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Man könnte, wenn man wollte

Das ehemalige Restaurant Obstgarten hat statisch keine Schäden, der Wiederaufbau des teils eingestürzten Anbaus ist verhältnismässig. Das besagt ein aktuelles Gutachten. Der Ball liegt beim Eigentümer.
Mathias Frei
Aus Sicherheitsgründen umzäunt: die Obstgarten-Liegenschaft an der Thundorferstrasse auf Höhe Kantonsspital. (Bild: Donato Caspari)

Aus Sicherheitsgründen umzäunt: die Obstgarten-Liegenschaft an der Thundorferstrasse auf Höhe Kantonsspital. (Bild: Donato Caspari)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Der «Obstgarten»: eine Geschichte, die sich in die Länge zieht. Die Situation für die Stadt ist undankbar. «Wir würden gerne vorwärts machen», sagt Stadtrat Urs Müller, Vorsteher des Departements für Bau und Verkehr. Aber der Stadt sind faktisch die Hände gebunden. Möglich wäre eine Verfügung, damit der Eigentümer, ein Bauunternehmer aus Thundorf, die Wiederherstellungsmassnahmen realisiert. Aber Stadtbaumeister Christof Helbling denkt dabei an die möglichen Rechtsmittel, die bis vor Bundesgericht führen könnten.

Wichtig ist: Das bewilligte Bauprojekt für die Obstgarten-Liegenschaft – ein Gastronomiebetrieb mitsamt Wirtewohnung – ist realisierbar. Denn ein statisches Gutachten eines unabhängigen Experten besagt, dass das Restaurantgebäude nach dem Wandeinsturz des Anbaus vergangenen Oktober statisch keinen Schaden genommen hat. Zudem ist der Wiederaufbau des Anbaus finanziell verhältnismässig. Denn das Dach hält, das Fundament, die Wand und die Decke müsste man neu aufmauern. Die Stadt, die kantonale Denkmalpflege und der Eigentümer hatten gemeinsam einen Gutachter bestimmt, den Auftrag besprochen. Erteilt und bezahlt wurde das Gutachten durch den Eigentümer. Seit Ende Februar liegt es vor.

Die jüngere Vorgeschichte: Nach dem tragischen Unfall von vergangenem Oktober verfügte die Stadt als Sofortmassnahme eine grossräumige Umzäunung. Ende November einigten sich Stadt, Denkmalpflege und der Eigentümer darauf, dass ein Gutachten von allen Parteien akzeptiert wird. Stadt und Denkmalpflege wären also bereit gewesen, einen Abbruch des Anbaus zu ermöglichen und ihn somit aus dem Schutz zu entlassen. «Unser Ziel war und ist es, möglichst schnell zu einem normalen Zustand zu kommen», sagt Müller.

Stadt will bis Ende Monat wissen, wie es weitergeht

Das Resultat des Gutachtens liegt vor. Aber das ist noch nicht das Ende. Der Eigentümer fände die prognostizierten Kosten für den Wiederaufbau des Anbaus zwar verhältnismässig, befürchtet nun aber, dass diese Arbeiten teurer ausfallen könnten als angenommen. «Man kann davon ausgehen, dass der Grundeigentümer in Vorleistung gehen muss, und dann zahlt eine Versicherung», sagt Stadtrat Müller. Zur Besprechung des Gutachtens folgt Anfang März eine weitere Sitzung. Die Stadt fordert den Eigentümer auf, bis Ende März konkret aufzuzeigen, wie es weitergehen soll. Allenfalls will der Eigentümer das Gutachten bezüglich Feuchtigkeit im Keller erweitern. «Wäre das ein grosses Problem, wäre schon das erste Gutachten darauf eingegangen», sagt Stadtbaumeister Helbling. Dabei wäre eben alles vorhanden, was der Grundeigentümer braucht, um loszulegen: bewilligter Gestaltungsplan, bewilligtes Bauprojekt, Unterschutzstellung. «Man könnte loslegen, wenn man wollte», sagt Stadtrat Müller. «Die Stadt erteilt die Baubewilligung und überprüft, ob der Bewilligung entsprechend gebaut wird. Aber auf den Bauablauf haben wir keinen Einfluss.»

Restaurant Obstgarten erst sanieren, dann verkaufen

Er fühle sich ein wenig verschaukelt, sagt Müller. Vertreter des vormaligen Besitzers des «Obstgartens» ist ein Generalunternehmen aus Wallisellen. Die Firma hat in Etappen die nahe Bsetzi-Überbauung realisiert – ein lukratives Bauprojekt. In einem Gestaltungsplan war geregelt, dass das Generalunternehmen das ehemalige Restaurant sanieren muss. Im Gegenzug wurde die Ausnützungsziffer erhöht. Noch im August 2014 hatte es in der «Thurgauer Zeitung» geheissen: «Die Bauherrschaft plant, das Gebäude als Gastrobetrieb zu sanieren.» Der Wirt müsse sich nur um eine neue Küche kümmern, der Rest könne saniert übernommen werden, hatte der Geschäftsfühler der Walliseller Firma erklärt. Beabsichtigt war, den «Obstgarten» nach der Sanierung zu verkaufen.

Saniert wurde nichts, dafür aber verkauft. Ende März 2017 erfolgte die Veräusserung an den heutigen Eigentümer. Im Frühsommer des gleichen Jahres wurde die letzte Etappe der Überbauung mitsamt Quartierladen eingeweiht. Der «Obstgarten» lag weiter brach. Dabei hatte sich der heutige Eigentümer noch bei der Stadt über die Vorgaben aus dem Gestaltungsplan informiert. «Heute würden wir es anders machen. Wir würden verlangen, dass vor der ersten Etappe der Überbauung die Obstgarten-Liegenschaft saniert wird», sagt Urs Müller. Dass nun erst kürzlich das Walliseller Generalunternehmen namens des Quartierladens der Stadt eine Beschwerde geschickt hat, weil die eigentliche Ladenwegfahrt wegen des umzäunten «Obstgartens» gesperrt ist, kommt für Stadtrat Müller einem Hohn gleich.

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