Mehrere 100 Liter Salpetersäure ausgelaufen - ein Mann im Spital

WÄNGI. In Wängi wurde ein Giftalarm ausgelöst, weil aus einer Firma Salpetersäure ausgetreten war. Während die Einsatzkräfte versuchten, den weiteren Austritt von Säuredämpfen ins Freie zu verhindern, musste die Bevölkerung in den Häusern bleiben - unter anderem auch die Frau von Nationalratspräsident Hansjörg Walter.

Daniel Walt
Drucken
Der Unfall ereignete sich am Ortsrand von Wängi. (Bild: Google)

Der Unfall ereignete sich am Ortsrand von Wängi. (Bild: Google)

Der Giftalarm wurde laut Ernst Vogelsanger, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, kurz nach 12 Uhr ausgelöst. «Alarm geschlagen hatte eine metallverarbeitende Firma», so Vogelsanger. In deren Untergeschoss waren mehrere 100 Liter Salpetersäure ausgelaufen, als zwei Mitarbeiter im Rahmen von Unterhaltsarbeiten an einem Tank damit beschäftigt waren, eine Pumpe auszuwechseln.

Der Gang zum Einsatz. (Bild: Mario Testa)
16 Bilder
Der Chemieunfall hielt die Feuerwehr-Angehörigen auf Trab. (Bild: Mario Testa)
Mit Wasservorhängen kämpfte die Feuerwehr gegen die giftigen Dämpfe, die aus dem Betrieb ins Freie gelangten. (Bild: Mario Testa)
Auch ein Dekontaminationszelt wurde aufgebaut. (Bild: Mario Testa)
Gespenstische Szenen spielten sich beim Unternehmen ab, wo das Unglück passiert war. (Bild: Mario Testa)
Rund 100 Einsatzkräfte verschiedener Feuerwehren waren vor Ort. (Bild: Mario Testa)
Der Unfall im Betrieb ereignete sich um die Mittagszeit. (Bild: Mario Testa)
Emsiges Treiben vor Ort. (Bild: Mario Testa)
Lagebesprechung. (Bild: Mario Testa)
Zum Einsatz kamen die Feuerwehr Wängi, die Stützpunktfeuerwehr Münchwilen sowie die Chemiewehr Weinfelden. (Bild: Mario Testa)
Von den Medien bestürmt: Ernst Vogelsanger, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. (Bild: Mario Testa)
Auch die Chemiewehr Thurgau kam zum Einsatz. (Bild: Mario Testa)
Bereit zum Kampf gegen die ätzenden Dämpfe. (Bild: Mario Testa)
Feuerwehrler beim Dekontaminationszelt. (Bild: Mario Testa)
Beim Unfall gelangten Säuredämpfe ins Freie. (Bild: Mario Testa)
Der Alarm wurde um die Mittagszeit ausgelöst. (Bild: Mario Testa)

Der Gang zum Einsatz. (Bild: Mario Testa)


Mitarbeiter im Spital
Weil in der Folge Säuredämpfe ins Freie gelangten, wurde die Bevölkerung in der Umgebung der Firma via Radio aufgefordert, die Häuser nicht zu verlassen und Fenster sowie Türen geschlossen zu halten. Einer der beiden Mitarbeiter wurde beim Unfall leicht verletzt, er musste ins Spital gebracht werden. 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens konnten die Firma selbständig verlassen.

Der Unfall ereignete sich am Ortsrand von Wängi. (Bild: Google)

Der Unfall ereignete sich am Ortsrand von Wängi. (Bild: Google)



Wasservorhänge gegen giftigen Rauch
In der Folge kamen die Feuerwehren Wängi und Münchwilen sowie die Chemiewehr Weinfelden - insgesamt rund 100 Personen - zum Einsatz. Vor Ort waren auch die Kantonspolizei Thurgau sowie Spezialisten des Amts für Umwelt. Vorerst trat weiterhin gelblicher Rauch aus dem Gebäude aus. Die meisten Personen vor Ort trugen allerdings keine Schutzmaske - ausgenommen jene Einsatzkräfte, welche direkt beim Firmengebäude mit Wasservorhängen gegen den Austritt von weiteren giftigen Säuredämpfen kämpften. Aufgebaut wurde zudem ein Dekontaminationzelt.

Gestutzt und das Radio eingeschaltet
Prominentester Einwohner von Wängi ist der höchste Schweizer, Nationalratspräsident Hansjörg Walter. Am Telefon meldete sich seine Frau Madeleine: «Mein Mann ist auswärts», hielt sie gegenüber Tagblatt Online fest. Sie habe um die Mittagszeit die Sirenen gehört und zunächst noch gestutzt, weil Probealarme sonst angekündigt würden. Sie schaltete dann das Radio ein und hörte vom Vorfall mit der ausgelaufenen Salpetersäure.

Tiere möglichst geschützt
Auf dem Hof von Hansjörg und Madeleine Walter wurden in der Folge die Stallfenster und -Türen geschlossen. Nachher hielten sich Madeleine Walter, ihr Schwiegervater und die zwei Angestellten im Haus auf. «Ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist, sonst hätten wir wohl in Zivilschutzkeller gehen müssen», sagte sie – und harrte der Dinge, die da noch kommen sollten.

Keine Schule
Betroffen vom Giftalarm waren auch die Schulen von Wängi. Theres Kattwinkel, Präsidentin der Volksschulgemeinde: «Wir haben Eltern und Kinder per Telefonalarm informiert, dass die Schule am Nachmittag ausfällt.» Jene Kinder, die bereits unterwegs waren, wurden in den Schulhäusern betreut und beschäftigt. Betroffen waren laut Kattwinkel insgesamt 550 Kinder - in Wängi gibt es drei Primar- und zwei Sekundarschulhäuser. Die fünf Kindergarten-Abteilungen sind in den Primarschulhäusern beheimatet.

Salpetersäure abpumpen
Um 14.30 Uhr wurden die zuhanden der Bevölkerung erlassenen Verhaltensregeln wieder aufgehoben, nachdem sich die Dämpfe verflüchtigt hatten und keine neuen mehr austraten. Die Feuerwehr konnte sich laut Ernst Vogelsanger daran machen, die ausgelaufene Salpetersäure abzupumpen. Das Ausrufen des Giftalarms bezeichnete Vogelsanger als vorsorgliche Massnahme, die wegen der ausgetretenen ätzenden Dämpfe getroffen worden sei.

Aktuelle Nachrichten