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MATZINGEN: Er malt sein Leben neu

Haile Major hat es nach 30 Bewerbungen geschafft. Der 24-jährige Flüchtling aus Eritrea hat eine Ausbildung zum Malerpraktiker begonnen. Die Chance dazu bietet ihm die Malerfirma von Roman Schefer.
Mathias Frei
Lehrling Haile Major putzt Malerwerkzeug. Chef Roman Schefer schaut zu. (Bild: Andrea Stalder)

Lehrling Haile Major putzt Malerwerkzeug. Chef Roman Schefer schaut zu. (Bild: Andrea Stalder)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Von ihm kann man lachen lernen. Nun lernt er Maler – und nebenbei noch Deutsch. Haile Major will diese Chance nutzen. Er lacht. Haile Major ist ein zufriedener Mensch. Er spricht langsam, bemüht sich, dass man ihn versteht. Dafür, dass der 24-jährige Eritreer erst seit drei Jahren in der Schweiz lebt, ist sein Deutsch schon erstaunlich gut.

Aufenthaltsstatus F, also vorläufig aufgenommen, jung, aus Eritrea, nicht das beste Deutsch: Das sind leider schlechte Voraussetzungen, um einen Job zu finden – geschweige denn einen Ausbildungsplatz. Major hat es allen Widrigkeiten zum Trotz geschafft, nach 30 Bewerbungen. Vor kurzem hat er eine Lehre als Malerpraktiker EBA (Eidgenössisches Berufsattest) beginnen können. Beim Malerunternehmen Schefer und Partner hat sich Major bewährt, zuerst in einer Schnupperlehre, dann in einem Praktikum. Dass es dazu kam, ist dem Zufall geschuldet.

Vom Volleyball in die Schnupperlehre

Soziales Engagement ist Roman Schefer ein Anliegen. «Ich will meine Verantwortung als Arbeitgeber wahrnehmen», sagt der Inhaber des Malerunternehmens Schefer und Partner. Vor zwei Jahren gab Schefer einem jungen Kubaner einen Ausbildungsplatz, ebenfalls als Malerpraktiker. Diesen Spätfrühling nun kam ein Auftrag herein, für den Schefer den besagten Lehrling vorsah. Der Kunde kannte Haile Major vom Volleyball und war angetan von Schefers Engagement. So kam der Kontakt zustande.

Major arbeitete in seiner Heimat Eritrea als Maler, jedoch ohne Ausbildung. Dann musste er flüchten. Drei Jahre lebte er in Äthiopien, dann kam er in die Schweiz. «Seit sechseinhalb Jahren habe ich meine Familie nicht mehr gesehen», erzählt Major. In der Schweiz kam er nach Wilen bei Wil. Dort schickte ihn die Gemeinde für Forstarbeiten in den Wald und zum Werkhof. Besser als nichts. Aber Major wollte eine Ausbildung machen, um auf eigenen Beinen stehen zu können. «Ich wollte, aber ich konnte nicht.» Was Major anspricht, ist auch Schefer wichtig. Er will den jungen Flüchtling nicht als billige Arbeitskraft ausnutzen, als Praktikant oder Hilfsarbeiter, sondern den Ausbildungsplatz als Chance bieten. Das sei nachhaltiger für die Volkswirtschaft, sagt der Firmeninhaber.

Erster Monatslohn ist noch nicht verplant

Mittlerweile lebt Major in Frauenfeld. Bei der pensionierten Seklehrerin Fränzi Schwarzenbach lernt er am Wochenende Deutsch. «Sie ist streng, aber ich lerne viel», sagt er. Werktags wird gearbeitet. Um 7 Uhr morgens geht es los. Der Malerberuf in der Schweiz unterscheide sich nicht stark von dem in Eritrea, erzählt Major. Er mache sich gut, lobt Schefer seinen neuen Lehrling. Ein Knackpunkt wird die Berufsschule sein. Damit er dort reüssieren kann, muss es in erster Linie mit dem Deutsch funktionieren. Major ist zuversichtlich. «Ich will diese Lehre machen.» Was er mit dem ersten Monatslohn von 500 Franken (im zweiten Jahr 700 Franken) machen will, weiss er noch nicht recht. Aber später mal eine Frau finden, eine Familie gründen, Kinder haben: Das wäre ein Ziel. Und irgendwann will er auch seine Familie aus Eritrea wiedersehen.

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