Mehr Arbeit für die Winterhilfe

Die Winterhilfe unterstützte im vergangenen Geschäftsjahr 200 Personen im Thurgau. Die Hilfegesuche nahmen um 25 Prozent zu. Einer steigenden Anzahl Menschen am Existenzminimum fehlt es an lebensnotwendigen Dingen des Alltags.

Silvan Meile
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FRAUENFELD. «Ich hätte gerne zwei Paar Hosen, und ein warmer Pullover wäre auch nicht schlecht», schreibt eine Frau in einem Brief an die Winterhilfe. «Die Bitten an unser Hilfswerk sind sehr unterschiedlich», sagt Liselotte Peter, Präsidentin der Winterhilfe Thurgau. Sie reichen vom einfachen Kleidungsstück über ein Halbtax bis zur teuren Zahnarztrechnung. Pro Person und Jahr darf nur ein Gesuch gestellt werden. Doch es werden immer mehr. «Die Anzahl Gesuche nimmt tendenziell zu», bestätigt Liselotte Peter.

Ein Brief alleine reicht nicht

Im vergangenen Geschäftsjahr bewilligte der Stiftungsrat der Winterhilfe knapp 200 Hilfegesuche von Thurgauern in Armut. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme um rund 25 Prozent. Rund zwei Drittel der Gesuche richten die sozialen Dienste der Gemeinden sowie weitere Institutionen an die Winterhilfe, ein Drittel reichten Betroffene selber ein. Oft würden lebensnotwendige Dinge fehlen. «Es kann beispielsweise sein, dass jemand nur auf einer Matratze schläft, weil das Geld für ein Bett fehlt», sagt Peter. Ein einfacher Brief an die Winterhilfe reicht aber nicht. Wer Hilfe beansprucht, muss seine Notlage begründen. «Dazu gehören etwa Lohnausweis, Mietvertrag und Steuerunterlagen», erklärt Liselotte Peter.

Den Anstieg an Gesuchen begründet die Präsidentin mit der zunehmenden Anzahl an Menschen am Existenzminimum. Etwa die hohe Scheidungsrate dränge immer mehr Alleinerziehende an die Armutsgrenze. «Vielleicht sinkt aber auch die Hemmschwelle, sich als armutsbetroffene Person zu melden», sagt sie.

Liselotte Peter sieht bei der gestiegenen Anzahl Gesuchen auch einen positiven Aspekt: «Mehr Hilfegesuche bedeuten auch, dass mehr Menschen den Mut haben, sich zu melden, und wir sie dadurch unterstützen können.»

Zur Hälfte sind Kinder betroffen

Mit der gestiegenen Zahl an Anträgen steigt bei der Winterhilfe Thurgau auch der Aufwand für die freiwilligen Stiftungsrätinnen. Denn sie behandeln jedes einzelne Gesuch. Doch es fordert sie auch, mehr Gelder zu generieren. Die Winterhilfe finanziert sich nur durch Spenden. Im vergangenen Jahr leistete sie im Thurgau nicht nur Beiträge an Betten, Kleider oder Lebensmittel. Die Winterhilfe übernahm auch dort dringende Rechnungen, wo das Haushaltsbudget nicht reichte, oder bezahlte Beiträge für Musik- oder Sportunterricht. 91 218 Franken kamen so im vergangenen Geschäftsjahr Bedürftigen im Kanton zugute. Die Hälfte davon sind Kinder. «Die Probleme der Gesellschaft können wir nicht lösen. Aber wir helfen den Leuten und bereiten ihnen eine Freude», sagt Liselotte Peter.

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