Männer mögen es gesellig

MATZINGEN. Der Männerchor Matzingen feiert sein 125-Jahr-Jubiläum. Am Samstag treten die Sänger in der Mühli-Turnhalle auf. Damit es den Männern beim Singen nicht langweilig wird, gehen sie hin und wieder einmal auf ein Reisli.

Luisa Aeberhard
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Der Männerchor Matzingen probt für sein 125-Jahr-Jubiläum am Samstag. Basil Pirijok (erster von rechts) dirigiert den Chor. (Bild: Nana do Carmo)

Der Männerchor Matzingen probt für sein 125-Jahr-Jubiläum am Samstag. Basil Pirijok (erster von rechts) dirigiert den Chor. (Bild: Nana do Carmo)

«Lalala, soso, dudu» – so tönt es im Kirchgemeindezentrum der evangelischen Kirche während des Einsingens des Männerchors Matzingen. Weiter geht es mit «Lasst uns beginnen, fröhlich zu singen». Einmal laut mit viel Herzblut, dann nur noch im Flüsterton. Danach üben die Männer elf Lieder, die der Chor am 22. November vorsingt.

Der Männerchor Matzingen feiert am Samstag sein 125-Jahr-Jubiläum. Der Gesangsverein ist vierzehn Jahre älter als der zurzeit älteste Mann der Welt. Der Anlass findet in der Mühli-Turnhalle statt. Das Programm des Gesangsvereins umfasst sowohl traditionelle Lieder als auch moderne Stücke. Darunter sind auch Lieder wie das russische Volkslied «Kalinka» oder der bekannte Schlager «Griechischer Wein» von Udo Jürgens. Anstelle einer Theateraufführung sorgen heuer Sketche für etwas Auflockerung. Ausserdem treten die Show-Tambouren Drum Plus Ultra und das Kinderjodelchörli Tannzapfenland auf.

Nicht der geborene Sänger

«Zu Schulzeiten war ich ein schlechter Sänger», sagt René Koch. Sein Lehrer hätte kaum lobende Worte für Kochs Gesang gehabt. Koch ist seit 2000 Vereinspräsident des Männerchors Matzingen. Ein Freund habe ihm den Männerchor empfohlen. Koch ist nun schon zwanzig Jahre im Chor mit dabei. Viele der Vereinsmitglieder hätten über zwanzig Jahre Gesangserfahrung und sängen auch in anderen Männerchören mit.

Der Verein hat 25 Aktivmitglieder. «Vor acht Jahren bestand der Chor noch aus dreissig Männern», sagt Koch. Die Altersstruktur sei ein negativer Punkt. Das jüngste Mitglied ist 49 Jahre alt. Es werde schwierig, wenn nicht neue Leute in den Männerchor rekrutiert würden. Früher gab es in Matzingen nur den Turnverein und den Männerchor. Demzufolge war der Chor gut besetzt. «Heute geht man lieber ins Fitnesszentrum als in den Männerchor.» Denn das Dorf hätte mehr Freizeitangebote und bessere Verkehrsvernetzungen.

Nebst einer alljährlichen Unterhaltung unternimmt der Verein auch Wochenendausflüge, Ferienreisen oder nimmt an Wettsingen teil.

Geniessen und verdienen

«Im September ging es etwa auf eine Geniesserreise nach Südtirol.» Im Männerchor wird aber nicht nur genossen, sondern auch verdient. Die Vereinsmitglieder helfen etwa bei der Papiersammlung mit oder veranstalteten einen Fondueplausch. Die Einnahmen der Aktionen brauchen sie, damit ihr Dirigent Basil Pirijok nicht leer ausgeht. Pirijok ist Berufsmusiker. Der Männerchor singt auch unentgeltlich in Pflegeheimen. Der andere Teil des Geldes kommt ins Kässeli und wird dann eben für Ausflüge genutzt.

Die Geselligkeit und der damit verbundene Zusammenhalt sind den Männern wichtig. Das Singen motiviere natürlich, sagt der Vereinspräsident. Die Lieder seien aber auch eine Herausforderung für die Sänger. «Es ist nicht einfach, wenn Tenor oder Bass nur halb besetzt sind.» Es kommt vor, dass nicht alle Mitglieder zur wöchentlichen Probe erscheinen. Einer liegt erkältet im Bett, der andere macht gerade ein Rentnerreisli.

Nervosität ist normal

Die Liederkommission sucht in der Regel die Lieder für das Programm aus. Haben die Sänger Bammel vor dem Auftritt? «Klar sind einige nervös, aber das ist normal. Ich bin es auch. Alle wollen ihr Bestes geben», sagt Koch. Wenn es nach ihm geht, macht der Chor nächstes Jahr wieder eine Veranstaltung.