Mädchen kann seinen Namen selber bestimmen

LAUSANNE. Ein zwölfjähriges Mädchen aus dem Kanton Thurgau darf seinen tunesischen Familiennamen ablegen und den Ledigennamen seiner Mutter annehmen, bei der es seit seiner Geburt lebt. Das hat das Bundesgericht entschieden.

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LAUSANNE. Ein zwölfjähriges Mädchen aus dem Kanton Thurgau darf seinen tunesischen Familiennamen ablegen und den Ledigennamen seiner Mutter annehmen, bei der es seit seiner Geburt lebt. Das hat das Bundesgericht entschieden. Die Eltern hatten sich kurz nach der Geburt des Mädchens scheiden lassen. Die Mutter, welche nach der Scheidung wieder ihren Ledigennamen annahm, erhielt das alleinige Sorgerecht. Ein Jahr nach der Scheidung wollte die Mutter, dass ihre Tochter den gleichen Namen wie sie trägt. Das Departement für Justiz und Sicherheit des Kantons Thurgau lehnte die Namensänderung jedoch ab, was das Thurgauer Verwaltungsgericht bestätigte.

Vor etwas mehr als einem Jahr, das Mädchen war inzwischen zwölf Jahre alt, nahm die Mutter einen neuen Anlauf. Das Departement hiess die Namensänderung gut. Damit war jedoch der Vater nicht einverstanden. Er argumentierte, erst vor dem Thurgauer Verwaltungsgericht, dann vor dem Bundesgericht, seine Tochter sei erst mit 18 Jahren reif genug, über den eigenen Namen zu entscheiden. Das Mädchen sei von seiner Mutter und deren Eltern beeinflusst worden.

Keine Volljährigkeit nötig

Das Bundesgericht hat die Beschwerde des Vaters abgewiesen. Vorerst stellten die Richter in ihrem Urteil klar, dass das Recht auf Namensänderung von jeder urteilsfähigen Person selbständig ausgeübt werden kann, also keine Volljährigkeit nötig ist, um ein Gesuch zu stellen. Im konkreten Fall stand für das Gericht sodann fest, dass das zwölfjährige Mädchen auf eigenen Wunsch und ohne Druck der Mutter gehandelt hatte und die Oberstufenschülerin als urteilsfähig anzusehen ist.

Anders als früher ist seit Januar 2013 für eine Namensänderung nicht mehr ein wichtiger Grund nötig. Vielmehr genügen «achtenswerte Gründe». Ob solche Vorliegen, ist im Einzelfall abzuklären. Im konkreten Fall ist es laut dem Urteil aus Lausanne nachvollziehbar, dass das Mädchen ein Bedürfnis hat, den gleichen Namen zu tragen wie seine Mutter, welche Inhaberin der elterlichen Sorge ist und bei der es seit der Geburt lebt. Die Lehrerin des Mädchens hatte denn auch bestätigt, dass sich das Mädchen unter dem Namen der Mutter vorstellt und auch ihre Schulhefte mit diesem Namen beschriftet. (upi)

Urteil 5A_334/2014