MATZINGEN: Vom Kaff zum Konsumtempel

Ein See zwischen den Dörfern, eine U-Bahn in Richtung Hauptstadt oder ein Outlet-Shoppingcenter: Geht es nach den Jungen der Zukunftskonferenz, würden Matzingen, Stettfurt und Thundorf bald urban aussehen.

Christof Lampart
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Jugendliche und Erwachsene beteiligten sich kreativ an der Beantwortung der Frage, wie die drei Dörfer Matzingen, Stettfurt und Thundorf in Zukunft aussehen sollen. (Bild: Christof Lampart)

Jugendliche und Erwachsene beteiligten sich kreativ an der Beantwortung der Frage, wie die drei Dörfer Matzingen, Stettfurt und Thundorf in Zukunft aussehen sollen. (Bild: Christof Lampart)

Christof Lampart

frauenfeld

@thurgauerzeitung.ch

Jede heranwachsende Generation hat Träume, welche sich ganz deutlich von denen der Erwachsenen unterscheiden. Während bei Letzteren Fragen wie ökologische, finanzielle und gesellschaftliche Nachhaltigkeit zumeist im Vordergrund stehen, sind die Bedürfnisse der Adoleszenten anderer Natur: Freiheit, Selbstverwirklichung und Konsum stehen bei vielen ab dem Sekundarschulalter ganz oben auf der Prioritätenliste.

Dies zeigte sich auch an der «Zukunftswerkstatt», welche am Samstagnachmittag in der Matzinger Turnhalle Mühli stattfand und an der nicht weniger als 47 Personen, darunter eindeutig mehr Jugendliche als Erwachsene, teilnahmen. Am Abend ging dann die erste offiziell gemeinsame Jungbürgerfeier der Gemeinden Matzingen, Stettfurt und Thundorf über die Bühne.

Weder Sandkasten- noch Alibiübung

Die beachtliche Teilnehmerzahl zeigte, dass sich ganz viele Jugendliche eigentlich gerne aktiv mit der Frage beschäftigen würden, wie ihre Dörfer – Matzingen, Stettfurt und Thundorf – schon bald aussehen könnten. Man muss sie nur in den Prozess einbeziehen. Bei der Artikulierung der Wünsche und der Ausarbeitung der Ideen, dies zeigte sich rasch, waren dabei kaum Grenzen gesetzt – was bei den Finanzen der jeweiligen Gemeinden jedoch kaum der Fall sein dürfte. Dennoch war das Ganze, das unter professioneller Anleitung in der Turnhalle Mühli in Matzingen vonstatten ging, weit mehr als nur eine Sandkasten- oder gar Alibiübung. «Uns war es einfach einmal wichtig, zu sehen, wo genau die Bedürfnisse der Jugendlichen liegen. Denn es ist klar, dass alle Jugendlichen Bedürfnisse haben, die sich von jenen der Erwachsenen weitgehend unterscheiden», erklärte Matzingens Gemeindepräsident Walter Hugentobler.

Einig waren sich viele Teenager aus Stettfurt und Thundorf, dass die Anbindung an den öffentlichen Verkehr von ihren Dörfern aus zu schlecht sei. Der Wunsch nach einer U-Bahn nach Frauenfeld wurde ebenso offensiv diskutiert wie «typische» Jugendthemen wie die Schaffung eines ständigen Jugendtreffs, die Ansiedelung grösserer Shopping-malls sowie das Bedürfnis nach einer lokalen Konzertbühne, wo regelmässig Bands aufspielen und Disco veranstaltet werden könnte. Die Erwachsenen sollten gegenüber ihnen toleranter sein, wenn es einmal im Dorf ein wenig lauter würde – zum Beispiel an einem sonnigen Wochenendabend, wurde gefordert. Die Sportmöglichkeiten wurden weitgehend als gut eingestuft, dennoch wurde auch Utopisches wie ein Gewässer zwischen Stettfurt und Matzingen («Das wäre dann der Lauchesee mit Fähre und Ruderbooten») oder zumindest Visionäres wie ein Hallenbad in Stettfurt gefordert. Andere machten sich Gedanken darüber, wie man Gefahren auf der Strasse begegnen könne – beispielsweise durch drucksensitive Beläge, welche bei einem Sturz oder Unfall die Verkehrssignale sofort auf Rot schalten lassen würde. Auch ein öffentliches, solarbetriebenes WC-Häuschen für Matzingen wurde gewünscht. ­Allerdings war dieses, wenig ­erstaunlich, der Traum eines ­Erwachsenen.

Überzeugend verkaufen an Gemeindeversammlung

Auf den Einwand hin, dass das alles doch gar nicht zu finanzieren sei, schüttelten die Jugendlichen den Kopf: «Man muss das den Leuten im Dorf nur gut verkaufen – wie alle anderen Entscheidungen an einer Gemeindeversammlung halt auch. Dann könnte man das sicherlich mit einer kleinen Steuererhöhung stemmen», erklärte eine junge Frau selbstbewusst, als es darum ging, die Projekte im Plenum vorzustellen.