Lifestyle-Firma gegen «Kassensturz»

Die TV-Sendung wirft der in Frauenfeld ansässigen Forever Living Products vor, sie sei eine schneeballähnliche Organisation. Die Firma zerrt die SRG jetzt wegen Persönlichkeitsverletzung vor Gericht.

Ida Sandl
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Die Kassensturz-Moderatorin Kathrin Winzenried zeigt die Box mit den Forever-Living-Produkten. (Bild: pd)

Die Kassensturz-Moderatorin Kathrin Winzenried zeigt die Box mit den Forever-Living-Produkten. (Bild: pd)

FRAUENFELD. Vor dem Frauenfelder Bezirksgericht sind nur die Anwälte erschienen. Beide in Anzug und mit Aktenkoffer, beide profilierte Redner. Es geht um Beiträge in der TV-Sendung «Kassensturz» und im Radio-Format «Espresso», ausgestrahlt im Sommer 2014. Undercover hatte sich ein Reporter in eine Werbeveranstaltung der Forever Living Products GmbH Schweiz eingeschlichen. Dort, so sein Fazit, würden die Leute mit irrealen Versprechungen und psychologischen Tricks auf das Geschäftsmodell eingeschworen. Sie sollen Produkte wie Hautcrèmes, Energy-Drinks und Shampoos verkaufen. Alle mit Aloe Vera hergestellt. Tatsächlich sei der Verkauf nur vorgeschoben. Es gehe darum, Verkäufer – Distributoren genannt – zu gewinnen. Wer die meisten Distributoren anheuert, steige in der Hierarchie auf. Die Rede sei davon, mit 25 oder 30 Jahren das Geldverdienen ad acta legen und fortan das Leben geniessen zu können. Um zur Schulung zugelassen zu werden, müsse man ein Probepaket mit Produkten für 250 Franken kaufen. Forever Living sei ein «schneeballartiges Geschäftsmodell», erklärt der Reporter.

In schlechtes Licht gerückt

Dagegen wehrt sich jetzt die Firma. Sie klagt gegen die SRG wegen Persönlichkeitsverletzung. Am Montag fand die Verhandlung in Frauenfeld statt, wo die Firma ihren Sitz hat. Forever Living will erreichen, dass die Beiträge vom Netz genommen werden, und falls sie recht bekommt, das Urteil veröffentlicht wird. Dazu verlangt sie eine Genugtuung von 8000 Franken. Die Sendung rücke Forever Living in ein extrem negatives Licht und stelle sie als kriminell dar, erklärt der Anwalt der Firma. Der Bericht sei auf Andeutungen und Verdächtigungen aufgebaut. Das Geschäftsgebahren der Firma werde als «Masche» abgetan. Es sei von «sektiererischen Zügen» und «unlauteren Versprechen» die Rede. Dabei habe weder die Thurgauer noch die Zürcher Staatsanwaltschaft Anhaltspunkte für ein illegales Geschäftssystem gefunden.

Die Firma betreibe kein Schneeballsystem, sondern ein Multi-Level- oder Netzwerk-Marketing wie etwa auch Tupper Ware, stellt der Anwalt klar Bei Forever Living gebe es keinen Kaufzwang für die Produkte. Anders als im Bericht behauptet, habe jeder Käufer das Recht, ungeöffnete Pakete zurückzugeben. Der Anwalt der SRG hält dagegen, es sei nie behauptet worden, das System sei rechtswidrig. Lediglich von «Ähnlichkeiten mit Schneeballsystemen» sei die Rede gewesen. Die Vorwürfe in den Berichten seien zutreffend. Die Reporter hätten sich kritisch, aber kontrovers zum Thema geäussert. Die Publikation sei «zwar pointiert», aber «sie wurde auch nicht in der Tagesschau gesendet». Eine Konsumentensendung wie «Kassensturz» dürfe anwaltschaftlichen Journalismus betreiben. «Ich sehe keine Persönlichkeitsverletzung», sagt der SRG-Anwalt.

Über Vergleich verhandelt

Das Bezirksgericht Frauenfeld hat beiden Parteien einen Vergleich vorgeschlagen. Ob er zustande kommt und wie er aussieht, sei aber erst in knapp zwei Wochen klar.