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Medropharm erwägt Klage

Die Inhaber der Industriehanf anbauenden Firma Medropharm vermuten, dass die Anzeige gegen sie einen politischen Hintergrund hat. Sämtliche Vorwürfe seien haltlos. Auch eine Meldepflicht gebe es nicht.
Larissa Flammer
Die Polizei hat zwei der drei Thurgauer Gewächshäuser wieder freigegeben. Der Hanf ist legal. (Bild: PD)

Die Polizei hat zwei der drei Thurgauer Gewächshäuser wieder freigegeben. Der Hanf ist legal. (Bild: PD)

Die Firma Medropharm mit Sitz in Kradolf hat sich grosse Mühe gegeben, nicht mit Drogen in Verbindung gebracht zu werden. Der von ihr produzierte Industriehanf ist für Medikamente gedacht. «Viele renommierte Pharmaunternehmen haben es geschätzt, dass wir als kleines Unternehmen in dieser Nische tätig waren», sagt Mitinhaber Patrick Widmer. Im September sind bei einer Razzia im Thurgau Hanfpflanzen der Firma sichergestellt und Gebäude durchsucht worden. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen Verdachts auf Widerhandlung gegen das Heilmittel- und das Betäubungsmittelgesetz auf. Dadurch sei genau diese Verbindung zu Drogen in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit hergestellt worden. «Einige Handelspartner haben aufgrund des Verdachts sogar die Partnerschaft mit uns gekündigt.»

Die Staatsanwaltschaft hat gemäss Widmer alle Hanfanlagen bis auf diejenige in Kradolf wieder freigegeben. Analysen hätten gezeigt, dass der THC-Gehalt den maximal erlaubten Wert von einem Prozent nicht überschreitet. Die Pflanzen in Kradolf seien noch nicht so weit entwickelt, dass man sie testen könne. «Die Behörden wollen warten, bis sie blühen und sie dann ebenfalls analysieren.» Stefan Haffter, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Thurgau, bestätigt, dass für die Pflanzen in Kradolf noch keine Auswertung vorliege. Widmer betont, dass sich in Kradolf dieselben Pflanzen befinden wie in den anderen Anlagen. Gegen das Heilmittelgesetz habe die Firma ebenfalls nie verstossen. «Wir produzieren nur den Rohstoff, dieser geht an einen verarbeitenden Betrieb, der voll lizenziert ist», so Widmer. Haffter sagt: «Die Abklärungen zur Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz sind noch im Gang.»

Nach 30 Tagen ist klar: es gibt keine Meldepflicht

Die Thurgauer Staatsanwaltschaft warf den Firmeninhabern auch öffentlich in den Medien vor, sie hätten den Hanf nicht beim kantonalen Landwirtschaftsamt angemeldet. «Ich wurde im Verhör gefragt, warum wir der Meldepflicht nicht nachgekommen seien. Ob wir was zu verstecken hätten», erzählt Widmer. Er wandte sich daraufhin an das kantonale Landwirtschaftsamt und fragte nach einem Meldeformular. Nach einem mehr als 30 Tage dauernden Mailverkehr ist für Widmer jetzt klar: Es gibt gar keine Meldepflicht im Thurgau. «Die früher gültige Meldepflicht im Kanton Thurgau ist mit der Revision des Betäubungsmittelgesetzes hinfällig geworden», heisst es im Mail von Ueli Bleiker, Leiter des Landwirtschaftsamts. Hanf auf offener Ackerfläche als Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Direktzahlungs-System müsse von Landwirten deklariert werden. «Die Firma Medropharm ist kein Landwirtschaftsbetrieb, und wir nutzen auch keine Landwirtschaftsflächen. Somit entfällt eine Deklarationspflicht und eine Meldepflicht gibt es nicht», ist sich Widmer sicher. «Es glich einem Spiessrutenlauf. Wir haben mehr als einen Monat gebraucht um herauszufinden, dass wir alles richtig gemacht haben.»

Stefan Haffter von der Staatsanwaltschaft sagt auf Anfrage, die Meldepflicht sei noch Gegenstand der Abklärungen. Offensichtlich habe es unterschiedliche Ansichten gegeben, wofür eine Meldepflicht bestehe.

Die Inhaber von Medropharm können noch immer nicht nachvollziehen, warum die Polizei mit solcher Härte zugeschlagen hat. «Wir haben unseren Hanfanbau bei den lokalen Polizeiposten gemeldet, und ich stand per Mail in Kontakt mit dem Chef der Thurgauer Kriminalpolizei», so Widmer. Er habe die Polizei zu einer Besichtigung eingeladen, was abgelehnt worden sei. «Unsere Türen standen die ganze Zeit offen. Es hätte andere Möglichkeiten als eine Hausdurchsuchung gegeben.» Aufgrund des Reputationsschadens beraten sich die Firmeninhaber im Moment mit einem Anwalt, ob eine Klage auf Schadenersatz eingereicht werden soll.

Laut Haffter sei die Anzeige von einer Behörde eingereicht worden. Es sei der Regelfall, dass, wenn sich ein Verdacht aufgrund einer offiziellen Anzeige bestätige, eine Hausdurchsuchung angeordnet werde. «Das Vorhaben war absolut verhältnismässig», sagt der Mediensprecher und betont, dass im Kanton Thurgau keine Hanfpflanzen vernichtet worden seien.

Anzeige kommt aus Bundesbern

Patrick Widmer hat dem öffentlich-rechtlichen Sender SRF kürzlich geholfen, eine «Puls»-Sendung zu Cannabis in der Medizin zu realisieren. Diese wurde vergangenen Montag ausgestrahlt. Eine der Aussagen darin: Die Pharmaindustrie will nicht, dass medizinischer Hanf weiter erforscht und genutzt wird. «Wir haben darüber nachgedacht, ob jemand uns blockieren und behindern oder unsere Reputation kaputt machen will», sagt Widmer. Er habe mittlerweile herausgefunden, dass die Anzeige gegen Medropharm aus Bundesbern kam. «Man sagt uns aber nicht, wer die Anzeige eingereicht hat.» Das alles nährt in Widmer den Verdacht, dass das Vorgehen gegen Medropharm eher einen politischen als einen rechtlichen Hintergrund hat.

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