LUSTDORF: Pokern um Bullen

Ein Hauch von internationalem Flair war am Wochenende zu Gast im Tuenbachtal. Bei der Auktion des «Alpview Summer Selection Sale» lieferten sich Hunderte Teilnehmer ein Wetteifern um die besten Nutztiere.

Christof Lampart
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Wettbieten und feilschen bei den Teilnehmern.

Wettbieten und feilschen bei den Teilnehmern.

Christof Lampart

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Das Wetter ist mässig sommerlich, die Stimmung jedoch prächtig, kurz bevor im Lustdorfer Dorfteil Hessenbohl der imaginäre Auktionshammer zum ersten Mal auf das ebenso nicht vorhandene Pult niedersaust und den Kauf von Zuchtmaterial – mal Embryo, mal vielversprechendes Kalb, mal ausgewachsenes Prachtexemplar der Rassen Holstein Red Holstein und Brown Swiss – besiegelt.

Wenig zuvor gibt’s am Freitagabend eine Runde Freibier für alle. «Das führt zu guter Laune und lockert die Stimmung», erklärt der Veranstalter und selbst ernannte «Genetiker aus Leidenschaft» Beat Schmid. Und wenn die gute Stimmung noch dazu führen sollte, dass der Geldbeutel an diesem Abend ein wenig lockerer sitzen sollte als vielleicht von manchem geplant, so hätten die diversen Anbieter sicherlich nichts dagegen. Allerdings heisst «Freibier» nicht «Saufen»: «Es gibt eine Flasche Bier für jeden Erwachsenen; wir wollen ja nicht, dass die Leute einschlafen, bevor es zur Auktion kommt», schmunzelt Schmid, als er am Vormittag am Telefon den Weg zum Hof schildert. Traditionelle Bauernschläue, gepaart mit ökonomischer Bedachtsamkeit und einem unergründbaren Blick, der einem Pokerspieler alle Ehre machen würde – diese «genetische Kombination» gibt sich im 600 Leute fassenden Zelt, das an diesem Abend sehr gut besetzt ist, ein geballtes Stelldichein. Ein erstes vorsichtiges Abschätzen und Abtasten mit der potenziellen Konkurrenz hat schon zuvor stattgefunden – nämlich im improvisierten Unterstand für die frisch geputzten Rinder. Hier machen die Züchter ihre Notizen, lassen die eine oder andere Bemerkung fallen und tun so, als hätte man sich eher zufällig hierhin verlaufen. Das ist jedoch keineswegs der Fall.

Highend Viehzucht Gant (Bild: Andrea Stalder)
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Bild: Andrea Stalder
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Highend Viehzucht Gant (Bild: Andrea Stalder)
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Highend Viehzucht Gant (Bild: Andrea Stalder)
Highend Viehzucht Gant (Bild: Andrea Stalder)

Highend Viehzucht Gant (Bild: Andrea Stalder)

Fragen ohne Antworten, und wenn, dann unehrlich

Auch der junge Kevin Dähler aus Muolen hat sich seine Favoritin schon ausgeguckt. Auf die Nachfrage, welches Tier das denn sei, erntet das Greenhorn in Gestalt von Reporter nur staunende Blicke. Und kurz darauf eine Erklärung ausser der Hörweite der anderen: «Das kannst du hier wohl alle fragen – und alle werden dir gleich antworten; nämlich überhaupt nicht oder dann nur unehrlich», wird er belehrt. Dann halt ein zweiter Versuch: «Für was wirst du mitbieten, für ein ­Embryo oder ein Rind?» – «Eine Kuh». Und ein tiefer Schluck Bier aus der Flasche bekräftigt bildlich, dass somit alles gesagt worden sei. Nun ist auch dem Laien der Fall klar: Niemand will den Preis für «sein Rind» noch zusätzlich in die Höhe treiben lassen, indem er unvorsichtiger­weise seine Präferenz kundtut. Zumal die äusseren Umstände schon alleine dafür sprechen, dass die meisten Vierbeiner höchstens preiswert, aber nicht billig weggehen dürfen. «Wir haben hier wirklich Rinder von erstklassigen Familien aus der Schweiz und aus Holland», so Beat Schmid. Da wird ein Embryo aus einer Spitzenzucht schon mit 600, ein Kalb mit 2000 und ein Spitzenrind mit 3000 Franken ausgerufen – wohlwissend, dass damit noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht worden ist.

Beim Auktionator handelt es sich um niemand Geringeren als den bekannten Emmentaler SVP-Nationalrat und Viehzüchter Andreas Aebi. Er sagt von sich selber, dass er «vom Boden- bis zum Genfersee, von der Nordsee bis zum Atlantik» schon «unzählige Male» im «Banne des Auktionsrings» gestanden und versteigert hat. Und so einem Profi will man doch nicht in die Karten spielen. Da sind sich an diesem Abend alle im Zelt einig.