Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

MATZINGEN: Drei, zwei, eins – meins!

Oldtimer-Traktoren, Einachser, Sämaschinen, Sternradrechen und gar ein Motorboot standen an der Oldtimer-Gant zum Verkauf. Mehrere hundert Personen aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland waren auf Schnäppchenjagd.
Ruth Bossert
Gantrufer Bruno Furrer zwischen einem Bucher und einem Fahr D88. (Bild: Ruth Bossert)

Gantrufer Bruno Furrer zwischen einem Bucher und einem Fahr D88. (Bild: Ruth Bossert)

Ruth Bossert

frauenfeld

@thurgauerzeitung.ch

«Ufe mit em Finger», ruft Gantrufer Bruno Furrer in die Menge, und wie geheissen schnellen ein paar Hände in die Höhe. Den Einstieg für den grünen Bucher Traktor D4000, Jahrgang 60, startet Furrer mit 2000 Franken. «Das ist ein fairer Anfang», lässt er das bunt gemischte Publikum wissen. Ein paar Hände finden den Weg aus den Hosentaschen und werden in die Höhe gestreckt, im Sekundentakt erhöht sich der Preis um 100 Franken. «Dieser Grüne ist ein ganz Besonderer», ruft Furrer in die Menge.

Bucher hat von diesen Grünen nur ein paar wenige gebaut. «Auch wenn die einen sagen, die Farbe sei nicht original, Hauptsache grün und matt», quasselt er weiter und wieder nickt er dem einen Bieter zu und fordert seinen Gegenspieler aus Deutschland zum Weitermachen auf. «Noch ist nichts verloren, jeder kann noch mitmachen», schreit Furrer. Hier eine Hand, dort ein zaghaftes Nicken – «erst sind wir auf 3500 Franken, dieser Bucher ist weit mehr wert», und sein Blick geht einmal mehr rundum. «3800 Franken sind geboten, zum Ersten, zum Zweiten und zum ..... na ja, wenn’ s nicht mehr sein soll, halt zum Dritten.»

Lauern auf die vielen Schmuckstücke

Sepp Rütsche und Christian Mettler aus Bazenheid sind beides «Chlütteri» und interessieren sich für den roten Bucher, der an der Gant vom vergangenen Samstag in Matzingen neben dem grünen Matten glänzt wie eine reife Tomate. Und ebenso glänzen ihre Augen, wenn sie mit den Händen sachte über die Oberfläche streichen und mit der Handy-Taschenlampe ins Innere zünden. «Wir schauen mal», lässt sich Rütsche entlocken, Mettler nickt. Sie hätten eben schon ein paar Oldtimer zu Hause, erzählen sie. «Aber weiterverkaufen könne man sie ja alleweil.» Knapp unter Null Grad ist es, und die Gant läuft schon seit ein paar Stunden. Zuerst kamen drinnen in der Halle Werkstatteinrichtungen unter den Hammer: Schubladenstöcke, Werkbänke, Luftkompressoren und vieles mehr unter den Hammer. Martin Hörler aus dem Zürcher Oberland meint, dass hier vor allem «Traktörler» anwesend seien und dass diese eher mehr bezahlen für Maschinen und Werkstatteinrichtungen, als dass sie auf Onlineplattformen kosten. Josef Schleiss aus Matzingen hat eine Heckenschere ergattert, «ein Schnäppchen», sagt er und strahlt. «Ich habe «gluuret» auf diesen Wagenheber», sagt Jakob Toggenburger aus dem Zürcher Weinland und zieht ihn zufrieden aus der Halle, während ein Landmaschinenmechaniker aus Fehraltorf den Kopf schüttelt und brummelt: «Völlig überzahlt.»

Zacharias Kälin aus Einsiedeln sammelt vorwiegend Hürlimann, deshalb interessieren ihn diesmal die Traktoren weniger, erzählt er in der halbstündigen Mittagspause. Dreizehn Stück habe er bereits zu Hause, deshalb sei er heute ohne Anhänger angereist. «Die angebotene Ware ist von guter Qualität», sagt er. Er habe auch schon andere Sachen gesehen, lauter «Glump» und schlecht restauriert. Der verstorbene Martin Müller habe einen schönen Nachlass hinterlassen. Er wünsche den Nachkommen, dass sich die Sache auch bezahlt mache. In der Halle herrscht ein Qualm, Rauchen ist angesagt, Zigaretten, Stumpen, Zigarren, Pfeifen – jedem das Seine. Die Bratwurst stillt den Hunger, Magenbrot den Gluscht. Viele kennen sich von anderen Ganten und von Oldtimertreffen. «Ein Schwatz ist immer schön», sagt Kälin und lacht.

Ein Nicken alleine kann reichen

Josef Kunz aus Grosswangen/LU ist kein Unbekannter. Nationalrat sei er gewesen, 16 Jahre lang und Landwirt. Nun restauriere er als Hobby alte Traktoren und bereits habe er drei Auktionen durchgeführt. «Man kann ja nicht alle behalten», sagt er und streicht über einen grünen Bucher. «Dieser hat auch schon einmal mir gehört», erzählt er und stellt sich zum Fotografieren neben ihn. Ob er ihn nochmals kaufen will? «Mal schauen», sagt er und geht zum roten Bucher D4000, Jahrgang 60, den der Gantrufer in lauten Tönen anpreist. Ruhig steht er mit seiner warmen Fellmütze in der ersten Reihe. Konzentriert verfolgt er das Bieten, er braucht seine Hand nicht zu heben, ein kurzes Nicken reicht ihm, die Aufmerksamkeit von Bruno Furrer zu wecken. Im Sekundentakt erhöht sich der Preis. «4400 Franken sind geboten – zum Ersten, zum Zweiten und zum ... Dritten.»

Josef Kunz schmunzelt. «Wie zufrieden mich meine Frau zu Hause empfängt sehe ich dann später», sagt er und klaubt den Geldbeutel aus der Hosentasche.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.