Mathias ist gegangen

Es gibt Tage, da mag ich nicht spotten. Nachdenklich steige ich auf ins tiefe Blau des Frühlingshimmels, schaue hinunter auf die ersten blühenden Bäume und denke an ihn, um leise Abschied zu nehmen.

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Es gibt Tage, da mag ich nicht spotten. Nachdenklich steige ich auf ins tiefe Blau des Frühlingshimmels, schaue hinunter auf die ersten blühenden Bäume und denke an ihn, um leise Abschied zu nehmen. Hoch über dem Ende des Untersees will mir das stille Trauern aber nicht so recht gelingen, denn der Verstorbene war ganz und gar nicht zurückhaltend, er nahm Raum ein, konnte feiern und trinken, und war «sternesiech nomol» ein querer Mocken, feinfühlig und ungehobelt zugleich.

Im Rahmen der Frauenfelder Krimitage sollte er einmal zusammen mit dem Autor Hansjörg Schneider aus den Hunkeler-Krimis lesen. Das Publikum war im Saal, er kam als erster herein, sah sich um und wuchtete dann seine beachtliche Körperfülle auf die Bühne. Ein Blick in die Runde. Ein verschmitztes Lächeln. Plötzlich hörte man ein Knacken im Lautsprecher an der Wand. Schritte, ein Hüsteln, eine Türe. «Da isch jo de Röbi Koller, de hät s Mikro scho aa, de Galööri.» Der ganze Saal lauschte atemlos den Geräuschen. Nun war ein Plätschern zu hören. «Gopferdeckel, de isch jo am Seiche.» Ein Lachen ging durch die Reihen, als Röbi Koller erschien. Es wurde ein heiterer Abend, an dem wir im Publikum mit einem der Anwesenden ein grosses Geheimnis teilten.

Was uns von den Gegangenen bleibt, sind Geschichten, die wir weitererzählen und teilen können, die sich mit dem Leben vermischen und die Bitterkeit des Verlustes erträglich machen. Es gibt Tage, da mag ich nicht spotten, da wird es auf der Erde etwas eintöniger, dafür im Himmel viel lustiger, «hueregmüetlich ebä».

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