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Mehr kleine Tumore entdeckt

Der Kanton Thurgau will, dass weniger Frauen an Brustkrebs sterben. Deshalb führt er seit fünf Jahren ein Mammographie-Screening durch. Über die Wirksamkeit kann aber noch keine Aussage gemacht werden.
Michèle Vaterlaus
Eine Frau lässt ihre Brust röntgen. (Bild: Hannes Thalmann)

Eine Frau lässt ihre Brust röntgen. (Bild: Hannes Thalmann)

FRAUENFELD. Seit fünf Jahren führt der Thurgau ein Mammographie-Screening durch: Alle Frauen zwischen 50 und 75 werden alle zwei Jahre zur Mammographie eingeladen. So soll Brustkrebs möglichst früh erkannt werden. Ziel des Screenings ist es, die Sterberate zu senken. Denn die Krankheit ist die häufigste Todesursache bei Frauen in diesem Alter. Ob das Ziel erreicht wurde, kann aber noch nicht gesagt werden.

Zu wenig Daten

Anne Schmidt, ärztliche Leiterin vom Krebsregister Thurgau, erklärt: «Eine spezifische Aussage für den Thurgau kann noch nicht gemacht werden.» Das Krebsregister gibt es nämlich erst seit 2012. Deshalb lägen derzeit noch zu wenig Daten vor. «Für aussagekräftige Ergebnisse zur Beurteilung der Wirksamkeit eines Screenings braucht es vollständige Datenerhebungen über mindestens 20 Jahre», sagt Schmidt. «Und es braucht den Vergleich mit Populationen ohne Mammographie-Screening.»

Eine Auswertung des Screenings gibt es dennoch. Die Frauenklinik Frauenfeld hat eine solche vorgenommen. Dazu hat sie die Daten zwei Jahre vor Einführung des Screenings und zwei Jahre nach dessen Einführung genommen.

286 Brustkrebsfälle

Im Thurgau nehmen 48 Prozent aller Frauen zwischen dem 50. und 75. Lebensjahr am Mammographie-Screening teil. Zwei Jahre vor Einführung des Screenings waren am Brustzentrum Thurgau 299 Patientinnen mit neu diagnostiziertem Brustkrebs in Behandlung. Zwei Jahre nach der Einführung waren es 286. Die mehr oder weniger konstante Zahl führt Mathias Fehr, Chefarzt der Frauenklinik des Kantonsspitals Frauenfeld, darauf zurück, dass die Frauen im Risikoalter von ihren Frauenärzten bereits vor dem Screening zur Mammographie geschickt wurden. Bei 76 Frauen dieser 286 Frauen, also bei 26,6 Prozent, wurde aber die Diagnose aufgrund der Teilnahme am Screening gestellt. Fehr weiss: «Insgesamt wurden nicht mehr Tumore entdeckt als in der Zeit vor dem Screening.» Etwas hat sich aber verändert: «Die Zahl der kleineren Tumore, die entdeckt wurden, hat in der Zeit, seit das Screening eingeführt wurde, zugenommen. Die Zahl der grösseren hat jedoch abgenommen.» Grund dafür sei, dass Tumore durch das Screening früher, also in einem Stadium, in dem sie noch kleiner sind, erkannt werden. Das habe den Vorteil, dass sie auch unkomplizierter behandelt werden können als grössere Tumore. Bei früher entdeckten Tumoren ist eine weniger ausgedehnte Operation möglich, die kosmetisch ein besseres Resultat ergibt. Und meistens kann auf eine Chemotherapie verzichtet werden.

Dennoch wurde das Screening 2014 vom Swiss Medical Board in einer Studie kritisiert. Die Ärzte, welche die Studie durchführten, resümierten, dass das Screening zu viel Schaden anrichte, da auch Biopsien, also Gewebeproben, oder gar Operationen durchgeführt werden, die gar nicht nötig seien. Also eine Überdiagnostik und Übertherapie stattfinde. Die Ärzte rieten davon ab, solche kantonalen Screenings durchzuführen.

Kanton macht trotzdem weiter

Der Thurgau machte dennoch weiter. Fehr gibt denn auch nicht sehr viel auf diese Studie. «Die Zahlen stimmen. Nur sind Biopsien heute nicht mehr derart drastische Eingriffe wie früher.» Sie könnten ambulant gemacht werden mit einer Lokalanästhesie. Im Thurgau sei die Gegnerschaft des Screenings aber ohnehin klein – auch nach der Veröffentlichung der Studie habe sich kaum etwas getan. «Die Zahl der Mammographien ist konstant.» Als die Studie publik wurde, seien die Ärzte von den Frauen aber mit mehr Fragen konfrontiert worden.

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