Metzgete für Buchhalter

Der Speck muss weg, sagt der Sirnacher Gemeinderat. Ein Waschbrettbauch ist – hartes Training vorausgesetzt – dem einen oder anderen Behördenmitglied zwar durchaus zuzutrauen. Gemeint ist aber nicht das Resultat zahlloser Apéros mit obligaten Chips und Möhl-Saft.

Olaf Kühne
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Der Speck muss weg, sagt der Sirnacher Gemeinderat. Ein Waschbrettbauch ist – hartes Training vorausgesetzt – dem einen oder anderen Behördenmitglied zwar durchaus zuzutrauen. Gemeint ist aber nicht das Resultat zahlloser Apéros mit obligaten Chips und Möhl-Saft. Vielmehr hat das Gemeindekässeli noch ein kleines Pölsterli. Kein richtiges Geld zwar. Aber immerhin Eigenkapital. Das ist so ein Buchhaltungs-Dings mit meist ganz grossen Zahlen. Sich damit etwas kaufen kann man in der Regel nicht – aber wenigstens ein Defizit budgetieren, ohne den Steuerfuss anzuheben.

KV-Stifte lernen, dass Eigenkapital nichts Schlechtes sein muss. Menschen, die für ihr Geld arbeiten müssen, wissen aber auch, dass Steuererhöhungen etwas ganz Übles sind. Der Sirnacher Gemeinderat macht sich mit seinem Budget also bestimmt keine Feinde. Zumal die Behörde damit einer Art Megatrend folgt. Allerorten werden derzeit im Hinterthurgau defizitäre Budgets präsentiert, mehr Steuern eintreiben mag hingegen niemand. Der Speck muss herhalten. Fitness mittels Buchhaltung. Harmonisiertes Rechnungslegungsmodell heisst das neuerdings. Tönt mehr nach Yoga als nach Hantelbank. Hauptsache, es wirkt. Ein schlanker Staat sei ja etwas Gutes, heisst es.

Kümmern wir uns mit dem gesparten Steuerfranken deshalb um den eigenen Speck. Metzgete hat Saison. Macht zwar nicht schlank, schmeckt aber. Und in der Vorweihnachtszeit ist um die Taille eh Hopfen und Malz verloren. Da hilft auch die beste Turnerunterhaltung nicht mehr.