Markt vereint das Seebachtal

HÜTTWILEN. Der Hüttwiler Chlausmarkt lockte erneut viel Publikum an. Die Stände waren mit Traditionellem aus Küche und Werkstatt bestückt. Das meiste stammte aus der Region.

Evi Biedermann
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Ein riesiges Angebot an den über hundert Ständen: Spitzbuebe-Guetzli lachen die Besucher an. (Bild: Nana do Carmo)

Ein riesiges Angebot an den über hundert Ständen: Spitzbuebe-Guetzli lachen die Besucher an. (Bild: Nana do Carmo)

Wenn ganz Hüttwilen auf den Beinen ist, die Autos an allen möglichen und unmöglichen Orten parkiert sind und die Luft nach gebrannten Mandeln und Glühwein riecht, dann ist Chlausmarkt. Heuer bereits zum 25. Mal. Die Hauptstrasse durchs Dorf war erstmals gesperrt, was dem Markt einen intimen Rahmen gab. Der Nebel tat das seine dazu, zäh hing er in den umliegenden Reben und Hügeln und schluckte den landläufigen Alltagslärm.

Umso intensiver erschien das Gemurmel der Marktbesucher, umso lauter waren die einzelnen Stimmen, wenn sie gleich nebenan ertönten. «Jo lueg, de Sepp isch au do», «Gömmer in Zehntecheller a d Wärmi». Freudiges Aufeinandertreffen und gemütliches Beisammensein gehört ebenso zum Hüttwiler Chlausmarkt wie ein vielfältiges Warenangebot, Samichlaus und Schmutzli, Karussell und Eselreiten. Wärmen konnte man sich auch in der «Eintracht», die am Samstag Neueröffnung feierte und nun wieder wie einst von Sieglinde und Albert Probst geführt wird.

Chriesichüssi neu entdeckt

Der Markt ist bunt, die meisten Produkte kommen aus einheimischen Werkstätten und Küchen. Auffallend sind die fleissigen Handarbeiterinnen, die Gestricktes, Gehäkeltes und Genähtes anbieten. Es sind Sachen, die man in keinem Supermarkt findet, denn sie wurden mit viel Liebe angefertigt. Poppige Babyhösli, aparte Mützen, bordierte Windlichter oder Grosis «Chriesichüssi». «Die sind wieder gefragt», heisst es am Stand der «Mascheria-Brigitta». Wer hat denn heute noch einen Kachelofen? Heute sei das die Mikrowelle, sagt Brigitte Gugelmann und lacht. «Zwei Minuten, und Kirschensteine sind warm.» Und die Kinder zufrieden, pflichtet eine Marktbesucherin bei. Das «Chriesichüssi» sei ein fester Bestandteil der Bettausrüstung. «Es wärmt, ist weich und es tönt, wenn man es schüttelt.»

Leichtes Gebäck, schwere Steine

Aus der Küche stechen Eingemachtes, Guezli, Zöpfe, Würste und süsse Mitbringsel hervor. Bei der Hüttwilerin Bettina Sprenger sind das mit Traubengelée überzogene Rebblätter, Seebachbiber und Nagespäne. Einen schweren, aber viel beachteten Stand hat Ursula Büeler aus Frauenfeld. «Gib niemals auf», «Du bist Hammer» oder einfach «Willkommen» steht auf ihren kunstvoll bearbeiteten Steinen geschrieben. «Die Steine geben mir Kraft», sagt die Marktfahrerin, «aber ich schleppe viel Gewicht.» Der Standort ist für sie deshalb entscheidend, die Zufahrt mit dem Auto müsse bis zum Stand gewährleistet sein. Das heisst früh aufstehen. «Ich war heute als erste da», sagt sie und reibt sich die Hände warm.

Auch die Vereine sind vertreten, mit Raclettestube, Volleyballkafi, Landfrauenbeiz und Barwagen. 80 Prozent der Anbieter seien Einheimische, sagt Hans Bachmann. Der Präsident des Vereins Chlausmarkt Hüttwilen freut sich. Die Schliessung der Hauptstrasse habe die Leute länger verweilen lassen als gewohnt. Die Besucherzahl schätzt er auf 3500, Standbetreiber hatte es deren 104. «Wieder ein voller Erfolg», sagt Hans Bachmann zufrieden.