Mehr Kostentransparenz kommt

Auf Anfang 2014 wird im Thurgauer Heimwesen ein neues Finanzierungsmodell eingeführt, das sich am Betreuungsbedarf orientiert. Dies führt schon jetzt – in der Übergangsphase – zu administrativem Mehraufwand.

Mathias Frei
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Mit der neuen Finanzierung für Heime und Werkstätten (im Bild die Brüggli-Werkstätte in Romanshorn) kann es zu Umverteilungen kommen. (Archivbild: Donato Caspari)

Mit der neuen Finanzierung für Heime und Werkstätten (im Bild die Brüggli-Werkstätte in Romanshorn) kann es zu Umverteilungen kommen. (Archivbild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. «Das neue Finanzierungsmodell bringt eine gerechtere Abgeltung», erklärt Florentina Wohnlich, Leiterin des kantonalen Fürsorgeamtes. Das heisst: Für schwerbehinderte Personen fliessen höhere Beiträge als für Menschen mit minimaler Behinderung. Auf 2014 soll das Ratingsystem, welche die Beitragsfinanzierung regelt, eingeführt werden.

Bis Ende 2007 war die finanzielle Unterstützung von Wohnheimen und Werkstätten für erwachsene Menschen mit einer Behinderung Aufgabe des Bundes. Dies änderte sich auf 2008 mit dem neuen Finanzausgleich (NFA). Das kantonale Fürsorgeamt übernahm im Thurgau die Beitragsabrechnung für die aktuell 25 unterstützten Institutionen im Kanton.

Früher Pauschalbeiträge

Das Bundesamt für Sozialversicherungen entschädigte mit nach oben begrenzten Pauschalbeträgen beim Wohnen und bei den Arbeitsstunden in Werkstätten. Unabhängig vom Behinderungsgrad der Einzelperson wurden so die Institutionen kostendeckend abgegolten.

Aufgrund der neuen Verantwortung beim Kanton wurde ein Finanzierungsmodell entwickelt, das sich am individuellen Betreuungsbedarf (IBB) orientiert. Einerseits entschädigt der Kanton mit dem IBB-Modell den Objekt-, also Sachaufwand der Heime. Zum anderen eruiert ein Rating den Subjektaufwand, also IBB für jede betreute Person in einer Institution, aufgrund dessen Beitragszahlungen erfolgen. Bei den Bauinvestitionen übernimmt der Kanton neu 55 Prozent der Kosten, vor 2008 waren es deren 25.

Neu jährliche Aktualisierungen

Für die Zeit bis mindestens 2010 hatte der Kanton die Auflage des Bundes, die alte Praxis beizubehalten. Diesen Herbst nun erfolgen gemäss Florentina Wohnlich die ersten Pilotabrechnungen nach dem neuen Modell. «Das Ratingsystem ist schon scharf.» Sie verspricht sich davon mehr Transparenz bei der Finanzierung aufgrund des effektiven Aufwands. In Zukunft finden mit dem Rating jährliche Neubewertungen des IBB statt. Das Folgejahr wird jeweils im November ausgehandelt. Die «riesige Mehr-Administration» nimmt Wohnlich in Kauf. Die neuen Instrumente müssten nun bis Ende 2013 erprobt werden.

Mehrarbeit für Heime

Mehraufwände administrativer Natur würden sich auch für die betroffenen Heime ergeben, sagt Bruno Würth, Verbandspräsident der Thurgauer Institutionen im Behindertenbereich. Grundsätzlich gehe diese transparente Leistungsabgeltung in die richtige Richtung. Der Kanton habe zugesichert, dass der Kuchen nicht kleiner werde, es aber zu Umverteilungen kommen könne.

«Die Thurgauer Behinderteninstitutionen befinden sich zur Zeit in gespannter Erwartung», sagt Würth. Noch unklar sei beispielsweise der Frankenbetrag pro Ratingpunkt, womit die Institutionen zurzeit noch im Dunkeln tappten. Er hoffe, dass sich die bisher offene Gesprächskultur mit dem Kanton fortsetze, wenn die Zahlen dann auf dem Tisch liegen würden. Bislang hätten die Institutionen viel mitwirken können bei der Ausarbeitung des Ratings.