Männer und eine Königin

Die Thurgauer Apfelkönigin ist ein Hingucker. Perlweisses Lachen, rehbraune Augen. Wie gemalt. Da werden die Zürcher am Sechseläuten nicht schlecht gestaunt haben, was der Thurgau für eine Repräsentantin schickt. So viel Natürlichkeit kennen die gar nicht mehr mit ihren Vera Dilliers und Irina Bellers.

Ida Sandl
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Die Thurgauer Apfelkönigin ist ein Hingucker. Perlweisses Lachen, rehbraune Augen. Wie gemalt. Da werden die Zürcher am Sechseläuten nicht schlecht gestaunt haben, was der Thurgau für eine Repräsentantin schickt. So viel Natürlichkeit kennen die gar nicht mehr mit ihren Vera Dilliers und Irina Bellers.

Da kommt also unsere Monika Ausderau in die grosse Stadt und was muss sie da sehen? Urbane Dekadenz. Die Zürcher werfen mit Essen um sich. Über die Datteln hätte sie vielleicht noch hinwegschauen können. Aber Äpfel! In hohem Bogen ins wartende Volk geworfen. Dann auf dem Boden landend, weil die Zürcher wohl auch den natürlichen Reflex des Auffangens nicht mehr beherrschen.

Da muss sich niemand wundern, wenn es der Apfelkönigin das Krönchen lupft. «Das macht man doch nicht», tadelt sie streng. Das hat sie auch einem braungebrannten älteren Herrn namens Roger Schawinski gesagt. Obwohl nicht bekannt ist, ob er geworfen hat. Auf jeden Fall soll es ihm – ja ihm! – für einen Moment die Sprache verschlagen haben.

Die hübsche Monika kann offensichtlich gut mit Männern im sogenannten besten Alter umgehen. Sollte man sie da nicht dringend nach Salenstein schicken?

Dort gibt es einen abgewählten Gemeindeammann. Der ist zwar noch sechs Wochen im Amt, darf aber nicht mehr an seinen Schreibtisch. Seine Kollegen haben ihn in die Ferien geschickt. Und es gibt einen Gemeindepräsidenten, der ist gewählt, muss aber noch warten, bis der Vorgänger weg ist. Er springt jetzt ein, damit der Abgewählte in die Ferien gehen kann, in die er gar nicht gehen will. Ziemlich verworren alles.

Die Apfelkönigin könnte die beiden Streithähne an der Hand nehmen und streng «das macht man doch nicht» sagen. Dabei sollte sie ihren Zeigefinger heben, das muss aber nicht unbedingt sein. Dann nimmt sie aus ihrem Körbchen ein paar Äpfel. Vielleicht stammen die ja vom Baum der Erkenntnis und alles wird gut in Salenstein.

Im Mai fährt Monika Ausderau, die Apfelkönigin, an die Expo nach Mailand. Möglich, dass ihr Silvio Berlusconi über den Weg läuft. Auch dem täte es gut, wenn ihm mal jemand sagt: «Das macht man doch nicht!»

ida.sandl@thurgauerzeitung.ch