«Mehr Busse, weniger Autos»

Marianne Mettler (SP) möchte sich als Stadtpräsidentin für den sozialen Zusammenhalt in der Stadt Wil einsetzen. Als Ökonomin spricht sie die Sprache der Wirtschaft, und sie bringt Führungserfahrung und Finanzkompetenzen mit.

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Marianne Mettler lebt mit ihrer Familie seit 18 Jahren in Wil. (Bild: sme)

Marianne Mettler lebt mit ihrer Familie seit 18 Jahren in Wil. (Bild: sme)

Frau Mettler, warum möchten Sie Stadtpräsidentin von Wil werden?

Marianne Mettler: Da, wo ich wohne und lebe, möchte ich mich für die Lebensqualität einsetzen. Ich bringe fundierte Führungserfahrung und Finanzkompetenzen mit. Als Leiterin Betriebswirtschaft führe ich zusammen mit vier Chefärzten und einer Leiterin Pflege 530 Mitarbeitende am Universitätsspital Zürich. Die finanzielle Verantwortung in meiner Tätigkeit bewegt sich in einem ähnlichen Rahmen wie jene der Stadt Wil. Auch der Spardruck ist vergleichbar. Im Umgang mit den Mitarbeitern wie mit den Einwohnern dieser Stadt sind mir die gleichen Punkte wie als Betriebsleiterin wichtig: Fairness, Respekt und Wertschätzung sowie eine offene Kommunikation.

Wie sollen im Hinblick auf die Gemeindevereinigung Synergien genutzt werden?

Mettler: Die beiden heutigen Gemeinden müssen zusammenwachsen, dass alle sich wohl fühlen. Doppelspurigkeiten müssen nun verhindert und Prozesse optimiert werden. Es gilt, als Stadtpräsidentin einen zukunftsgerichteten Geist einzubringen.

Wie soll das Schulraum-Problem in Wil gelöst werden?

Mettler: Es müssen alle Möglichkeiten für einen Schulstandort überprüft werden, ich bevorzuge einen Standort im Zentrum. Neue Schulräume in der Nähe von bisherigen Einheiten vereinfachen die Schülerzuteilungen, die Koordination der Tagesstrukturen und die Erreichbarkeit von Turnhallen und Gruppenräumen.

Wie soll die Zukunft der Mädchensekundarschule Kathi aussehen?

Mettler: Es sind Kompromisse von beiden Seiten nötig. Wil braucht vier gute Oberstufenschulen mit unterschiedlichen Profilen. Das Kathi soll aber als Bezügerin von öffentlichen Geldern den vollen Leistungsauftrag erfüllen. Selbstverständlich soll sie ihre Besonderheiten behalten können. Der Aspekt der sozialen Durchmischung muss aber auch in der Diskussion um die Zukunft des Kathi berücksichtigt werden.

Wie soll das Verkehrsproblem der Stadt Wil gelöst werden?

Mettler: Das Zentrum muss vom Individualverkehr entlastet und der öffentliche Verkehr gefördert werden. Der Stadtbus soll auf Bronschhofen ausgeweitet werden und auch am Sonntag verkehren. Für die Einhaltung des Fahrplans braucht es einzelne Massnahmen zur Busbevorzugung. Um den motorisierten Verkehr in die Stadt zu senken, müssen Fuss- und Velowege attraktiver werden. Die Aufhebung der Zugshalte in Algetshausen und Schwarzenbach ist ein falsches Signal. Vielmehr könnte eine Regionalbahn in Betracht gezogen werden. Das hätte zwar den Ausbau des bestehenden Schienennetzes zur Folge, könnte aber die Strassen entlasten. Beim Bau von neuen Siedlungen müssen diese optimal an den öV angeschlossen werden, statt mehr Individualverkehr zu generieren. In Zürich beispielsweise wurde bei der Vergabe von attraktivem Wohnraum Personen ohne Autos bevorzugt. Eine solche Pilotsiedlung wäre zum Beispiel im Zeughausareal denkbar, solche Massnahmen haben Ausstrahlung. Schliesslich prägen die Siedlungs-, Verkehrs- und Integrationspolitik die Stadtentwicklung massgeblich.

Wie sehen Sie die Entwicklung der städtischen Finanzen?

Mettler: Wir sind in einer guten Ausgangsposition. Die Stadt weist einen guten Mix aus Dienstleistung, Gewerbe und Industrie auf. Die Steuereinnahmen waren trotz der Finanzkrise positiv. Doch auch künftig sind Investitionen wichtig. Der Sportpark Bergholz, für den ich mich stark eingesetzt habe, wird ebenfalls zu einem Standortvorteil werden. Eine Steuererhöhung um fünf Prozentpunkte, wie es im Finanzplan vorgesehen ist, erachte ich als richtig. Die Finanzplanung muss sorgfältig und langfristig sein.

Wie wollen Sie als Stadtpräsidentin wahrgenommen werden?

Mettler: Ich möchte mich für einen sozialen Zusammenhalt einsetzen. Als Ökonomin verstehe ich auch die Sprache der Wirtschaft. Mich würde man an der Versammlung der Arbeitgebervereinigung wie auch am Migrantenfest antreffen. Ich fühle mich im ganzen gesellschaftlichen Spektrum wohl, ich wäre eine Präsidentin, die Brücken baut und die Arbeits- und Wohnqualität fördert.

Interview: Silvan Meile

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