«Man wirft nicht mit Essen herum»

Am Sechseläuten war auch die Thurgauer Apfelkönigin Monika Ausderau zu Gast. Die 24-Jährige verteilte Äpfel an die zahlreichen Besucher. Ganz im Gegensatz zu den Zünften. Diese warfen das Essen teilweise in die Menge – zum Unmut der Apfelkönigin.

Samuel Koch/Perrine Woodtli
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Die Thurgauer Apfelkönigin Monika Ausderau vertritt den Kanton Thurgau am Zürcher Sechseläuten. (Bild: Keystone)

Die Thurgauer Apfelkönigin Monika Ausderau vertritt den Kanton Thurgau am Zürcher Sechseläuten. (Bild: Keystone)

Frau Ausderau, einige Zünfte haben am Sechseläuten vom Wagen aus Esswaren in die Menschenmenge geworfen. Worum handelte es sich dabei?

Monika Ausderau: Die unterschiedlichen Zünfte hatten alle Esswaren dabei, um diese zu verteilen. Unter anderem gab es beispielsweise Äpfel. Bei meinem Wagen verteilten oder eben auch warfen sie Datteln. Ich fand das Werfen nicht sonderlich gut. Es ist einfach unnötig, zumal viele Besucher die Äpfel und Datteln nicht fangen konnten und sie somit auf dem Boden landeten.

Hoben die Besucher das Obst, das sie nicht fangen konnten, wieder vom Boden auf?

Ausderau: Nein, das war so wie überall. Wenn etwas am Boden liegt, finden die Leute das grusig. Aber ich habe mich auch nicht zu sehr darüber aufgeregt, da es scheinbar zum Brauch gehört und wohl irgendeinen Sinn hat. Wenn die Besucher die Äpfel und Datteln gefangen hätten, wäre das ja nicht weiter schlimm gewesen. Einige Zünfte warfen das Essen auch, weil die Besucher hinter der Abschrankung standen.

Was wäre Ihrer Meinung nach die bessere Lösung gewesen?

Ausderau: Mit einem Korb herumzugehen, um das Essen zu überreichen.

Normalerweise teilt die ältere Generation diese Einstellung, da sie anderen Umgang mit Essen von früher gewohnt ist. Die jungen Leute denken weniger darüber nach. Hier ist es umgekehrt. Was stört Sie daran, wenn jemand Essen um sich wirft?

Ausderau: Das macht man doch einfach nicht. Ich finde das eigentlich total normal, dass man Essen nicht herumwirft. Das habe ich auch zu Hause gelernt, so wurde ich erzogen.

Sie haben einige Prominente – unter anderem die Stadtpräsidentin von Zürich und Roger Schawinski – auf diese Problematik angesprochen. Wie haben Sie reagiert?

Ausderau: Viele wussten gar nichts davon. Aber dennoch haben sie meine Meinung geteilt.

Wie haben denn die Besucher reagiert, als Sie ihnen die Äpfel persönlich überreicht haben?

Ausderau: Viele waren begeistert, dass der Kanton Thurgau ebenfalls am Sechseläuten vertreten ist und wollten mit mir zusammen ein Erinnerungsfoto machen.

Wer war die spannendste Persönlichkeit, die Sie treffen konnten?

Ausderau: Der ehemalige Marathonläufer Viktor Röthlin und der Berner Schwinger Christian Stucki haben mich am meisten beeindruckt.

Wie haben Sie Ihr erstes Sechseläuten erlebt?

Ausderau: Es war spannend zu sehen, wie der Event in der Zürcher Innenstadt abläuft. Früher habe ich das Sechseläuten am Fernseher verfolgt, da meine Mutter aus dem Kanton Zürich kommt. Das ganze Drumherum mit dem Knall, dem Böögg, den Pferden, den Verkleidungen und den vielen Besuchern war ein spezielles Erlebnis. Es hat mir wirklich gefallen, und ich komme gern wieder einmal.

Trotz des Herumwerfens von Essen?

Ausderau: Ich habe mich ja nicht allzu fest darüber aufgeregt. Aber ich fand es gut, dass auch andere so dachten wie ich und dass man über dieses Thema gesprochen hat. Damit konnte man darauf aufmerksam machen und hoffen, dass die Leute bewusster mit Essen umgehen.

Was sind Ihre Ziele in der verbleibenden Zeit als Thurgauer Apfelkönigin?

Ausderau: Ich habe mir immer noch keine Ziele vorgenommen und nehme alles, wie es kommt.

Was war der bisher spannendste Auftritt?

Ausderau: Es gab bisher so viele Erlebnisse, dass ich mir bald ein Fotoalbum als Erinnerung dieser schönen Zeit machen möchte. Ich freue mich aber auf die bevorstehende Expo in Mailand, welche in zwei Wochen beginnt.

Worauf freuen Sie sich?

Ausderau: Auf alles. Ich werde ja gemeinsam mit Freundinnen vom Turnverein einen Apfeltanz aufführen. Dafür proben wir schon fleissig und sind auch ein wenig nervös. Hoffentlich klappt alles. Zudem war ich noch nie in Mailand. Geplant sind zwei Tage Expo und einen Tag lang die Stadt besichtigen. Wenn man schon einmal dort ist.

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