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Mehr Chancen als Risiken

Mit einem Ja zum 1,2-Millionen-Franken-Kredit für die Pilotphase des Agro Food Innovation Parks kann Frauenfeld mehr gewinnen als verlieren. Die Zusage für die ETH-Aussenstelle ist ein erster Schritt. Von Matthias Frei

Leuchttürme an der Murg sind selten. Der Agro Food Innovation Park (Afip) jedoch kann zweifellos eine solche Strahlkraft entwickeln, dass man ihn überregional wahrnimmt. Damit das passieren kann, braucht es die dreijährige Pilotphase. Diese soll finanziell grösstenteils von der Stadt Frauenfeld und vom Kanton getragen werden. Die Frauenfelder Stimmberechtigten entscheiden kommendes Wochenende über einen 1,2-Millionen-Franken-Kredit. Das ist eine einmalige Anschubfinanzierung aus der Stadtkasse. Mit diesem Geld soll die Afip-Trägerschaft Rahmenbedingungen schaffen für erfolgreiche Ansiedlungen aus Wirtschaft, Forschung und Bildung im Bereich der Land- und Ernährungswirtschaft.

Dass die ETH Zürich in Frauenfeld ein ETH-Studio, also eine Art Aussenstelle für praxisorientierte Forschung, einrichten will, zeigt das Potenzial des Standorts Frauenfeld und des Afip-Projekts. Die ETH will ihr Engagement aber nicht abhängig machen vom Ausgang der Afip-Abstimmung. Das heisst: Es gibt so oder so einen ETH-Studio-Probebetrieb in Frauenfeld. Ein Ja zum Afip-Projektbeitrag ist keine Bedingung der ETH. Umgekehrt kann das Engagement der international angesehenen Hochschule ein Anreiz für die Stimmbürger sein, ein Ja einzulegen.

Damit sich der Park erfolgreich entwickeln kann, müssen auch die Bedenken der Kritiker ernst genommen werden. Beim Afip ist oft die Rede von Potenzial und Chancen. Es kann viel passieren – oder auch nichts. Und es gibt Risiken, konkret das finanzielle Risiko.

Dieses Denken in Möglichkeiten ist die Eigenheit von Innovation. Innovation kann nicht geplant werden, sondern sie geschieht, wenn die Rahmenbedingungen im klar abgesteckten Areal östlich der Murg zwischen Unterem Mätteli und Autobahn stimmen. Dieser Umstand des Unkonkreten kann verständlicherweise Mühe bereiten. Es braucht den Mut der Afip-Trägerschaft und das Vertrauen der Stimmberechtigten in die Trägerschaft.

Bedenken sind aber fehl am Platz. Denn das Risiko ist berechenbar. Auf der einen Seite steht ein Kredit über 1,2 Millionen Franken zur Abstimmung. Weil von diesem Betrag 490 000 Franken für die sowieso anstehende Arealentwicklung abgehen, geht es netto noch um 710 000 Franken. Diesem Risikokapital steht ein städtischer Bilanzüberschuss in Höhe von über 67 Millionen Franken (Budget 2016) gegenüber. Auf der anderen Seite steht ein potenziell sehr grosser und nachhaltiger Nutzen für die Stadt, die Region und den Kanton. Ein Innovationspark kann den Wirtschaftsstandort Frauenfeld massiv und über Jahre stärken, indem hochwertige Arbeitsplätze geschaffen werden. So kann vor Ort Wertschöpfung generiert werden. Frauenfelds Einwohnerzahl steigt stetig. Dieses Wachstum sollte sich auch bei den Arbeitsplätzen widerspiegeln. Die jüngere Vergangenheit jedoch hat mit dem Wegzug von Müller-Martini und dem geplanten Stellenabbau bei der Sia schon zu viele Negativbeispiele hervorgebracht. Jetzt brauchen Stadt und Region Frauenfeld wieder einen positiven Schub, zum Beispiel mit dem Innovationspark.

Dass Stadt und Kanton den ersten Schritt wagen und den Afip ins Rollen bringen wollen, ist richtig. Die öffentliche Hand muss sich dies im Sinne eines volkswirtschaftlich sinnvollen antizyklischen Investitionsverhaltens leisten. Dass Teile des Areals nicht von heute auf morgen verfügbar sind, weil sich der Bund erst in den nächsten Jahren ins Auenfeld zurückzieht, tut dem Projekt kurzfristig keinen Abbruch. Auf längere Sicht muss sich das ändern. Denn interessierte Unternehmen wollen keine zwei Jahre warten, bis sie sich auf dem Areal installieren können. Und schliesslich ist wichtig, dass die Trägerschaft transparent über die Entwicklungen im Afip informiert. Mindestens ein Zwischenbericht im Verlauf der Pilotphase würde diesem Aspekt Genüge tun. Nur so kann nach rund zweieinhalb Jahren auf Basis eines Abschlussberichts ein Entscheid gefällt werden über den Projektabbruch oder einen Weiterbetrieb.

Die Afip-Gegner befürchten, dass im Innovationspark «Laborfood» entwickelt werden könnte. Auch die Befürworter fordern klare wissenschaftsethische Regelungen als Basis für die Forschung. Eine Ethik-Charta, der sich alle Afip-Unternehmen verpflichten, soll zwar die Inhalte regeln, darf Forschung aber nicht verhindern.

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

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