Mehr als politischer Weggefährte

Wie aus der Presse zu entnehmen war, ist Rainer Bächi auf einer Geschäftsreise in Georgien auf dem Weg zum Flughafen mit dem Taxi tödlich verunglückt.

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Wie aus der Presse zu entnehmen war, ist Rainer Bächi auf einer Geschäftsreise in Georgien auf dem Weg zum Flughafen mit dem Taxi tödlich verunglückt. Er wusste wohl, dass sein Engagement in aller Welt zugunsten einer natur – und menschengemässen Nutzung der Erde mit Risiken verbunden war, die er, von seiner anthroposophischen Grundhaltung her, mit Gelassenheit auf sich genommen hat.

Für alle, die seine beruflichen und politischen Anliegen mit Interesse verfolgten, ist sein Tod ein herber Verlust.

Über seine pionierhafte Tätigkeit im Dienste des biologischen Landbaus und der Zertifizierung biologischer Produkte durch das von ihm gegründete und in Weinfelden ansässige Institut für Marktökologie ist ausführlich berichtet worden.

Ergänzend nachzutragen ist jedoch sein Verdienst, in unserem Kanton auch politisch Einfluss, insbesondere auf eine zukunftsgerichtete Landwirtschaft genommen zu haben.

Rainer Bächi gehörte zu einer Gruppe von jungen Leuten, die sich auf dem Weg zur Arbeit im Zug nach Zürich kennen lernten und sich entschlossen, mit einer eigenen Liste an den Nationalratswahlen 1983 anzutreten.

Während es da noch bei einem Achtungserfolg blieb, gelang der inzwischen gegründeten Grünen Partei im darauf folgenden Frühjahr auf Anhieb der Sprung in den Grossen Rat mit sechs Sitzen. Rainer Bächi wurde im Bezirk Weinfelden gewählt. Er war von 1984–1992 Kantonsrat und überdies Präsident der Grünen Fraktion, der in den ersten vier Jahren auch zwei Mitglieder des LdU angehörten. Eine zweijährige Amtsperiode lang, von 1985–87, war er auch Präsident der Kantonalpartei.

Da sein Unternehmen weltweit grossen Erfolg hatte, sah er sich gezwungen, sein Grossratsmandat aus beruflichen Gründen vorzeitig abzugeben.

Seine nicht alltäglichen Gedanken zu einer sachbezogenen und tiefer schürfenden Politik waren für die Vertreter der traditionellen Parteien eine grosse Herausforderung. Man widersetzte sich im Landwirtschaftskanton anfänglich diesen reformerischen Ideen mit Entschiedenheit und Häme.

Aber Rainer Bächi verfolgte unerschütterlich seinen Weg, und auf die Dauer setzte sich trotz anfänglichem Widerstand der Gedanke einer ökologisch ausgerichteten, umweltfreundlichen Landwirtschaft durch. Sie ist heute zur Selbstverständlichkeit geworden.

Nicht dass der Verstorbene dies nun als sein besonderes Verdienst gesehen hätte. Aber er war davon überzeugt, dass er in eine Zeit geboren wurde, die reif war für solche neuen Wege des Landbaus. «Ich muss das tun, was aus der Zeit notwendig ist», äusserte er einmal in einem Interview.

Er verstand sich als derjenige, der sich tatkräftig einsetzte, diesem neuen Geist zum Durchbruch zu verhelfen. Es ist nicht so, dass man die Natur einfach sich selbst und dem Wildwuchs überlassen dürfe. Die Unverwechselbarkeit der Landschaften ist überwiegend ein Werk der Menschen. Bei unserer letzten Begegnung vor einigen Monaten sagte er mir spontan, es würde ihn eigentlich reizen, nochmals in die Politik einzusteigen.

Dazu ist es nicht mehr gekommen. Wir trauern um einen fachlich kompetenten, geistig wegweisenden Kollegen und echten Freund.

Peter Schmid