Mehr Sozialfälle, weniger Kosten

Vergangenes Jahr waren in Frauenfeld zehn Prozent mehr Einwohner auf Sozialhilfe angewiesen. Trotzdem sind die Aufwendungen insgesamt leicht gesunken. Stadträtin Christa Thorner spricht von einer Zwischenberuhigung.

Mathias Frei
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Christa Thorner Stadträtin Dep. Gesellschaft und Soziales (Bild: pd)

Christa Thorner Stadträtin Dep. Gesellschaft und Soziales (Bild: pd)

FRAUENFELD. «Bei uns gilt das Prinzip von Leistung und Gegenleistung. Das setzen wir durch.» Diese Worte stammen von Turi Schallenberg, Amtsleiter Soziale Dienste der Stadt Frauenfeld. Er führt diese Konsequenz als einen von mehreren Gründen auf für den erfreulichen Abschluss in Sachen Fürsorgekosten.

Denn die Ausgaben sind insgesamt gesunken – von einem Höchststand 2012 mit 14,5 Millionen Franken über 14,45 Millionen auf 14,2 Millionen nun im vergangenen Jahr. Zugleich konnten auch die Einnahmen leicht gesteigert werden – um 50 000 Franken auf 9,3 Millionen Franken. Das führte zu einem Nettoaufwand für die Stadt von 4,9 Millionen. 2013 lag er noch knapp 300 000 Franken höher.

Vergangenes Jahr 134 neue Fälle

Diese finanzielle Entwicklung ist umso erstaunlicher, als zugleich die Zahl der Sozialhilfeempfänger gestiegen ist. Ende 2014 gab es in Frauenfeld deren 823, zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 134 Fälle wurden eröffnet, deren 112 konnten abgeschlossen werden. Ein Fall umfasst oft ganze Familien.

Zu überschwenglich freuen will sich die zuständige Stadträtin Christa Thorner ob dieser Entwicklung nicht. Sie geht von einer «Zwischenberuhigung» aus. Mehrere Faktoren seien nicht beeinflussbar durch die Stadt. «Dieses Jahr könnte es auch wieder in die andere Richtung ausschlagen», stellt Thorner fest. In den Bereichen, die man in eigenen Händen habe, sei man aber auf einem guten Weg.

Ein wichtiger Punkt ist zum Beispiel, dass mehr Rückerstattungen eingingen. Denn wer Sozialhilfe bezogen hat, ist gesetzlich verpflichtet, diese Beiträge nach Möglichkeit wieder zurückzuzahlen. Die Sozialen Dienste fordern diese Schulden ein und vereinbaren mit den ehemaligen Klienten Rückzahlungen. «Wir sind konsequent, machen aber nicht auf Inkassobüro.» Dies sei zwar mit einem gewissen Aufwand verbunden, der sich aber bezahlt mache, wie Turi Schallenberg sagt. Auch bei der Invalidenversicherung (IV) zahlte sich die städtische Hartnäckigkeit aus. Bei mehreren negativen IV-Bescheiden rekurrierte die Stadt namens der Klienten erfolgreich. So konnten Rückerstattungen des Bundes verbucht werden für städtische Sozialhilfeleistungen.

«Die meisten wollen arbeiten»

Weiter verzeichneten die Sozialen Dienste deutlich höhere Lohneinnahmen von Sozialhilfeempfängern. Denn diese werden von der Stadt verpflichtet, sich um Lohnarbeit zu bemühen. Wer dem nicht nachkommt, muss mit Sanktionen bei den Beiträgen rechnen. «Unser Ziel ist es, die Klienten möglichst schnell wieder in die wirtschaftliche Selbständigkeit zu entlassen», sagt Schallenberg. Der allergrösste Teil der Sozialhilfeempfänger, also rund 90 Prozent, wolle arbeiten. Eine Herausforderung stellten junge Erwachsene ohne Berufsabschluss dar. Ein Teilzeitpensum sei als erster Schritt zur Reintegration mehr wert als gar nichts.

Frühförderung lohnt sich

Ein anderer Grund für die positiven Finanzen war, dass es weniger und auch weniger teure Fremdplazierungen von Kindern und Jugendlichen gab. Solche Massnahmen könne die Stadt nur geringfügig beeinflussen, sagt Stadträtin Thorner. «Wir versuchen es aber zuerst mit sanften Massnahmen.» Hier macht sich die aktive Prävention und Frühförderung der Stadt bezahlt. Denn ein Jahr sozialpädagogische Begleitung kommt auf maximal 20 000 Franken, eine gleich lange Fremdplazierung würde die Stadt mindestens 50 000 Franken kosten.

Zudem gingen aufgrund der höheren Fallzahlen mehr Gelder aus der Prämienverbilligung ein. Und die Stadt musste für weniger Frauenfelder Bürger aufkommen, die in anderen Kantonen Fürsorge beziehen.

Turi Schallenberg Amtsleiter Soziale Dienste (Bild: Donato Caspari)

Turi Schallenberg Amtsleiter Soziale Dienste (Bild: Donato Caspari)

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