch die jüngeren Leute ansprechen mit meiner Küche. Im grossen und ganzen haben mein Vater und ich aber denselben Kochstil, da wir beide auf die klassische Küche setzen.

Denken Sie, dass die Zusammenarbeit mit Ihrem Vater klappt?

Kuchler: Das werden wir bald sehen. Ich bin gottenfroh, dass er mir hilft. Ich könnte mir keinen besseren Koch wünschen. Auch dafür, dass meine Mutter weiterhin im Service tätig ist, bin ich sehr dankbar.

Lastet ein Druck auf Ihnen, weil Ihr Vaters das «Schäfli» jahrelang erfolgreich geführt hat?

Kuchler: Das «Schäfli» verändert sich ja nicht komplett, auch die Küche nicht. Ich bringe einfach meine eigenen Ideen ein. Natürlich bleiben auch die Klassiker, die mein Vater jahrelang gekocht hat, auf der Karte. Ich möchte ja, dass die Stammgäste bleiben.

Das Restaurant verliert aufgrund der Schliessung alle Auszeichnungen, darunter auch 18 Gault-Millau-Punkte. Ein grosser Verlust?

Kuchler: Klar ist es ein Verlust. Aber auch ein Ansporn, sie wieder zu erhalten. Ich bin erst dreissig, ich brauche ja noch irgendwelche Ziele im Leben. Im «Hirschen» habe ich 17 Punkte erhalten. Das ist nur einer weniger als bei meinem Vater. Und ich denke nicht, dass ich im «Schäfli» schlechter koche als im «Hirschen». Also ist es definitiv das Ziel, dort wieder anzuknüpfen. Das «Schäfli» soll wieder die Nummer eins im Thurgau sein. Aber das ist nicht das Wichtigste.

Was ist denn das Wichtigste?

Kuchler: Dass die Gäste wiederkommen. Noch wichtiger ist zunächst aber, dass Geld reinkommt (lacht). Drei Michelin-Sterne nützen einem nix, wenn man pleite ist.

Erhalten Sie oft Rückmeldungen wegen des Generationenwechsels?

Kuchler: Ja, die erhalten ich und mein Vater. Einige raten mir, dass ich mein Ding auch ja durchziehen soll. Andere sagen zu meinem Vater Dinge wie: «Guckst Du dann aber, dass der Kleine nicht zu sehr rumspinnt.» Doch mein Vater und ich stehen da drüber. Uns ist es egal, was die Leute sagen. Wir stärken uns gegenseitig den Rücken. Ich verbiege mich nicht für einen Gast.