Lockstoff verführt den Schädling

FRAUENFELD. Bald entscheidet das Thurgauer Landwirtschaftsamt über Entschädigungen wegen der Kirschessigfliege. Geld fliesst wohl hauptsächlich in die Forschung. Dort hofft man auf einen Lockstoff, mit dem der Schädling überlistet werden kann.

Silvan Meile
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Ein Vogelnetz schützt Reben am Ottenberg. (Bild: Reto Martin)

Ein Vogelnetz schützt Reben am Ottenberg. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Othmar Lampert sieht Licht am Horizont über den Rebbergen. Dieses Jahr soll die Kirschessigfliege nicht mehr so viel Sorgen bereiten wie im vergangenen Jahr, als die Winzer, Beeren- und Obstproduzenten um ihre Ernten bangten. Hoffnung schöpft der Präsident des Branchenverbands Thurgauer Weine aus Fallen mit Duftstoffen bis hin zu Lockstoffen, welche die Insektenmännchen so durcheinanderbringen, dass sie keine Weibchen mehr finden. «Eine solche Verwirrungstechnik funktioniert bereits sehr gut bei der Bekämpfung des Sauerwurms und des Heuwurms», sagt Lampert. Auch deshalb verspricht er sich von dieser Methode einen Erfolg im Kampf gegen das eingewanderte, schädliche Insekt.

Die Forschung sei daran, den Duftstoffen, welche für die Kirschessigfliege interessanter seien als die Früchte, weiter auf die Spur zu kommen, sagt Hagen Thoss vom landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum Strickhof. Ein entscheidender Durchbruch sei ihm aber nicht bekannt. Gerade die Verwirrungstechnik sei extrem kompliziert. «Eine solche zu entwickeln, dauert 10 bis 15 Jahre», dämpft der Fachmann des zürcherischen Strickhofs die Euphorie.

Kaum Geld für Ausfälle

Weil im vergangenen Herbst die kleine Kirschessigfliege wegen ihrer starken Population in der Thurgauer Landwirtschaft zum grossen Thema wurde und erstmals wirtschaftliche Schäden verursachte, stellte der Thurgauer Bauernverband den Antrag nach finanzieller Entschädigung aus dem Pflanzenschutzfonds. Die landwirtschaftlichen Produzenten zahlen für unerwartete Fälle in diesen Fonds ein.

In den kommenden Tagen wird nun das Landwirtschaftsamt des Kantons Thurgau über allfällige Zahlungen daraus entscheiden. «Es wurden intensive Gespräche mit den Fachgruppen Beeren, Trauben und Obst geführt und die einzelnen Sichtweisen aufgenommen», sagt Amtschef Ueli Bleiker. Noch sei nichts entschieden. Denkbar sei aber, dass hauptsächlich für die Forschung Gelder gesprochen werden. Zahlen nennt Bleiker keine. Nebst Geldern für die Forschung könnte es sein, dass im Thurgau auch an Mehraufwände für Insektennetze um Plantagen finanzielle Entschädigungen geleistet werden. Eher unwahrscheinlich ist, dass es rückwirkend Gelder für Ernteausfälle gibt.

Für Winzer Othmar Lampert geht das in Ordnung: «Das Geld soll in die Forschung fliessen», sagt er. Nebst dem Kanton Thurgau dürfte auch der Bund im Kampf gegen die Kirschessigfliege Gelder sprechen. Der Bundesrat empfiehlt eine Motion des Zuger Nationalrats Bruno Pezzatti zur Annahme. Darin werden 2,5 Millionen Franken für den Ausbau der Forschung gegen die Kirschessigfliege gefordert. Bereits grünes Licht gab der Nationalrat. Noch muss der Ständerat die Motion behandeln.

Entwicklung unter der Lupe

In den landwirtschaftlichen Zentren wird die Entwicklung der Schädlingspopulation genau verfolgt. «Im Thurgau überwachen wir die Kirschessigfliege an neun Messstationen», sagt Jimmy Mariéthoz, Beerenbau-Experte am landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg. Derzeit sei die Population nahezu bei null. «Im Vergleich zum Vorjahr sind wir viel besser vorbereitet und können Massnahmen ergreifen, wenn sich der Schädling wieder stark ausbreitet.»

Während Beeren, Steinobst oder Tafeltrauben wohl vermehrt mit Netzen gegen die Insekten geschützt werden, ist dies in den Rebhängen aber kaum denkbar. Die Kirschessigfliege wird somit auch in diesem Jahr Mehraufwand bescheren. «Im vergangenen Jahr war der Aufwand an Stunden doppelt so hoch wie sonst», sagt Lampert.

Grossen Einfluss auf die Entwicklung der Kirschessigfliege hat das Wetter. Ein trockener Sommer könnte einen so starken Anstieg der Population wie im vergangenen Jahr verhindern. Ein milder Winter und ein verregneter Sommer waren damals äusserst günstige Bedingungen für den Schädling.

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