Merkwürdige Tierliebe

«Der Tierschutz, mein Freund», sagt mein Cousin, der Steckborner Turmspatz, «funktioniert nach dem Zufallsprinzip.» «Wie meinst du das?», will ich wissen. «Es ist doch so, Siegelturm-Tschilper, viele Leute fühlen sich erst nützlich, wenn sie etwas für eine andere Kreatur tun können.

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«Der Tierschutz, mein Freund», sagt mein Cousin, der Steckborner Turmspatz, «funktioniert nach dem Zufallsprinzip.» «Wie meinst du das?», will ich wissen. «Es ist doch so, Siegelturm-Tschilper, viele Leute fühlen sich erst nützlich, wenn sie etwas für eine andere Kreatur tun können. Das beste Beispiel ist die Katzenliebe.» Da hat mein Cousin recht. Die Menschen richten Katzenhäuser ein und päppeln dort ausgesetzte räudige Miezen auf. Wenn diese Viecher dann zu Kräften kommen, machen sie uns Vögeln den Garaus. Fell kommt vor Federn. Tierschutz hat wenig mit Logik zu tun.

So haben sich einige Gutmenschen nun den Kundelfingerhof bei Schlatt vorgenommen. In den Teichen am Buechberg, wo schon seit vielen Jahren eine traditionelle Fischzucht betrieben wird und die Forellen gleich zu Filets verarbeitet und geräuchert werden, dürfen auch Hobbyfischer ihre Köder in künstlichen Teichen auswerfen und angeln. Dort wittern Fischfreunde nun die grosse Quälerei. Ein Haken im Fischmaul ist ihrer Ansicht nach eine unverantwortliche Brutalität gegenüber der Kreatur.

Es ist natürlich einfach, sich über ein Randproblem aufzuregen. Danach kann man mit gutem Gewissen Fischstäbchen essen, die mit grossen Schleppnetzen aus den Meeren geholt werden. Wer überlegt sich schon im Supermarkt, wie das Fleisch und der Fisch im Einkaufswagen geschlachtet und produziert wurde.

Für das eigene Wohlbefinden ist es aber gut, wenn man einen Betrieb wie den Kundelfingerhof anprangern kann. Danach streicheln die Tierfans zufrieden und mit gutem Gewissen das herzige Kätzchen, das am Tag zwei junge Rotschwänzchen und eine Smaragdeidechse gemeuchelt hat.

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