Mehr als nur Puck-Stolperi im Schnee

Sogar in der Bechtelisnacht spielen sie, die Plausch-Eishockeyaner vom Steiner-Cup. Seit 40 Jahren kämpfen die Hobbysportler zwischen Oktober und Februar jeden Montag und Donnerstag auf dem Aussenfeld der Frauenfelder Kunsteisbahn um den Puck.

Mathias Frei
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Plausch-Eishockey par excellence: Im Spiel gegen den HC MC Fröschli weiss nicht jeder Womenfield-Flyer (weiss), wo sich der Puck befindet. (Bild: Donato Caspari)

Plausch-Eishockey par excellence: Im Spiel gegen den HC MC Fröschli weiss nicht jeder Womenfield-Flyer (weiss), wo sich der Puck befindet. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. «Wenn man den Puck im Schneetreiben nicht mehr sieht, weiss man: Das ist Plausch-Eishockey.» Joëlle Karrer kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Wobei es eigentlich noch lustig sei, wenn es schneie. «Schlimmer ist der Regen, wenn das Eisfeld zum Schwimmbad wird», sagt sie. Karrer ist Eishockeyschiedsrichterin. Früher pfiff sie 3.-Liga-Matches, heute noch Seniorenliga, wo Altstars wie Renato Tosio und Manuele Celio spielen. Naheliegend, dass sie vor zwei Jahren im Vorstand des Steiner-Cups das Schiedsrichterwesen übernahm.

Joëlle Karrer spielt aber auch selber beim Steiner-Cup mit, beim EHC Flying Porkies aus Frauenfeld. Dort ist sie Goaliefrau. Drei ihrer vier Vorstandskollegen kurven ebenfalls auf dem Aussenfeld der Frauenfelder Kunsteisbahn herum.

Zeitungen am Schienbein

Im Spätherbst 1974 war es, als der erste Steiner-Cup angepfiffen wurde. Das Archiv der Gründerjahre weist grössere Lücken auf. Gesichert ist aber, dass ein Mitarbeiter von Steiner-Sport (später Steiner Haushaltswaren in der Freie Strasse) die Plauschliga ins Leben gerufen hat. Sein Arbeitgeber übernahm das Patronat. Damals dienten noch Zeitungsbünde als Schienbeinschoner. Heute müssen sich die Spieler und ganz wenigen Spielerinnen vorschriftsgemäss genauso gut schützen wie Profihockeyaner. Was aber blieb, ist das Spiel auf dem Aussenfeld. Selten wird ein Spieltag witterungsbedingt abgesagt und auf Ende Saison verschoben.

Gespielt wird montags und donnerstagabends. Die erste Partie beginnt jeweils um 20.15 Uhr, das letzte Spiel des Abends dauert bis 23.15 Uhr. Und sogar wenn Frauenfeld die Bechtelisnacht begeht, wird um den Puck gefightet. Wobei dann jeweils vor allem die Teams aus Frauenfeld etwas dezimiert antreten würden, sagt Karrer.

Die Ligaorganisation ist immer professioneller geworden. Wer spielen will, braucht eine Lizenz. Und Karrer führte vor dieser Saison erstmals einen Regelwerk-Kurs durch. Wobei es höchstens selten einmal eine unschöne Szene zu sehen gebe, erzählt sie. Gespielt wird zum Beispiel ohne Bodychecks, «auch wenn es ein schöner Check wäre, gibt es eine Strafe».

Glühwein ist kein Doping

Was es aber nicht gibt, sind Dopingkontrollen. Denn immer wieder einmal kommt es vor, dass Angehörige von Spielern eine Kanne Glühwein mitbringen – gegen die Kälte auf der Eisbahn. Gerne wärmten sich die Spieler in den Pausen auch im Eisbahnrestaurant von Rolf Sommer auf, erzählt Karrer. Ohne diese Gemütlichkeit würde dem Steiner-Cup etwas fehlen. «Auf dem Eis kämpfen wir verbissen um den Puck, nach dem Match haben wir es wieder gut miteinander», sagt Vorstandsfrau Karrer. Und natürlich hätten auch Stolperi Platz, Spieler, die sich grad einmal auf den Kufen halten können. Plausch-Eishockey par excellence eben. «Es ist faszinierend, dass es diesen Plausch schon seit 40 Jahre gibt», meint Karrer.

Cup dank Stadt Frauenfeld

Dass sich Teams mit Namen wie EHC Powerplay, Bandenrutscherli oder Weierchnebler auf dem Eis bekämpfen können, daran habe auch die Stadt grossen Anteil. Denn der Steiner-Cup könne Jahr für Jahr Frauenfelder Eis mieten, sagt Karrer. Fabrizio Hugentobler, Amtsleiter Jugend, Sport und Freizeit, gibt die Blumen gerne zurück: «Als Eisbahnbetreiber sind wir an einer breiten Nutzung und Auslastung der Anlage interessiert. Durch die Austragung des Steiner-Cups können viele Plausch-Hockeyspieler ihrem Lieblingssport nachgehen, ohne einem grösseren Verein anzugehören. Nebst der Nutzung des Aussenfeldes durch die Öffentlichkeit, Schulen und Hauptvereine bieten wir den Teams des Steiner-Cups gerne Hand zur Ausübung ihres Sports.»

Samstag, 29. November: Apéro für alle aktiven und ehemaligen Spieler zum 40-Jahr-Jubiläum des Steiner-Cups, ab 18.30 Uhr, anschliessend EHC Frauenfeld vs. Pikes Oberthurgau, Eishalle Frauenfeld.