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Mehrheit will Anlehre zurück

Die vorberatende Kommission unterstützt mit einer Zweidrittelmehrheit die Einführung einer Anlehre mit kantonalem Attest. Der Grosse Rat hatte die zugrunde liegende Motion nur knapp für erheblich erklärt.
Thomas Wunderlin
Roland A. Huber BDP-Kantonsrat, Kommissionspräsident ohne Stimmrecht (Bild: Reto Martin)

Roland A. Huber BDP-Kantonsrat, Kommissionspräsident ohne Stimmrecht (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Der Frauenfelder BDP-Kantonsrat Roland A. Huber sorgt sich um seine Schüler, die er als Musikpädagoge am Heilpädagogischen Zentrum Frauenfeld betreut. Manche haben kaum Chancen, den Einstieg in die Arbeitswelt zu schaffen. Denn der Bund hat die Anlehren durch anspruchsvollere zweijährige Ausbildungen ersetzt, die mit einem eidgenössischen Berufsattest (EBA) abgeschlossen werden. Huber will deshalb im Thurgau eine zweijährige Anlehre mit geringeren Anforderungen einführen, die mit einem kantonalen Attest abschliesst. Der Grosse Rat hat Hubers entsprechende Motion am 26. Februar 2014 mit einer knappen Mehrheit von 59 Ja zu 52 Nein für erheblich erklärt. Der Regierungsrat, der die Motion zur Ablehnung empfohlen hatte, legte im Oktober 2015 eine Botschaft zu ihrer Umsetzung vor. Er rechnet mit 20 Jugendlichen pro Jahr, die das kantonale Attest anstreben würden. Bei Vollkosten von 200 Franken pro Lektion und acht Lektionen pro Woche sei bei zwei Klassen mit Gesamtkosten von 128 000 Franken pro Jahr zu rechnen.

Gewerbe gegen Belastung

In der Kommission war Eintreten umstritten. Gewerbevertreter wehrten sich gegen die zusätzliche Belastung der Ausbildungsbetriebe. Das EBA könne bei Bedarf verlängert und mit Lernzielbefreiung entlastet werden. Doch die Kommission sprach sich mit der klaren Mehrheit von 8 Ja zu 4 Nein für die kantonale Attestlehre aus. Laut Kommissionsbericht brauchen Jugendliche «mit einem schwierigen Hintergrund, denen es jedoch keineswegs an Motivation fehlt» einen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt. Es gebe zunehmend Jugendliche, die auch einer verlängerten EBA-Ausbildung nicht gewachsen seien. Jeder Jugendliche, der in den Arbeitsmarkt integriert werden könne, koste den Steuerzahler weniger, als wenn er lebenslang Sozialhilfe beziehe. Regierungsrätin Monika Knill wies in der Kommission zudem auf eine vom Bund geplante «Integrationsvorlehre» hin, ein Pilotprogramm für Flüchtlinge. Offen sei, ob diese mit dem kantonalen Ausbildungsangebot kombiniert werden könne.

Erste erfolgreiche BDP-Motion

Eine Besonderheit dieser Kommission war, dass Kommissionspräsident Roland A. Huber kein Stimmrecht hatte. Einen allfälligen Stichentscheid hätte der Vizepräsident fällen müssen. Die kleine, fünfköpfige BDP-Fraktion hat in den Spezialkommissionen nur Beobachterstatus, wie Huber erklärt. Er wurde dennoch zum Kommissionspräsidenten ernannt, da er der Urheber der zugrunde liegenden Motion war. Die Motion war die erste erfolgreiche Motion der BDP im Thurgauer Kantonsparlament. Im Januar 2016 hat die BDP eine weitere Motion für eine einheitliche Mittelschulstrategie erfolgreich durch den Rat gebracht; auch diese stammt von Huber. Ihm winkt deshalb ein weiteres Kommissionspräsidium – falls er am 10. April die Wiederwahl schafft.

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