Messerattacke auf Ex-Freundin: Staatsanwalt fordert 10 Jahre Haft

WEINFELDEN. Wegen einer Messerattacke auf seine Ex-Freundin steht ein 27-jähriger Kosovare seit Dienstag vor dem Bezirksgericht Weinfelden. Für den Angeklagten, der nach der Tat drohte, sein Opfer umzubringen, verlangt der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von gut zehn Jahren. Das Urteil wird voraussichtlich am Donnerstagabend eröffnet.

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Der Angeklagte sitzt derzeit im vorzeitigen Strafvollzug. Im Gerichtssaal trug der 27-Jährige Fussfesseln. Die Verhandlung wurde am Dienstag unter Polizeischutz durchgeführt.

Das Opfer wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt. Als die junge Frau unter Tränen erzählte, wie ihr Ex-Freund sie immer wieder bedrängte und bedrohte, wurde klar, warum auch der Angeklagte während ihrer Befragung den Gerichtssaal verlassen musste.

"Er sagte, wenn ich ihn verlasse, werde er mich umbringen oder mir Säure ins Gesicht schütten. Dann werde mich nie mehr ein Mann ansehen", sagte das Opfer. Der sechs Jahre ältere Angeklagte sei ein unreifes "Muttersöhnchen", und sie habe ihn damals nicht ernst genommen.

Die Frau − eine Albanerin, die von der Familie des Angeklagten im Gegensatz zu seiner früheren Schweizer Freundin akzeptiert wurde − war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. Erst als der Mann sie nach der Trennung im Februar 2012 verfolgte und bedrohte, habe sie es mit der Angst zu tun bekommen.

Messer in Bauch gestochen
Einige Wochen später lauerte er ihr vor ihrem Arbeitsplatz im thurgauischen Märwil auf. Der Angeklagte habe ihr den Weg versperrt, weil er mit ihr reden wolle. Sie habe grosse Angst gehabt und sei Richtung Bushaltestelle gerannt. "Doch ich habe es nicht geschafft: Er packte mich und stach mir mit einem langen Messer zweimal in den Bauch."

Das Opfer erlitt zwar keine lebensgefährlichen Verletzungen. Das sei jedoch reines Glück gewesen. "Wären Organe verletzt worden, wäre die Frau verblutet", sagte der Staatsanwalt vor Gericht. Statt sie ins nächste Spital zu bringen, sei der Angeklagte während eineinhalb Stunden mit der blutenden und nach Luft ringenden Frau herumgefahren. Bevor er sie in der Notaufnahme des Kantonsspitals St.Gallen ablieferte, habe er sie erneut mit dem Tod bedroht, sagte die junge Frau.

"Wollte Frau nicht verletzen"
Wie der Angeklagte vor Gericht − ebenfalls weinend − schilderte, habe er kurz vor der Tat die Freundin, den Fahrausweis und den Job verloren. Deshalb sei er depressiv gewesen. Während der Messer-Attacke sei er nicht er selbst gewesen. "Ich wollte sie nicht verletzen und habe einfach ein wenig in ihre Richtung gestochen." Er habe nicht gedacht, dass das Messer so scharf sei. Sein Verteidiger verlangt wegen einfacher Körperverletzung eine bedingte Freiheitsstrafe von höchstens 20 Monaten.

Die Staatsanwaltschaft sieht die Messer-Attacke als versuchte vorsätzliche Tötung. Der Angeklagte habe sich zudem der Gefährdung des Lebens, der mehrfachen Drohungen, der Vorbereitung zu schwerer Körperverletzung und Mord und weiterer Delikte schuldig gemacht. Die Staatsanwaltschaft verlangt eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren und zwei Monaten und eine Busse von 2400 Franken.

Drohungen aus dem Gefängnis
Der Angeklagte habe mit Todes-Drohungen weitergemacht, als er bereits im vorzeitigen Strafvollzug sass. Mit einem in die Zelle geschmuggelten Handy rief er laut Anklage seine Mutter und seinen Bruder an und sagte über sein Opfer: Die Hure mache sein Leben kaputt. Er werde ihr die Kehle durchschneiden. Falls man ihn nach Kosovo abschiebe, werde er ihre ganze Familie vernichten.

Der Angeklagte sagte, er könne sich an diese Telefongespräche nicht erinnern. Er habe die Drohungen wahrscheinlich unter dem Einfluss von Beruhigungs− und Schlafmitteln ausgestossen. Sowohl vom Opfer wie vom Angeklagten wollte der Gerichtspräsident wissen, ob in ihrer Familie Blutrache ein Thema sei. Beide verneinten dies. (sda)