Mars einfach, kein Retour

WARTH. Der Thurgauer Steve Schild ist einer von 100 Kandidaten des «Mars One»-Projekts. Als Gast des Sternschnuppenabends im Kunstmuseum erzählte er über seine Reiseabsichten.

Christine Luley
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Steve Schild steht neben dem Kunstwerk, das Juri Gagarin darstellt. Schild träumt davon, in den Weltraum zu fliegen. (Bild: Andrea Stalder)

Steve Schild steht neben dem Kunstwerk, das Juri Gagarin darstellt. Schild träumt davon, in den Weltraum zu fliegen. (Bild: Andrea Stalder)

Steve Schild will auf den Mars. André Robillard hat den roten Planeten schon erkundet. Zumindest in seinem Werk von 2012, mit dem Titel «Esploiration Martienne». Kuratorin Stefanie Hoch begleitet die Besucher im Kunstmuseum durch das faszinierende Universum des André Robillard. Der 83jährige Künstler träumte vom Fliegen und hat seinen eigenen Kosmos erschaffen, während der 31jährige Thurgauer noch auf dem Weg ist.

Glaube, Fiktion und Naivität

Schon als Kind hat Steve Schild davon geträumt, ins All zu fliegen. Statt Astronaut ist er Elektroniker geworden. Jetzt hofft er, sein Ziel mit Mars One zu erreichen. «Die Zukunft gehört denen, die an ihre Träume glauben», steht irgendwo im gezeigten Werbefilmli. Diese Botschaft hat Schild verinnerlicht. Wenn er nicht gerade arbeitet oder an seine körperlichen Leistungsgrenzen mit Bocksprung oder Einkaufswägelischieben für Einträge im Business der Rekorde geht, trifft er sich auch mal mit richtigen Astronauten.

Von den 202 000 Bewerbern im Jahre 2013 sind noch 100 geblieben. 2016 sollen es noch 24 sein. Der Balterswiler hat vor, mit ihnen in die Vollzeitausbildung einzusteigen. Psychologie, Botanik, Elektrotechnik, Mechanik und Medizin gehören zum Lehrstoff. Wobei vermutlich nicht geklärt ist, was sie auf dem Mars machen, wenn eine Wurzelbehandlung nötig ist.

Eine Besucherin will wissen, «was ist, wenn es dort eine Zivilisation gibt, und die euch nicht wohlgesinnt ist?» Er lächelt: «Ich weiss es nicht.» Warum keine Rückkehr möglich sei, fragt jemand anders. Der Weg zum Mars dauere sieben Monate, und die Erde stehe dem Planeten nur alle zwei Jahre am nächsten, Zudem gebe es finanzielle und technologische Gründe.

Wenn nicht Mars, dann Mond

Schild glaubt, was er sagt, sieht das Projekt als Sprung in der Geschichte der Menschheit. Sollte er die Selektion nicht schaffen – no problem! «Da wird sich eine andere Türe öffnen.» Er hat bereits ein Angebot von der Nasa abgelehnt, sich für ein Projekt zu bewerben. Als modernen Auswanderer bezeichnet ihn ein Besucher, denn Columbus habe ja auch nicht gewusst, was ihn erwartete. Der Vergleicht gefällt Steve Schild.

Nach dem Ausflug ins All sind die Besucher zum Beobachten des nächtlichen Himmels im grossen Kreuzgarten eingeladen. LED-Kerzen schimmern im stillen dunklen Gang. Die klösterliche Atmosphäre scheint auf die Besucher zu wirken. Sie werden ruhig, mit Ehrfurcht betrachten sie den Sternenhimmel, suchen nach funkenartigen Blitzen. Ist das jetzt eine Sternschnuppe? Nein, nur ein Flugzeug.