Magistrale Mutprobe

Mosttröpfli

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Nächste Woche hat der Thurgau zwei Bundesräte. Zu Besuch. Johann Schneider- Ammann kommt am 31. Juli nach Eschenz; Ueli Maurer am 1. August nach Weiningen. Der Besuch von zwei der sieben Magistraten könnte als Übervertretung ausgelegt werden. Gerade, wenn man ostwärts blickt: Im grösseren Kanton St. Gallen treten auch zwei Bundesräte auf. Schneider- Ammann und Alain Berset.

Doch der SP-Bundesrat hätte sich auch in den Thurgau begeben können. Jetzt, da man sich zwischen Hörnli und Bodensee auf die freundeidgenössische Kohäsion besonnen hat und den Nachwuchs weiterhin schon in der Primarschule mit französischen Vokabeln plagt. Doch Berset kommt nicht. Wieder nicht. Er kam schon nicht, als er die sprachpolitische Drohkeule schwang. Damals wohl aus Furcht, er könnte ein paar Gravensteiner aufs lichte Haupt bekommen. Doch langsam nähert er sich dem Thurgau an. Am Vorabend des Nationalfeiertages spricht er in der Stadt Rorschach. Das braucht Mut: Die Kleinstadt am Bodensee liegt dem Thurgau nahe, in Gravensteiner-Wurfdistanz.

In dieser Hinsicht hat Finanzminister Ueli Mauer nichts zu befürchten. Einst Chef eines kantonalenBauernverbandes, SVP-Mitglied, bodenständig. Wäre er nicht Zürcher, er wäre Thurgauer. Das Geschenk hat er schon vorausgeschickt. Im nächsten Jahr erhält der Thurgau 16 Millionen Franken mehr aus dem Finanzausgleich als im laufenden Jahr. Besser kann man sein Kommen nicht ankünden.

Etwas verzwickter sieht die Lage für Johann Schneider-Ammann aus. Der Wirtschaftsminister war zwar Unternehmer. Das kommt auch im Thurgau gut an. Er gehört der FDP an. Auch das gilt im Thurgau wieder als chic. Doch mit einer Aussage hat er sich ins Abseits manövriert. «Ich verstehe Leute, die im Ausland einkaufen», sagte er vor zwei Wochen in einem Interview. Das hören die vom Einkaufstourismus gebeutelten Thurgauer Metzger und Schuhverkäufer nicht gern. Und nun spricht er auch noch im grenznahen Eschenz. Ein kurzer Schwumm über den Rhein und er könnte sich in Öhningen mit Billigwürsten eindecken. Doch ein Blick in die magistrale Agenda entlastet den Berner. Weder zum Schwimmen noch zum Einkaufen hat er Zeit: Am 1. August wird er in Riddes erwartet. Die Gemeinde liegt im französischsprachigen Unterwallis.