LITERATUR: Thurgau ist Heimat

Seine Jugend in Weinfelden hat den Schriftsteller Peter Stamm bis heute geprägt. Dort fühlt er sich wohl und daheim.

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«Heimat ist kein Land, sondern eine Landschaft.» Dieses Zitat titelte die «Basler Zeitung» Ende letzter Woche über dem Interview mit dem Schweizer Schriftsteller Peter Stamm. Sein neues Buch «Weit über das Land» handelt von einem Mann mittleren Alters, der eines schönen Sonntagabends seine Familie verlässt, das Gartentor öffnet, hinausgeht und losläuft. In diesem Zusammenhang erzählte Stamm, was für ihn Heimat sei und bedeute. Auf die Frage, ob es die Schweiz sein könne, antwortet der Schriftsteller, dass dies für ihn schon zu weit gefasst sei. Wenn schon, dann könne man den Thurgau als Heimat bezeichnen, denn es könne kein Nationalstaat sein «sondern Landschaft, ein Klima, Menschen. Und es ist letztlich ein Umkreis von nicht sehr viel mehr als zehn Kilometern, in dem ich mich wirklich daheim fühle, wo ich aufgewachsen bin.» Peter Stamm schrieb einst in einem seiner Werke, dass dies die Distanz gewesen sei, die er als Kind zurücklegen konnte. Das sei auch der Grund, warum der Begriff Heimat ganz eng mit der Kindheit verbunden sei. «Weil es das ist, was einen prägt. Das hat man einfach in sich.» Mit der Heimat sei es wie mit den Eltern. «Man muss sie nicht unbedingt gerne haben, aber sie bleiben die Eltern.» Auch die Sprache habe viel mit dem Ursprung zu tun. Vor allem in der Schweiz, mit ihren vielen unterschiedlichen Dialekten und vier Landessprachen. «Selbst wenn die Schweizer ins Ausland gehen, zieht es sie bei der Rückkehr meist wieder in die Region, aus der sie einst gekommen sind.»

Florian Beer

florian.beer@thurgauerzeitung.ch