Mehr Hinterthurgauer an die Kanti Wil

Gemäss Prognosen steigt die Zahl der Thurgauer Mittelschüler nächstes Jahr auf 2076. Die Thurgauer Vertretung in Wil dürfte um elf Prozent zunehmen. Vorbehalten bleibt die Zwangszuteilung von Hinterthurgauern an die Kantonsschule Frauenfeld.

Thomas Wunderlin
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Die Kantonsschule Wil hat 2004 ihren heutigen Standort bezogen. (Bild: Nana do Carmo)

Die Kantonsschule Wil hat 2004 ihren heutigen Standort bezogen. (Bild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. Nächstes Jahr besuchen voraussichtlich 145 Hinterthurgauer die Kantonsschule Wil. Das wären fast zehn Prozent mehr als die bisherigen 132. Voraussichtlich werden mehr Hinterthurgauer eintreten als abgehen. Die Prognose beruhe auf den Erfahrungen der Vorjahre, erklärt Harry Wolf vom Thurgauer Amt für Mittel- und Hochschule. Die Zahl für 2015 steht in der Budgetbotschaft des Regierungsrats, ist aber auch nicht definitiv, da das Jahr noch nicht zu Ende ist. Für die Statistik sind Kalenderjahre massgebend, welche die Schuljahre überlappen. Die neusten definitiven Zahlen stammen von 2014. Damals gingen im Schnitt übers ganze Jahr 125 Hinterthurgauer nach Wil. Es wären weniger gewesen, hätten sich nicht Hinterthurgauer Eltern und Politiker gegen die Zwangszuteilung von sieben Sirnachern an die Kantonsschule Frauenfeld gewehrt. Der Hinterthurgau betrachtet die Kantonsschule im nahegelegenen st. gallischen Wil als seine Kantonsschule und stellt jeweils etwa einen Fünftel bis einen Viertel ihrer Schüler.

Weit nach hinten gegriffen

Angesichts der geburtenschwachen Jahrgänge hatte das Amt für Mittel- und Hochschulen bei der Schülerzuteilung weiter in den Hinterthurgau hineingegriffen als je zuvor, um die Klassen in Frauenfeld aufzufüllen. Nachdem die Sirnacher doch nach Wil gehen durften, erreichte Frauenfeld 2014 nur eine durchschnittliche Klassengrösse von 19,13 Schülern und blieb damit unter der Vorgabe von 20.

Bei der Zuteilung 2015 konnten laut Wolf alle Kantonsschüler dorthin gehen, wohin sie wollten: «Man musste niemanden zwingen.» Für die nächstjährige Zuteilung kann er noch wenig sagen. Grundsätzlich behält sich das Amt für Mittel- und Hochschulen vor, jemanden gegen seinen Willen einer anderen Kantonsschule zuzuteilen. «Dass jemand nach Frauenfeld muss, der lieber nach Wil will, kommt immer wieder vor», sagt Wolf. Je näher jemand bei Wil wohne, desto unwahrscheinlicher sei die Einteilung nach Frauenfeld. Dass Sirnacher betroffen sein werden, davon gehe er nicht aus.

Bei der Schülerzuteilung ist es laut Wolf «ideal, ans Limit zu gehen», bevor eine weitere Klasse eröffnet werden muss. «Jede neue Klasse führt zu einem Kostensprung.» Man versuche, mit einer höheren Zahl als dem erwünschten Durchschnitt von 20 anzufangen, da in der Probezeit und in den Folgejahren Ausfälle zu erwarten seien; die Zielgrösse ist 24. Für die Zuteilung für das Schuljahr 2016 sind die Resultate der Aufnahmeprüfungen vom März 2016 entscheidend. Das Ziel sei, die Betroffenen noch vor Beginn der Frühlingsferien zu informieren.

Ihr sei schon klar, dass es sich das Erziehungsdepartement vorbehält, Sirnacher nach Frauenfeld zu schicken, sagt CVP-Kantonsrätin Christa Kaufmann aus Bichelsee. Sie war 2014 die Wortführerin beim Protest gegen die Zuteilung von Sirnachern nach Frauenfeld und fände es «unklug, wenn sie es wieder auf den Kopf stellen wollten». Sie erwarte das aber nicht. «Sonst müssten wir wieder kämpfen.»

PMS legt um 33 zu

2016 werden nicht nur mehr Thurgauer Mittelschüler nach Wil gehen. Im ganzen Thurgau steigt die Zahl der Mittelschüler von 2038 auf 2076. Dabei sind die Hinterthurgauer in Wil eingerechnet. Ausser Romanshorn haben alle Mittelschulen Zuwachs. Spitzenreiter ist die Pädagogische Maturitätsschule in Kreuzlingen (PMS), deren Schülerzahl voraussichtlich von 500 auf 533 steigt.