Magen dreht sich auf der Cobra

LIPPERSWIL. Die Fahrt auf der Achterbahn des Conny-Lands war bisher eine holprige Angelegenheit. Nun ist die Cobra mit neu geschliffenen Schienen zurück aus der Slowakei – und fährt ruhiger. Trotzdem ist der Ritt nichts für schwache Nerven.

Daniel Daester
Drucken
Teilen
Die Cobra kurz nach dem Start in der Senkrechten. (Bild: Reto Martin)

Die Cobra kurz nach dem Start in der Senkrechten. (Bild: Reto Martin)

Das Beste kommt zuerst: Hoch über dem Boden, hängend in der Luft, erwartet einen der freie Fall. Man weiss, würden die Sicherungen in diesem Moment versagen, der Tod wäre nur wenige Meter entfernt. Der Verstand sagt: «Das ist sicher.» Doch die Tatsache, dass die Bahn aus russischer Fabrikation stammt, macht bei mir das mulmige Gefühl im Bauch nicht unbedingt besser.

Der Haken, an dem der Zug hängt, löst sich – und die Fahrt beginnt. In Sekundenschnelle wechselt die Bahn von der Vertikalen in die Horizontale – mein Körper spürt das Adrenalin deutlich. Danach folgt eine rasante Fahrt über zwei Wellen und durch einen Looping bis der Wagen hängend zum Stillstand kommt – um dann rückwärts wieder zum Bahnhof zu rasen.

«Die Fahrt ist etwas kurz», sagt Katharina Wrathen, die mit ihrer Familie aus Basel den Weg nach Lipperswil fand. «Nur der Anfang ist wirklich spektakulär: Ich dachte, ich falle raus.» Seit der Eröffnung vom letzten Samstag läuft die Bahn täglich ab Mittag.

Bahn für die Grösseren

Nach der Fahrt ist der Gast erst einmal froh, dass sein Magen leer war. Die Beschleunigung zu Beginn, die Kompression von der senkrechten in die waagrechte Fahrtrichtung und der Looping danach rauben Mageninhalt und Gleichgewichtsorgan die Orientierung. Das Gemüt ist glücklich darüber, dass die Bahn dank den revidierten Schienen nun nahezu ohne Holpern über ihr Trassee fährt. Und obschon manch einer froh sein dürfte, dass die Fahrt nicht länger gedauert hat, konnten einige nicht genug kriegen. «Das war nun das zweite Mal», sagt ein junges Paar, «es braucht einfach mehrere Fahrten». Ebenfalls anwesend: Martin, ein Gast aus den Vereinigten Staaten, der bei Freunden Ferien macht. Er meint, er sei nun doch schon auf einigen Achterbahnen gewesen, und die hier ist am Anfang «scary», also angsteinflössend, «dann aber lahm und zu kurz».

Tiere für die Kleineren

Trotz rasender Cobra, das Stammpublikum kommt – mit Eltern im Schlepptau – wegen der Delphine und Seelöwen nach Lipperswil. Auch ohne Show ist immer viel los um die Bassins der Tiere. Für die Kinder ein tolles Erlebnis, auch wenn man sich manchmal fragt, ob die Seelöwen in ihren runden Becken wirklich genug Platz haben. Der Vater von Klein-Michael kann denn auf die Frage, «Papa, was macht der da?», nicht mehr antworten als: «Schwimmen». Zwischen den Shows scheint es für die Tiere wirklich nicht mehr Auswahl an Aktivitäten zu geben. Doch auch während ihren Auftritten sind sie nicht immer willig, das zu tun, was die Pfleger und Pflegerinnen von ihnen verlangen. Von den drei aufgereihten Seelöwen wollte nicht jeder seine Bassstimme zum Besten geben oder den Zuschauern zeigen, wie gut er klatschen kann.

Mehr Platz, um sich auszutoben, haben die Delphine. «Mami, warum springen die nicht?» fragt die 7jährige Jeannine ihre Mutter. «Die Wärter müssen ihnen das sagen, das siehst Du dann bei der Show.» Das Versprechen wird eingelöst. Delphine und Pfleger begeistern das Publikum.

In der Lagune imitieren pastellfarbene Kunststofffolien die Farbe des Sandes. Für richtige Südsee-Stimmung reicht dies nicht. Doch zu stören scheint das niemanden, die Show steht im Mittelpunkt. Die Delphine scheinen jedenfalls zufrieden.