Magere Bioernte wegen Pilzbefall

Das bisherige Sommerhalbjahr bereitete den Biobauern im Thurgau wenig Freude. Durch die feuchtwarme Witterung machte den Landwirten der Pilzbefall Probleme. Es wird mit Ernteeinbussen gerechnet.

Mathias Frei
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Im Obstbau greifen die Biobauern erfolgreich zu pilzresistenten Sorten. (Archivbild: Reto Martin)

Im Obstbau greifen die Biobauern erfolgreich zu pilzresistenten Sorten. (Archivbild: Reto Martin)

SALENSTEIN. Rund zehn Prozent der Landwirtschaftsfläche im Thurgau wird biologisch bewirtschaftet. Gerade weil das Sommerhalbjahr bisher sehr feuchtwarm war, müssen sich die Thurgauer Biobauern heuer warm anziehen. Denn es ist mit Ernteeinbussen zu rechnen.

«Für präzise Aussagen ist es noch zu früh, aber ich gehe in Sachen Schädlings- und vor allem Pilzbefall eher von einem überdurchschnittlich schwierigen Jahr in der Biolandwirtschaft aus», sagt Jakob Rohrer, Bereichsleiter Biolandbau am BBZ Arenenberg.

Zu feucht und warm

Schon im Frühling gab es lange Feuchtperioden, was den Pilzbefall bevorteilte. Dann war auch der Juni sehr feucht und zugleich warm. «Die Maximalmengen an erlaubten Pflanzenschutzmitteln mussten nicht überschritten werden», stellt Rohrer fest. Insbesondere für die Biowinzer mit herkömmlichen, auf den falschen Mehltaupilz anfälligen Sorten, boten die zugelassenen Mittel bei den extremen Witterungsbedingungen keinen ausreichenden Schutz. Diese Bioweinbauer erleiden erhebliche Ertragseinbussen. Im Obstbau kam gegen den Schorfpilz Schwefel oder Tonerdemehl zum Einsatz.

Die Situation habe sich aktuell etwas entschärft, sagt Rohrer. Nachdem im Juli vor allem die Biowinzer eine sehr schwierige Phase zu überstehen gehabt hätten. «2011 war ein Ausnahmejahr im positiven Sinne», so Rohrer.

Ernteausfälle erwartet

«Der vermehrt auftretende Pilzbefall dürfte dieses Jahr leider schon auf die Erträge drücken», mutmasst Herbert Schär, Co-Präsident der Produzentenorganisation Bio-Ostschweiz. Auf seinem Hof in Amriswil, wo Schär vor allem Acker-, Obst- und Futterbau betreibt, rechnet er im schlimmsten Fall je nach Kultur mit über 20 Prozent Ernteausfall.

«Solch ein Jahr zeigt, dass es im Biolandbau wichtig ist, auf pilzresistente Sorten zu setzen», erklärt der Obstbauer Christoph Surbeck aus Weinfelden. Gemäss Jakob Rohrer vom BBZ Arenenberg wird vor allem im Obstbau, aber auch von den Biowinzern schon seit einigen Jahren erfolgreich auf resistente Sorten gesetzt. Biobauer Surbeck hat etwa mit der Apfelsorte Topaz sehr gute Erfahrungen gemacht. Im Weinbau verläuft die Umstellung auf resistente Sorten langsamer. Grund ist gemäss Rohrer das Produkt, der Wein. Pilzresistente Sorten schmeckten anders, und die Winzer könnten ihre Kundschaft nicht kurzfristig auf eine neue Geschmacksrichtung einschwören.

Befall trotz Toleranz

Ohne Hagel hätte es für Surbeck dank der resistenten Sorten nicht mal schlecht ausgesehen.

Biobauer Hannes Weilenmann aus Basadingen hat zwar pilztolerante Reben, aber diese wurden heuer erstmals seit 13 Jahren befallen. Deshalb rechnet er mit 20 bis 30 Prozent Ernteausfall. Ebenfalls Minderertrag erwartet Weilenmann bei den Kartoffeln, welche dieses Jahr früh von der Krautfäule befallen wurden, und bei den Zwiebeln. «Dafür haben wir dank des feuchten Wetters schon jetzt genug Futter für die Kühe im Winter.»

Die Thurgauer Biowinzer haben mit dem Mehltaupilz zu kämpfen. (Archivbild: Nana do Carmo)

Die Thurgauer Biowinzer haben mit dem Mehltaupilz zu kämpfen. (Archivbild: Nana do Carmo)