MATZINGEN: Gummi gegen Raser

Autolenker fahren in den 30er-Zonen oft zu schnell. Das haben versteckte Messungen der Gemeinde ergeben. Installierte Rampen sollen das Problem lösen.

Donat Beerli
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Eines der zwei Berliner Kissen an der alten Poststrasse. Im Hintergrund die Mühle. (Bild: Andrea Stalder)

Eines der zwei Berliner Kissen an der alten Poststrasse. Im Hintergrund die Mühle. (Bild: Andrea Stalder)

Donat Beerli

donat.beerli

@thurgauerzeitung.ch

Sie sind fünf Meter lang, drei Meter breit und sollen den Autofahrer das Fürchten lehren. Zwei provisorische Rampen aus Gummielementen, sogenannte Berliner Kissen, hat die Gemeinde Matzingen in der Tempo-30-Zone an der alten Poststrasse montiert. Ein weiteres Kissen ist für die Kirchstrasse gedacht, sobald dort die Oberflächensanierung abgeschlossen ist. Aufgabe der Kissen: Autolenker in der betreffenden Zone zum langsamen Fahren zwingen. «Die blosse Signalisation einer Tempo-30-Zone genügt bei weitem nicht», sagt Hanspeter Krähenbühl, Ressortleiter Tiefbau und Verkehr im Matzinger Gemeinderat.

Kissen an mehreren Stellen ausprobieren

Bund und Kanton schreiben den Gemeinden vor, die Wirkung ihrer Tempo-30-Zonen zu überprüfen (siehe Kasten). Da das geforderte Geschwindigkeitsniveau in mehreren Matzinger Tempo-30-Zonen nicht eingehalten wurde, muss die Gemeinde nun weitere Massnahmen zur Verkehrsberuhigung ergreifen. Die Autofahrer sind teilweise mit bis zu 70 Stundenkilometern unterwegs», sagt Krähenbühl. Die Kissen seien ein bewährtes Mittel zur Verkehrsberuhigung. Die ist an der alten Poststrasse besonders wichtig, gleich nebenan steht das Primarschulhaus Mühli. «Schulwegsicherheit ist uns ein wichtiges Anliegen», sagt Krähenbühl.

Die Rampen sind nur provisorischer Natur. In der nächsten Zeit muss die Gemeinde mittels Tempomessungen herausfinden, ob sie den gewünschten Effekt erbringen. Weitere Versuchsphasen sind für die Lauchefeld-, Hard- und Juchstrasse geplant. Dazu werden die drei Kissen verschoben. Bewähren sich die Massnahmen, werden die Kissen nach Beendigung der Versuchsphase definitiv eingeführt. Gemäss kantonalem Baugesetz darf die Versuchsphase nicht länger als zwei Jahre dauern. Dann müssten die definitiven Rampen – unter Berücksichtigung der öffentlichen Auflage und des Einspracheverfahrens – montiert werden. Was nicht günstig wäre: Die definitive Montage eines Kissens koste rund 3000 Franken, sagt Krähenbühl. Wenn alle 30er-Strassen – ungefähr zehn Abschnitte alle 100 Meter – mit Berliner Kissen ausgestattet würden, beliefen sich die Kosten auf rund 150000 Franken. «Es wird mit Sicherheit zu einer Abstimmung kommen», ist Krähenbühl überzeugt. Der Gemeinderat möchte mit den 30er-Zonen vor allem auch den Verkehr umkanalisieren und damit bewirken, dass die Strassen von den Autolenkern nicht als Durchgangsstrassen gebraucht werden.

Kontrollen der Polizei haben Autolenker in der betreffenden Tempo-30-Zone bis jetzt nicht zu befürchten. Sollten die Massnahmen in Matzingen nicht den gewünschten Effekt bringen, kann sich die Gemeinde an die Polizei wenden. Erst zu diesem Zeitpunkt würde die Kantonspolizei Thurgau Geschwindigkeitskontrollen durchführen.

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