MATZINGEN: Der Pfeifen-Kontrolleur

Ein Orgelbauer nimmt aktuell das Instrument in der evangelischen Kirche unter die Lupe. Dass die Orgel nach 50 Jahren noch so gut in Form ist, sei aussergewöhnlich und liege unter anderem an der Sauberkeit.

Christof Lampart
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Orgelbauer Uwe Schacht überprüft die Manuale und Register der Matzinger Orgel. (Bild: Christof Lampart)

Orgelbauer Uwe Schacht überprüft die Manuale und Register der Matzinger Orgel. (Bild: Christof Lampart)

Christof Lampart

frauenfeld

@thurgauerzeitung.ch

Wer hoffte, die Orgel am Ostergottesdienst hören zu können, wurde enttäuscht. Dennoch – Uwe Schacht ist im Zeitplan. Der Mitarbeiter der Firma Orgelbau Kuhn aus Männedorf ZH ist Orgelexperte. Im Rahmen einer öffentlichen Fragestunde, zu der sich gut zehn Erwachsene und Kinder eingefunden hatten, gab er auf der Orgelempore Auskunft. Zum Thema Zeitplan sagte er: «Gut eine Woche nach Ostern sollte die Arbeit abgeschlossen sein.»

Doch was den Zustand der «Königin der Instrumente» betrifft, so kann der Kirchgänger und Orgelfreund, insofern er es mit der evangelischen Kirche Matzingen hält, nur über beide Backen strahlen. Denn Uwe Schacht ist über das, was er in Matzingen angetroffen hat, als er Ende Februar mit der Generalüberholung des Kircheninstruments begann, mehr als nur erstaunt. «Die Kirche ist sehr sauber und somit praktisch staubfrei, weshalb es in Sachen Staub oder sogar Schimmel sehr wenig zu entfernen gibt», erläuterte der Fachmann.

Tatsächlich ist die Orgel sehr gut in Form – was keineswegs selbstverständlich ist. Denn auch wenn das Instrument jährlich gestimmt wird und kleinere Ausbesserungen bewerkstelligt werden, so ist doch in der Regel alle 25 Jahre eine grosse Revision fällig. Und die Matzinger Orgel ist aktuell 50 Jahre alt und wurde noch nie komplett auseinandergenommen. «Das ist schon sehr aussergewöhnlich», erklärte Schacht seinem Publikum. Doch nun ist er mit Eifer dabei, eine Pfeife nach der anderen auf ihr einwandfreies Funktionieren zu überprüfen. 1442 Stück. Dafür braucht es ein gutes Gehör und ganz viel Ausdauer.

Mittels Modell komplexe Mechanismen erklärt

Hinzu kommt eine komplizierte Mechanik, welche Orgelbauer und -musiker gleichermassen fasziniert, Laien jedoch oftmals ein wenig verständnislos zurücklässt. Schacht beantwortete einfache Fragen von Kindern, zum Beispiel seit wann es Orgeln gibt, genauso gewissenhaft, wie er Erwachsenen erläuterte, mit welcher Technik der Organist vom Spieltisch aus einzelne Pfeifenreihen verschiedener Tonhöhen und Klangfarben ein- und ausschalten kann, so dass sich verschiedene Klangfarben erzeugen lassen. Ein kleines Querschnittmodell hilft ihm dabei, die komplexen mechanischen Vorgänge in der Orgel sichtbar zu machen.

So gelangt man auf einmal zu einer Art Verständnis, kann nachvollziehen wie beispielsweise die Klaviaturen und Pedale die Pfeifen steuern. Auch dem Experten machte diese öffentliche Fragestunde sichtlich Spass. «Ich bin ja sonst den ganzen Tag alleine hier, nehme alles auseinander und putze es. Da ist es schön, wenn jemand meiner Arbeit gegenüber Interesse zeigt», freute sich Schacht.