MAMMERN: Wilder Gesangsnachwuchs

Die frische, frech und stimmige Chorüberraschung aus den Reihen der Chormanne Mammern heisst Die 13 Wilden und ist ein Knabenchor. Was Disziplin ist, wissen die Buben genau.

Margrith Pfister-Kübler
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Voll konzentriert: Der Knabenchor Mammern bei einer Probe im Kulturpavillon mit Chorleiterin Marielle Haag-Studer. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Voll konzentriert: Der Knabenchor Mammern bei einer Probe im Kulturpavillon mit Chorleiterin Marielle Haag-Studer. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Dreizehn Buben sind es, Kindergärtler und Primarschüler, eben Die 13 Wilden. Sie bilden den neu gegründeten Knabenchor Mammern. Esther und Christian Schaefer-Meier, die ehemaligen «Adler»-Wirte, haben die Initiative ergriffen und die Idee Knabenchor Mammern umgesetzt. Dafür musste einiges zusammenpassen: Der Vater von Esther Schaefer ist Männerchorpräsident Emil Meier. Christian Schaefer ist Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Mammern, und den beiden Söhne Tim und Leo liegt das gesangliche Talent bereits in den Genen.

Blitzschnell konnten Schaefers nebst ihren eigenen Buben noch elf weitere begeistern. Freilich muss man wissen, in Mammern hat man durch die Familien- und Freundesbande schnell Mitmachende an der Angel, wenn man beachtet, welche Buben allein aus der eigenen Herzgrube der singenden Familienväter gefischt wurden. Maurus und Dimitri Lang aus Rheinklingen; aus Mammern: Levin Schäfli, Sandro Meier, Florian Meier, Cyrill Meier, Joël Grob, Tim und Leo Schaefer, Lars von Känel, Benjamin Schmid, Collin Köchli und Simon Günther. Zur Neuausrichtung gehört auch, dass die junge Chorleiterin, Pianistin und Organistin Marielle Haag-Studer verpflichtet wurde. Sie lebt in Wiesendangen und ist in Feuerthalen aufgewachsen.

Von Mani Matter bis zu Birnbäumen
Für die vier grossen Auftritte in der Mehrzweckhalle Mammern mit dem Chormanne Mammern (Premiere: 14. Januar) probt die wilde Meute im Mammerner Kulturpavillon. Hammermässige Lieder, die bewegen, werden eingeübt, was da herausbricht aus diesen jungen Kehlen, ist ungewöhnlich schön. «Dä Birebaum», ein Mundartlied aus dem Thurgau von Bruno Höck, das Berner Chanson von Mani Matter «Dr Alpenflug» und die tschechische Zigeunerweise «Lai-la». Kaum ist der letzte Ton verklungen, wird auch schauspielerisch geübt, auftrampeln mit dem Fuss. «Nur mit einem Fuss stampfen und dann immer schneller», feuert Emil Meier an. Chorleiterin Haag greift in die Tasten, singt mit, holt unbeirrbar jeden Ton raus aus den Bubenkehlen. Die 13 Wilden sind diszipliniert, versuchen ohne abzulesen zu singen. «Es ist megacool», schwärmt Cyrill Meier. Simon Günther gefällt die Zigeunerweise «Lai-la» am besten und er lässt halblaut vernehmen, dass er gerne singt, weil der Papa bei den Chormanne mitsingt. «Wir üben auch daheim», erklären Leo und Tim Schaefer. Papa Christian Schaefer ist neu als erster Tenor dabei. Die Brüder Maurus und Dimitri Lang eifern ihrem Onkel, Komponist und Sänger David Lang, nach. Dirigentin Marielle Haag-Studer zitiert Ludwig van Beethoven: «Eine falsche Note zu spielen oder zu singen, ist unbedeutend. Aber ohne Leidenschaft zu spielen oder zu singen, ist unverzeihlich.» Die Leidenschaft ist nicht die einzige Trumpfkarte, die hier gezogen wird. Nicht nur beim Knabenchor, sondern auch bei den Chormanne können immer wieder neue gute Stimmen rekrutiert werden. «Gleich fünf Neue haben wir im Chor», freut sich Präsident Emil Meier: Christian Schäfer, 1. Tenor, Mammern, Thomas Schäfli, 2. Bass, Ermatingen; Mathias von Känel, 2. Tenor, Steckborn, Armin Stäheli, 1. Bass, Lanzenneunforn und Joachim Hübscher, 2. Bass, Schaffhausen.  Beim Männerchor Mammern war schon immer alles ganz anders. Während andere Chöre verdorren, locken die Mammerner alles Männliche an, was gut singt, und setzen ein Licht obendrauf durch die Gründung des Knabenchors. Gerade Kinder gewinnen durch aktives Singen Selbstvertrauen, profitieren vom sozialen Kontakt, erklärt die Dirigentin. «Wir nehmen es als Bildungsauftrag», so Männerchorpräsident Meier. Und sein Herz weitet sich vor Glück und Dankbarkeit.