Löwenzahn auf Büttenpapier

Elsbeth Harling arbeitet in Serien – was sie alle verbindet, ist die Liebe zur Natur. Ihre zarten Drucke aus Blättern, Blüten, Wurzeln zeigt die Künstlerin jetzt im Guggenhürli.

Dieter Langhart
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«Gelb ist meine Lieblingsfarbe»: Elsbeth Harling in ihrer Ausstellung im Guggenhürli. (Bild: Donato Caspari)

«Gelb ist meine Lieblingsfarbe»: Elsbeth Harling in ihrer Ausstellung im Guggenhürli. (Bild: Donato Caspari)

Dieter Langhart

dieter.langhart@thurgauerzeitung.ch

Mäusespuren. Gleich die steile Holztreppe hoch und durch die Tür. Mäusespuren, zittrige Ovale aus lauter Punkten. Elsbeth Harling hat sie unter Gefässen in einem Keller gefunden und fotografiert. Jetzt bilden die einstigen Kotspuren himmelblaue, auf feines Büttenpapier gedruckte Ornamente.

Weiter durch die kleinen Räume des Riegelhäuschens, hinein in die Welt einer Künstlerin, der die Natur so viel bedeutet und in der sie alles fasziniert: Rinden, Spinnweben, Blüten, Blumenwurzeln. Offenen Auges geht Elsbeth Harling durch die Natur und sieht überall Formen, Strukturen, Farben. Gelb vor allem, ihre Lieblingsfarbe, aber auch Blau, Grün und ganz selten ein dunkles Rot.

Hoch- und Tiefdrucktechnik ­kombiniert

Zart, fast filigran sind die Arbeiten Elsbeth Harlings, die sie zu Papier bringt. Zeugnisse ihrer Liebe zur Natur – und ihrer Sorge um die Natur, deren Vielfalt mehr und mehr in Gefahr ist. Sie sagt: «Viele unserer einheimischen Arten sind am Aussterben, unsere Gärten werden immer öder.»

«Ich brauche Geduld und eine ruhige Hand», sagt die Künstlerin. Sie arbeitet mit Tief- und Hochdrucktechniken, kombiniert die Druckplatten oft neu, variiert die Färbungen. Sie nimmt zum Beispiel Löwenzahnblätter, presst und trocknet sie, klebt sie auf Bütten, färbt die Platte ein, zieht die Blätter durch die Maschine. Und wenn Elsbeth Harling auf Karton druckt, kann sie die Strukturen ausschneiden, wie bei einem Scherenschnitt, und das filigrane Gitter über ein anderes Bild collagieren. Alles sind Unikate, denn anders als bei Stichen oder Holzschnitten sind mehrere Abzüge nicht möglich.

Detailreichtum und ein riesiger Duschvorhang

Die Künstlerin verwendet verschiedene Träger, Folien etwa, auf denen die Tiefdruckfarbe erst nach Wochen trocken ist – und wenn sie das Bild vors Fenster hängt, lässt das Licht das Bild leuchten. Was bei den Bildern nebst der hohen Abstraktion auffällt: eine faszinierende Tiefe. Elsbeth Harling ist eine «Meisterin der kreativen Techniken», wie es eine Kunsthistorikerin einmal formuliert hat. «Der Blick auf das Detail und auf das Ganze ist charakteristisch und entspricht ihrem Sinn für das Ganze als natürliches System.»

Elsbeth Harling, 1943 in Mannenbach geboren, besuchte den Vorkurs für Grafik an der Kunstgewerbeschule in Basel und die Modefachklasse. Vor der Familienzeit arbeitete sie als Modezeichnerin, danach bildete sie sich weiter in Aktzeichnen und Tiefdruck. Seit 2003 ist sie Mitglied von Kunstthurgau und auch der Künstlergruppe StettART bis zur Auflösung 2010. Von Stettfurt zog Elsbeth Harling nach Hosenruck, seit kurzem lebt sie mit ihrem Mann in Weinfelden.

Elsbeth Harling zieht kleine Formate vor, denn Details interessierten sie mehr als Grösse. 2008 jedoch, bei der Aktion «Eingleisig», spannte sie einen riesigen Duschvorhang an einer Brücke über die Murg. Der «Rideau de douche» spielte auf den Kosenamen des alten, rot-weiss lackierten Wilerbähnlis an.

Elsbeth Harling: Natur-Struktur, Guggenhürli, Oberkirchstrasse 2a Vernissage: Sa, 19.8., 17 Uhr, Einführung Barbara Fatzer Sa 14–16, So 10–12/14–16 Uhr. Die Künstlerin ist sonntags anwesend oder nach Verein­barung (052 376 16 88). Bis 17.9.