Mehr Spielraum in der Dorfzone

Nach Frauenfeld ist Gachnang die zweite Gemeinde der Region, die ihr überarbeitetes Baureglement zur Diskussion stellt. Im Dorfkern dürfte die Bewegungsfreiheit für Bauherren etwas grösser werden, weil die Nutzungsziffer wegfällt.

Stefan Hilzinger
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Gachnang boomt. Blick vom Letten Richtung katholischer Kirche mit der Baustelle des neuen Quartiers «Schlosswiese». (Bild: Reto Martin)

Gachnang boomt. Blick vom Letten Richtung katholischer Kirche mit der Baustelle des neuen Quartiers «Schlosswiese». (Bild: Reto Martin)

GACHNANG. Der Leiter der Gachnanger Bauverwaltung muss gleich ein Missverständnis ausräumen: «Es gibt kein regionales Baureglement an sich», sagt Stefan Angst. Vier Jahre haben 13 der 15 Gemeinden der Regionalplanungsgruppe Frauenfeld über einheitlichen Bauvorschriften gebrütet. Nun ist es an jeder der beteiligten Gemeinden, das entstandene einheitliche Grundreglement an die örtlichen Verhältnisse anzupassen. Gachnang ist nach Frauenfeld (TZ von gestern) die zweite Gemeinde, die ihr überarbeitetes Reglement öffentlich auflegt. Vergangene Woche fand eine mässig besuchte Info-Veranstaltung statt. Die Auflage beginnt am 25. September und dauert bis 14. Oktober.

Einheitliche Begriffe

«Die gültige Zonenplanung wird vom neuen Baureglement nicht tangiert», sagt Bauverwalter Angst. Dennoch zieht das einheitliche Reglement eine Reihe von formellen, aber auch materiellen Änderungen nach sich. So werden etwa die Bauzonen in den verschiedenen Gemeinden künftig gleich bezeichnet. Die Dorfkernzone heisst künftig Dorfzone, um nur ein Beispiel zu nennen.

Ein weiteres Detail ist auch die einheitliche Farbgebung für die Bauzonen in den Plänen. «Da gilt eine SIA-Norm», sagt Angst. Künftig gibt es auch einheitliche Messverfahren und Bezeichnungen, etwa betreffend Gebäudehöhen. «Hier ist vieles durch die Interkantonale Vereinbarung zur Harmonisierung der Baubegriffe vorgeschrieben», sagt Angst. Die Gemeinden stehen in der Pflicht, die seit 2013 gültige Vereinbarung umzusetzen.

Leicht höhere Ausnutzung

Was Architekten, Planer und Bauherren aber direkt merken werden, sind die materiellen Veränderungen. So misst in Gachnang der kleine Grenzabstand in Wohnzonen künftig immer sechs Meter, bisher waren es acht Meter. «Bei all den verschiedenen Abständen und Massen mussten sich die beteiligten Gemeinden irgendwo auf einen Kompromiss einigen», sagt Angst.

Änderung gibt es auch, was die Nutzungsziffern angeht. Diese geben an, wie viel Nutzfläche in Bezug zur Fläche des Baugrundstücks gebaut werden darf. Statt der Ausnützungsziffern gelten neu sogenannte Geschossflächenziffern. Zwar können die Werte nicht 1:1 verglichen werden, da sie nicht gleich berechnet werden, sagt Bauverwalter Angst. Doch Karin Widmer, für den Hochbau zuständige Gemeinderätin, sagt: «Die Ausnützung wird von der Tendenz her höher.» Dies sei ganz im Sinne einer haushälterischen Nutzung des Bodens, wie es die Raumplanung verlangt, sagt Bauverwalter Angst. Einen vergleichbaren Effekt habe die generelle Aufhebung von Nutzungsziffern in der Dorfzone. «Der Spielraum wird etwas grösser», sagt Widmer. Künftig bestimmen Abstände und zulässige Gebäudehöhen die Baumasse.

Einfachere Verfahren

Bauverwalter Angst und Gemeinderätin Widmer versprechen sich von einheitlichen Baureglementen in der Region schlankere Bewilligungsverfahren. «Viele Architekten sind regional tätig, für sie kann es einfacher werden, bewilligungsfähige Projekte einzureichen», sagt Karin Widmer, die selbst Architektin ist.

Vorerst aber müssen das Gachnanger Baureglement und die der anderen Gemeinden noch die Instanzen durchlaufen. Während der Auflage kann es Einsprachen geben. Diese muss der Gemeinderat behandeln. Dann kommt das Geschäft als Traktandum an die Gemeindeversammlung. Gachnang will dies an der Budgetgemeinde im Dezember tun. «Gültig ist das Reglement erst, wenn abschliessend auch der Regierungsrat seinen Segen erteilt», sagt Angst.

Karin Widmer Gemeinderätin Gachnang Ressort Hochbau (Bild: Stefan Hilzinger)

Karin Widmer Gemeinderätin Gachnang Ressort Hochbau (Bild: Stefan Hilzinger)