Mathe ist nicht gleich viel wert

Früher Sek oder Real, heute Typ E oder G: Am Ende der Primarschule müssen Schülerinnen und Schüler eingeteilt werden. Das Fach Mathematik wird dabei je nach Schulgemeinde unterschiedlich stark berücksichtigt.

Marina Winder
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Der Mathematik kommt in den Schulgemeinden bei der Einstufung der Schüler für die Sekundarschule unterschiedliche Bedeutung zu. (Archivbild: Stefan Schaufelberger)

Der Mathematik kommt in den Schulgemeinden bei der Einstufung der Schüler für die Sekundarschule unterschiedliche Bedeutung zu. (Archivbild: Stefan Schaufelberger)

FRAUENFELD. Die Einführung der durchlässigen Sekundarschule hat für die Verantwortlichen einige Knacknüsse mit sich gebracht. Eine davon ist die Einstufung der Schülerinnen und Schüler in die Stammklasse und in die Niveaufächer. Die Einteilung in die Stammklasse Typ E oder G entspricht der früheren Unterscheidung zwischen Sek und Real.

Für die Eltern ist das nach wie vor ein emotionales Thema, das auch immer wieder an Elternabenden zur Sprache kommt.

Unterschiedliche Richtlinien

Die Einstufung passiert ein erstes Mal durch die Primarlehrperson beim Übertritt von der Primarschule in die Sekundarschule. Später findet sie zur Überprüfung des Entscheids statt oder wird auf Antrag des Schülers, der Lehrer oder der Eltern vorgenommen. Um eine möglichst gerechte und nachvollziehbare Einstufung zu erreichen, braucht es Richtlinien. Diese fallen in den verschiedenen Schulgemeinden unterschiedlich aus. Wie das Regionaljournal Ostschweiz herausfand, gehen die Unterschiede so weit, dass in einzelnen Schulgemeinden das Fach Mathematik für die Einstufung in die Stammklasse berücksichtigt wird, in anderen nicht.

Zählt Mathe doppelt?

Mathematik ist im Thurgau ein zwingendes Niveau-Fach, hinzu kommt mindestens eine Fremdsprache, die ebenfalls in Niveaus unterteilt unterrichtet wird. Das heisst, dass die Schüler diese Fächer nicht in ihrer Stammklasse besuchen, sondern je nach Leistung in drei unterschiedlichen Niveaugruppen. Grosser Diskussionspunkt ist nun die Frage, ob und wie bei der Einteilung in die Stammklassen die Niveau-Fächer mitberücksichtigt werden sollen. «Wichtig ist, dass die Fächer nicht doppelt gezählt werden», sagt Markus Villiger, Präsident der Thurgauer Schulleiterinnen und Schulleiter. Eine ungenügende Note in der Mathematik solle sich nicht zweimal niederschlagen – erst in der Einteilung in die Stammklasse und dann nochmals bei der Einteilung in den Niveau-Unterricht. Bei der Einstufung ist gemäss Villiger zudem auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern zu achten. Seine Schulgemeinde, die Sekundarschule Romanshorn-Salmsach, hat deshalb eine Gewichtung der einzelnen Fächer vorgenommen. Deutsch zählt 20 Prozent, Französisch 15 Prozent, Realien 20 Prozent, Englisch 15 Prozent und Mathematik und Geometrie zusammen 30 Prozent. «Wir fahren mit diesem System sehr gut. Wichtig ist aber, dass nicht nur die Noten zählen» sagt Villiger. Auf den Gesamteindruck werde grossen Wert gelegt. Dazu zählen etwa Arbeits- und Lernverhalten, Belastbarkeit, Lerntempo, Selbständigkeit, Abstraktionsvermögen, Zuverlässigkeit, Aufnahmefähigkeit, Übertragungsfähigkeit und Speicherfähigkeit. Zu dieser ganzheitlichen Beurteilung hält auch das Departement für Erziehung und Kultur (DEK) an. Bei Einstufungen und Umstufungen würden zudem immer viele Gespräche geführt, um die bestmögliche Lösung für den Schüler zu eruieren, sagt Villiger.

DEK vergleicht Reglemente

Wie es beim DEK heisst, würden zurzeit die verschiedenen Übertrittsreglemente der Schulgemeinden erhoben und verglichen. Massnahmen seien vorerst aber nicht geplant. «Bisher sind uns keine Rückmeldungen von Eltern oder Lehrern bekannt, dass die Promotionsregelungen falsch oder ungenau sind», sagt Generalsekretär Paul Roth.