LITTERING: Faulheit und fehlender Respekt

Die Kosten wegen achtlos weggeworfenem Abfall steigen im Thurgau an. Gründe fürs Littering gebe es mehrere, sagt Nora Steimer, Geschäftsleiterin der Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt.

Sebastian Keller
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Liegen gelassener Abfall in der Nähe des Kreuzlinger Hafens. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Liegen gelassener Abfall in der Nähe des Kreuzlinger Hafens. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Die Kosten, die durch achtloses Wegwerfen von Abfällen anfallen, haben im Thurgau einen neuen Höchststand erreicht. Das berichtet die «Ostschweiz am Sonntag».Das kantonale Tiefbauamt wendete im vergangenen Jahr 570000 Franken dafür auf, um die 800 Kilometer Kantonsstrassen von leeren Dosen, Zigarettenstummeln und Chipstüten zu befreien. Um sechs Prozent stieg der Aufwand gegenüber dem Vorjahr; im Vergleich zu 2013 stieg er um 40 Prozent an. Nicht eingerechnet ist der Aufwand der Gemeinden, den sie betreiben, um Parks, Plätze und Strassenränder vom liegen gelassenem Unrat zu befreien. Er ist beträchtlich: schätzungsweise über fünf Millionen Franken pro Jahr.

In grossen Städten haben sich die Kosten stabilisiert

Das kantonale Tiefbauamt geht davon aus, dass Littering in den nächsten Jahren zunehmen wird. In grossen Schweizer Städten gibt es gegenläufige Tendenzen. Das sagt Nora Steimer, Geschäftsleiterin der Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt (IGSU). «In den Städten Luzern, Basel und Zürich haben sich die Litteringkosten stabilisiert.» Eine Umfrage der IGSU zeige zudem, dass die Bevölkerung Littering nicht als wachsendes Problem wahrnimmt. «Neben dem Sensibilisieren liegt das auch daran», sagt Steimer, «dass Städte und Gemeinde einen grossen Reinigungsaufwand betreiben.»

Wieso werfen Menschen Dosen und anderes aus dem Autofenster? Dafür gebe es mehrere Gründe, sagt Steimer. Einerseits seien die Leute viel unterwegs, essen auf dem Weg zur Arbeit etwas – und wollen den anfallenden Abfall dann loswerden. Andererseits liege es an der Faulheit und dem fehlenden Respekt gegenüber dem öffentlichen Raum. «Jugendliche wollen mit derartigem Verhalten gegen die Regeln rebellieren, einige finden es auch cool.» Doch nicht nur Jugendliche littern, stellt sie klar. «Eigentlich wissen alle, dass sich Littering nicht gehört.»

Die IGSU hat dem Littering den Kampf angesagt – mit verschiedenen Waffen. «Es braucht einen Mix an Massnahmen», sagt Nora Steimer. Bussen seien eine, die auch präventiv wirke. «Wenn die Leute wissen, dass sie bestraft werden könnten, schreckt das ab.» Wichtig sei auch der Dialog. Die IGSU entsendet beispielsweise Botschafter in Schulen oder an öffentliche Plätze. «Sie zeigen im persönlichen Gespräch auf, wieso Littering nicht cool ist.» Wichtig sei, so die Erfahrung, dass die Botschafter auf Augenhöhe auftreten und nicht lehrerhaft.

Die IGSU organisiert zudem den nationalen Clean-up-Day. Am 8. und 9. September wird zwischen Genfer- und Bodensee aufgeräumt. Vereine, Gemeinden, Firmen und Schulen sind dazu eingeladen, Aufräumaktionen zu organisieren und diese vorgängig der IGSU zu melden.

Hinweis

www.igsu.ch, www.littering-toolbox.ch