Lockere Flieger mit Cervelat

Manöver Am Samstag flogen ab Amlikon die Modellsegler ihre Schweizer Meisterschaft. Die Piloten hatten ihre Geräte vom Boden aus perfekt im Griff.

Desirée Müller
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«Es ist ein Privileg, dass wir die Schweizer Meisterschaft ausrichten dürfen», sagt Roman Barth, Präsident der Modellfluggruppe Weinfelden. Er blinzelt in den Himmel und verfolgt den Segelflieger des Piloten Andi Schaerer aus Baden. Hinter ihm steht der Punkterichter und schaut sich den Flug mit Argusaugen an.

Dass sich nur halb so viele angemeldet haben wie erwartet, ist eine Überraschung. «Nur acht Teilnehmer sind gekommen. Für die Walliser und Westschweizer ist der Thurgau wohl einfach zu weit weg», vermutet OK-Mitglied Erwin Rechsteiner und wendet die Steaks auf dem Grill.

Jetzt breitet Roman Barth einen komplexen Plan aus. Darauf sind Skizzen und Beschriebe von Flugmanövern zu sehen. «Diese Liste bekommen die Teilnehmer zwanzig Minuten vor dem Start. Sie müssen dann während ihres Flugs alle Manöver der Reihe nach ausführen», sagt er.

Andi Schaerer zieht seine Maschine in der Zwischenzeit von der Start- und Landebahn und schüttelt den Kopf. «Ich bin nicht ganz zufrieden mit meiner Leistung», erklärt der 49-Jährige, findet aber schnell wieder seine gute Laune. «Es liegen noch zwei Flüge vor mir. Da kann noch alles passieren», sagt er augenzwinkernd. Auch nach 37 Jahren Modellflugerfahrung ist der Profi vor Wettbewerben immer noch etwas nervös. Verstecken muss sich der Pilot aber keinesfalls. In der Szene ist er ein bekannter Mann und hat mit Red Bull sogar einen prominenten Sponsor gefunden. Er wird gerne an Airshows geladen. Modellflug ist ein kostspieliges Hobby. Eine Bruchlandung schlägt bald einmal mit 4500 Franken zu Buche. Kein Wunder, dass die Piloten vor dem Start etwas wacklige Beine bekommen.

Eine grosse Kunst mit vielen Witzen

Besucherin Karin Stäheli-Giger und ihre Kinder schauen inzwischen gebannt in den Himmel. «Mir gefallen die Flieger im Kleinformat. Ich habe Respekt vor den Piloten. Das ist eine grosse Kunst», sagt sie und streichelt dem Nachwuchs über den Kopf.

Die Stimmung ist entspannt. Die Piloten reissen Witze am Laufmeter, und die Organisatoren nehmen sich Zeit, das Spektakel zu geniessen. «Wir Modellflieger sind eine sehr lockere Gemeinschaft», sagt Barth und genehmigt sich einen Cervelat.