Matzingen bald ohne Metzgerei

MATZINGEN. Die Matzinger sind enttäuscht: Die Metzgerei Würmli schliesst am nächsten Samstag ihre Filiale für immer. Rote Zahlen zwingen die Dorfmetzg zum Aufhören.

Elisabeth Reisp
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Der Matzinger Ableger der Elgger Metzgerei Würmli fand nur am Freitag und Samstag genügend Kunden. (Bild: Nana do Carmo)

Der Matzinger Ableger der Elgger Metzgerei Würmli fand nur am Freitag und Samstag genügend Kunden. (Bild: Nana do Carmo)

Matzingen. An der Tür zur Metzgerei Würmli in Matzingen hängt ein unauffälliger Zettel. Darauf steht, dass die Metzgerei am Samstag, 16. Juli, zum letzten Mal ihre Kunden bedient und danach die Filiale schliesst.

Die Kunden reagieren erstaunt bis enttäuscht. Andreas Würmli, Junior-Chef der Metzgerei Würmli mit Sitz in Elgg, versteht die Reaktionen seiner Kunden, sagt aber: «Wir hatten gar keine andere Wahl, als zu schliessen.»

Die Entscheidung, die Filiale – bei den Matzingern immer noch als Metzgerei Bachmann bekannt – aufzugeben, sei schwergefallen, aber der Verkaufsstandort Matzingen hätte einfach nicht rentiert. «Seit dreieinhalb Jahren schreibt diese Filiale rote Zahlen», sagt Würmli. Vor den Wochenenden sei das Geschäft bestens gelaufen, sagt Würmli. «Freitags und samstags war der Laden voll.»

Aber diese zwei Tage haben nicht gereicht, um die Fixkosten zu decken. Das Geschäft nur noch die halbe Woche zu öffnen, kam für die Geschäftsleitung nicht in Frage. Als im Februar die Vertragsverlängerung mit dem Vermieter anstand, fiel der Entscheid aufzuhören.

Keine Kündigungen

Die Mitarbeiter der Filiale Matzingen werden nicht auf der Strasse stehen. Drei von fünf haben das Angebot beansprucht, im Hauptgeschäft in Elgg zu arbeiten, eine Person lässt sich früh pensionieren. Nur ein Mitarbeiter orientiert sich neu, wie Andreas Würmli verlauten lässt.

Wieso die Metzgerei im 2500-Seelen-Dorf Matzingen nicht rentabel ist, habe verschiedene Gründe, sagt Würmli. Einerseits verpflegen sich immer mehr Leute wochentags auswärts. Andererseits kauften die Kunden einfachheitshalber in den grossen Einkaufszentren ein. «Diese Entwicklung spüren auch andere Metzgereien», so der Metzgermeister weiter. Es werde immer schwieriger, in Dörfern eine Metzgerei zu unterhalten. Im Hauptsitz in Elgg sei man bisher vor solcherart bedingten Umsatzeinbrüchen verschont geblieben.

Bedauern ist gross

Das Bedauern bei den Kunden über die Schliessung des Geschäftes ist gross. «Ich habe die Auswahl und Qualität der Fleischwaren sehr geschätzt», sagt eine Kundin aus Stettfurt. Man habe im Dorf bereits gemunkelt, was denn los sei. Dass die Metzgerei nicht gelaufen sein soll, erstaune sie sehr. Denn an Freitag und Samstag, wenn sie Fleisch kaufe, sei der Laden immer voll gewesen.

Auswahl immer kleiner

Unter der Woche hat die Stettfurterin allerdings auch nicht eingekauft. «Ich esse werktags fast kein Fleisch», begründet die Stettfurterin. Wo sie in Zukunft ihr Fleisch einkaufen wird, weiss sie noch nicht. «Vermutlich in Wängi, beim Egli», sagt sie.

Tatsächlich wird die Auswahl immer kleiner. Was nach der Schliessung von Würmli übrig bleibt, sind eine Metzgerei in Wängi und eine in Aadorf.