MAMMERN: «Dampfer bringt mehr Passagiere»

Die Pro Dampfer AG träumt von einem Schaufelraddampfer für Untersee und Rhein. Jetzt erhöht sie das Kapital, um für Grossaktionäre gewappnet zu sein. Die Suche danach gestaltet sich aber schwierig.

Samuel Koch
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Bis im Mai 1967 verkehrte auf dem Hochrhein noch der Raddampfer «Schaffhausen». (Bild: PD)

Bis im Mai 1967 verkehrte auf dem Hochrhein noch der Raddampfer «Schaffhausen». (Bild: PD)

Interview: Samuel Koch

Ab 2020 soll zwischen Kreuzlingen und Schaffhausen erstmals seit mehr als 50 Jahren wieder ein Raddampfer unterwegs sein. Von den dafür notwendigen 12 Millionen Franken sind bisher etwa 800000 Franken zusammengekommen. Für den Präsidenten der Pro Dampfer AG, Hansjörg Lang, ist die Planung auf einem guten Weg. Heute Abend geht im Mammermer Restaurant Hecht die erste Aktionärsversammlung über die Bühne.

Hansjörg Lang, die Aktionäre sollen heute das Aktienkapital von einer auf 4,5 Millionen Franken erhöhen.

Das ist richtig. Um die 12 Millionen Franken in den nächsten ­Jahren zu erreichen, ist eine Erhöhung unumgänglich. Zudem legen wir den Aktionären zwei weitere Statutenänderungen vor.

Worum geht es dabei?

Wir sind keine gewinnorientierte Gesellschaft und möchten deshalb keine Steuern zahlen. Die Steuerverwaltung empfiehlt uns einerseits bei allfälligem Gewinn aufgrund guter Anlagen keine Gewinnbeteiligung der Aktionäre. Andererseits soll ein allfälliger Überschuss dem Verein Pro Dampfer zugutekommen. Und sollte der Verein dereinst nicht mehr existieren, geht der Überschuss an eine andere steuerbefreite Institution über.

Welchen Nutzen haben Aktionäre der Pro Dampfer AG?

Absolute Sicherheit. Entweder erhalten die Aktionäre in Zukunft ihren ökologischen Schaufelraddampfer, oder die Aktien werden komplett zurückbezahlt.

Die Suche nach Aktionären ist zu Beginn gut angelaufen, harzt mittlerweile aber ein wenig.

Harzen ist der falsche Begriff. Immerhin wurden in weniger als einem Jahr über 800 000 Franken einbezahlt. Beim geplanten Dampfschiff handelt es sich um ein emotionales Thema. Viele Unterstützer haben die alten Dampfschiffe «Schaffhausen» und «Hohenklingen» Mitte des 20. Jahrhunderts noch selbst miterlebt. Es geht darum, noch mehr Leute für unser Anliegen zu gewinnen.

Für den Betrag von 12 Millionen Franken fehlt aber doch noch ein grosser Batzen.

Ja, aber wir sind auf gutem Weg. Was uns zurzeit noch fehlt, sind die Grossinvestoren. Geld ist da, keine Frage. Jetzt müssen wir aber die richtigen Kontakte anzapfen und uns in die Kreise dieser Grossinvestoren begeben.

Konnten solche Kontakte schon geknüpft werden?

Wir sind dran und werden das mit den Aktionären auch besprechen. Allenfalls ist auch professionelle Hilfe vonnöten, die aber wieder­um etwas kostet.

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie, dass ein Dampfer auch auf dem Hochrhein fahren kann, liegen längst vor. Welche technischen Hürden stehen sonst noch bevor?

Der nächste Schritt ist ein Schleppversuch im kommenden Juli bei der Schiffsbau-Versuchsanstalt Potsdam. Dort wird mit einem Dampfermodell mit den Massen 1 zu 7,5 getestet, ob ein Pelletbrenner mit 1000 Kilowatt Leistung ausreicht, um rheinaufwärts zu fahren.

Die Schifffahrtsgesellschaft für Untersee und Rhein (URh) hat aber schon das Handtuch geworfen.

Das stimmt so nicht. Es besteht eine Absichtserklärung, dass unser Dampfer von der URh in Betrieb genommen wird. Zur Finanzierung kann die URh aber nichts beitragen. Gerade vor zwei Jahren hat die URh während der Hochsaison 50 Tage wegen Niederwasser verloren und musste zwischen Stein am Rhein und Diessenhofen die Passagiere mit Bussen befördern. Ein Dampfschiff hingegen könnte auch bei Niedrigwasser verkehren.

Betreffend der Wirtschaftlichkeit eines Dampfers scheiden sich die Geister.

Mit einem Pelletbrenner benötigt es anders als früher keinen zusätzlichen Maschinisten an Bord, der Kohle in den Brennkessel schaufelt. Und die Steuerung der Maschine erledigt der Kapitän von der Brücke aus. Somit setzt sich eine nautische Crew mit gleichvielen Mitarbeitern zusammen wie bei einem Motorschiff, das heute etwa von der URh im Einsatz ist.

Auch die beiden Kantone Thurgau und Schaffhausen haben bisher kaum Interesse an einem Dampfschiff ­gezeigt.

Leider ja. Das kann sich aber ­ändern, wenn wir das Schiff in Aussicht haben. Die ablehnende Haltung basiert auf einer Studie mit alten Dampfschiffen, welche eben die Wirtschaftlichkeit eines ökologischen Dampfschiffs infrage stellt. Der touristische Aspekt darf aber nicht ausser Acht gelassen werden. Fakt ist, dass ein Dampfer rund ein Viertel mehr Passagiere anzieht. Das wiederum hat Potenzial für die Wirtschaftlichkeit.

Wie oft träumen Sie, am Mammermer Steg an Bord eines Ökodampfers zu gehen?

Ich bin ein Optimist. Ich glaube daran, dass es uns trotz straffen Zeitplans gelingen wird, in Zukunft einen Ökodampfer fahren zu lassen.