Mehr Platz für die Universität

Die HSG soll erweitert werden. Nahe der Altstadt ist bis 2025 ein zweiter Standort für Lehre und Forschung geplant, ausgelegt für 3000 Studierende. Auf dem Rosenberg soll die Unibibliothek vergrössert werden.

Christoph Zweili
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Die Bibliothek an der HSG soll auf 8000 Studierende ausgelegt werden – heute hat sie nur Platz für 3500. (Bild: Urs Jaudas)

Die Bibliothek an der HSG soll auf 8000 Studierende ausgelegt werden – heute hat sie nur Platz für 3500. (Bild: Urs Jaudas)

ST. GALLEN. Die Universität St. Gallen ist in den letzten Jahrzehnten zum Opfer des eigenen Erfolgs geworden. Das Ausländerkontingent von 25 Prozent genügt längst nicht mehr, um den Zustrom der Studierenden zu regulieren, ebenso wenig wie die harte Selektion im ersten Jahr an der Wirtschaftsuniversität, die zu den besten in Europa gehört. Erstmals haben sich über 8000 Studierende für das Herbstsemester eingeschrieben, die HSG ist vor allem für fremde Bachelors attraktiv, die hier ihr Masterstudium absolvieren.

Die akute Raumnot betrifft nicht nur Lehre und Forschung, sondern insbesondere auch die Bibliothek. «Beim Bauprojekt 2006 bis 2011 wurden die Raumkapazitäten auf 5000 Studierende erhöht. Der Ausbau konzentrierte sich aber auf die <Förderer-Bauten> aus den Sechzigerjahren. Das Bibliotheksgebäude mit einer Kapazität von 3500 Studierenden blieb unverändert», sagte Bauchef Willi Haag gestern vor den Medien.

Zweiter Campus in der Stadt

Heute sei es zwar nicht mehr so, dass Aula und Sporthalle in der Prüfungszeit als Prüfungssäle dienen müssten, ein Studienbetrieb sei aber nach wie vor nur mit Provisorien und in gemieteten Liegenschaften möglich, darunter viele auf dem Rosenberg, dem Hügelzug nördlich der Stadt.

Bis 2020 soll sich das Wachstum der Studierendenzahlen verflachen, so die Prognose. Für den nächsten Ausbauschritt geht die HSG von 8000 bis 9000 Studierenden aus – Haag: «Als ideal hat sich eine Strategie mit zwei Standorten herausgestellt. Am jetzigen Standort soll der Campus künftig für 5500 Studierende ausgelegt sein. Am Platztor am Unteren Graben ist in der Nähe der Altstadt ein neuer Standort für Lehre und Forschung geplant. Der westliche Teil des Areals ist in Stadtbesitz (siehe Grafik), der östliche Teil bis Magniberg ist Privateigentum. Die Stadt ist bereit, das Areal dem Kanton zu verkaufen – das Stadtparlament berät den Verkauf bereits am 18. November.

Mit dem zweiten Standort würde das Quartier Rotmonten entlastet, die noch vorhandenen Landreserven blieben für kommende Generationen erhalten. «Ein Teil der heute von der HSG genutzten Wohnliegenschaften könnte zurückgegeben werden», sagte Regierungsrat Haag.

Die Gesamtkosten für die HSG-Erweiterung lassen sich beim jetzigen Projektstand noch nicht beziffern – der Kanton hat 140 Millionen für den Ausbau bereitgestellt. Auch der Bund, Donatoren und Dritte sollen sich an den Kosten beteiligen.

Neuer Projektfahrplan

Ungewöhnlich ist der vorgesehene Projektfahrplan. Basierend auf dem neuen Immobilienmanagement des Kantons findet das Wettbewerbsverfahren erst nach den politischen Entscheiden statt. Damit wird der Kantonsrat künftig früher in die Entscheidfindung eingebunden, wie das von SVP und CVP verlangt wurde. Die erweiterte Universität soll 2025 bezugsbereit sein – die Mietverträge für die Provisorien, mit denen die HSG die Raumdefizite überbrückt, laufen noch vor 2024 aus.

Thomas Bieger Rektor Universität St. Gallen (Bild: Urs Bucher)

Thomas Bieger Rektor Universität St. Gallen (Bild: Urs Bucher)

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