Luxusghetto am Bodensee

RESTZUCKER

David Angst
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Jetzt haben wir also schon bald amerikanische Verhältnisse. In Uttwil soll ein Luxusresort entstehen, eine sogenannte «Gated Community», in der 17 Bonzen hinter einer Mauer residieren, mit Pförtner, Chauffeur, Dogsitter und allem was sonst noch dazu gehört. Das sei in Amerika und Südafrika gang und gäbe, erfahren wir.

Die Meinung der Online-­Gemeinde ist klar: Die Frage «Brauchen wir abgeschottete Zonen für Reiche in der Ostschweiz?» beantworten drei Viertel von 399 Personen mit «Nein». Und nur 17 Prozent finden: «Ja. Vom Zuzug gut betuchter Menschen profitieren letztlich alle». Diese 17 Prozent waren wahrscheinlich die 17 Bonzen und ihre Angehörigen.

Die Politik eiert herum. Die Chefin des Amtes für Raumplanung drückt sich um ein klares Statement. Zuständig für den Gestaltungsplan sei die Gemeinde. Der Gemeindepräsident seinerseits gibt zu Protokoll, er stehe dem geplanten Luxusresort «neutral» gegenüber.

Klartext redet einzig Nina Schläfli, die Präsidentin der SP. Sie nennt das Resort ein «Luxusghetto» und findet, die Gemeinde hätte den Gestaltungsplan nur unter der Bedingung bewilligen dürfen, dass dort auch noch ein paar günstige Wohnungen (vielleicht Sozialwohnungen?) gebaut würden. Nun ja, dann wäre es halt kein Luxusresort mehr.

Ständerat Roland Eberle hat nichts gegen das Projekt. Er findet aber, das Leben im Thurgau sei nicht so gefährlich, dass man sich gleich einmauern müsse. Da könnte sich Eberle aber täuschen. Seit die Jäger auf alles schiessen, was sich bewegt, kann eine Mauer ums Haus nicht schaden.

David Angst

david.angst

@thurgauerzeitung.ch