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Maurers inniger Blick ins Kuhauge

Für Bauernsohn Ueli Maurer war die Olma-Eröffnung eine Art Heimspiel. Der SVP-Bundesrat forderte mehr Verständnis für die Landwirtschaft, verzichtete aber auf konkrete politische Äusserungen. Stattdessen widmete er sich der Tierliebe.
Adrian Vögele

Er ist gerne per Du mit den Leuten. Finanzminister Ueli Maurer (SVP) nimmt deshalb an der Olma-Eröffnungsfeier das Motto des Gastlandes Liechtenstein – «hoi metanand» – dankbar auf. «Ich wür au säge: hoi zäme!» sagt Maurer vor dem Publikum im Theater St. Gallen. Die Vertrautheit hat nicht nur mit seinem Naturell, sondern auch mit dem Thema der Messe zu tun. Abgesehen von Parteikollege und Verteidigungsminister Guy Parmelin steht niemand im Bundesrat der Landwirtschaft näher als Maurer. Er ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, war Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbandes, Präsident der Schweizer Gemüseproduzenten und des nationalen Maschinenrings. Ein Bundesrat aus der Branche sozusagen – in seinem Büro in Bern hängt eine Kuhglockensammlung.

Ach, Kühe: Schon in seiner Eröffnungsrede gerät Ueli Maurer ins Schwärmen. «Kühe im Stroh liegen zu sehen am Abend, sie beim Wiederkäuen zu betrachten und ihnen in die Augen zu blicken, ist ein ganz erhebendes Gefühl.» In jungen Jahren habe er daher mancher Freundin ganz aufrichtig gesagt: «Du hast Augen wie eine Kuh.» Meistens sei das aber auf wenig Gegenliebe gestossen. «Und wenn ich es den Freundinnen erklärte, empfanden sie das als Ausrede.» Darum verwende er das Kompliment nur noch spärlich. Gelächter im Saal.

Feierliche Stimmung statt ausgelassener Festlaune

Doch Ueli Maurer, auch wenn er mitlacht, meint es heute ernst. Der 65-Jährige ruft auf zur Besinnung auf die Wurzeln der Schweizer Bevölkerung im ländlichen Leben (siehe Zweittext). Und den anschliessenden Rundgang absolviert er, zumindest im landwirtschaftlichen Teil, weniger in ausgelassener Festlaune als vielmehr in feierlicher Stimmung. Er grüsst freundlich, wenn er angesprochen wird, verzichtet aber darauf, links und rechts zahllose Hände zu schütteln.

Branchen-Insider hin oder her: Auch er könne an der Olma noch Neues erfahren, sagt Maurer. «Der technische Fortschritt in der Landwirtschaft ist rasant. In den Details kann ich stets noch dazulernen.»

«Ich vermisse den Kontakt zur Landwirtschaft»

Es scheint, als sei es dem Finanzminister ganz recht, dass die Bundeskasse einmal einige Stunden ohne ihn auskommen muss. Den direkten beruflichen Kontakt zur Landwirtschaft, den seine früheren Tätigkeiten mit sich brachten, vermisse er, gibt Ueli Maurer auf dem Weg zum Olma-Stall zu. Treffen und Gespräche mit Bauern ergäben sich trotzdem noch hin und wieder, etwa wenn er mit dem Mountainbike unterwegs sei. Die Olma hat er schon als Jugendlicher besucht – «damals freute ich mich vor allem auf das Magenbrot, das gab's zu Hause nicht.»

Souverän bringt Ueli Maurer die Schweinchen-Szene über die Bühne: Das Säuli liegt entspannt wie ein schlafendes Baby in seinem Arm. Vergessen ist das verzweifelte Strampeln und Zetern jenes Ferkels, das vor einem Jahr Bekanntschaft mit Johann Schneider-Ammann gemacht hat. Darauf angesprochen, sagt Ueli Maurer: «Die Tiere merken sofort, ob jemand nervös ist oder nicht.»

Schneider-Ammann übrigens liess sich vom wehrhaften Säuli nicht abschrecken. Im Gegenteil. Der Wirtschaftsminister sagte damals, er beabsichtige, die Olma auch dieses Jahr zu besuchen. Doch heuer ist er Bundespräsident. Im Pflichtenheft des Präsidenten indes ist die Olma nicht mehr enthalten. «Johann Schneider-Ammann hat heute andere Termine, und von den übrigen Bundesrätinnen und Bundesräten war ich der einzige, der an die Olma-Eröffnung gehen wollte», erklärt Ueli Maurer. Diese Gelegenheit habe er gerne genutzt.

Man glaubt es ihm aufs Wort, wenn man sieht, wie er einer Kuh aus dem Gastland Liechtenstein liebevoll einige Strohhalme vom Rücken wischt und einer anderen im Freilaufstall innig ins Gesicht schaut. Zwischen zwei Stationen des Parcours bittet Maurer seine stellvertretende Kommunikationschefin, zwei Edelweiss-Hemden für seine Enkelkinder zu besorgen. Die harten Bandagen des SVP-Politikers liegen derweil ungenutzt in Bern.

Ausserhalb des Stalls sind Spässe erlaubt

Abseits der Besinnung auf die bäuerlichen Wurzeln schlüpft Ueli Maurer dann gar noch in die Rolle des Entertainers: In der Feuerwehr-Sonderschau lässt er sich in die Kluft eines Feuerwehrmanns einkleiden, nimmt den Schlauch, zielt auf die erschrockene Entourage, ruft scherzhaft: «Achtung!» Das Löschen des künstlichen Feuers aus Lichteffekten jedoch will nicht so recht klappen. Dabei war Maurer daheim im Zürcher Oberland zwanzig Jahre in der Feuerwehr.

In der Sonderschau des Fürstentums Liechtenstein spielt Ueli Maurer noch mit weiteren Gästen die liechtensteinische Nationalhymne auf einem Instrument aus Bohrmaschinen – dann wechselt er flugs zurück in den politischen Alltag: Er setzt sich für eine Besprechung mit dem Liechtensteiner Regierungschef Adrian Hasler zusammen. Am Nachmittag folgen Termine in Bern – draussen wartet bereits der Helikopter.

Mehr Informationen und Bilder zur Olma auf www.tagblatt.ch/olma

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