«Lieder werden erst live reif»

Auch nach bald 40 Jahren möchte Sänger Hansjörg Enz mit den Galgevögel seinem Publikum Neues bieten. Am Samstag im Eisenwerk Frauenfeld ist ihnen das dank erfundener Sprache, Wiener Dialekt und einem neuen Stil gelungen.

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Auch nach bald 40 Jahren möchte Sänger Hansjörg Enz mit den Galgevögel seinem Publikum Neues bieten. Am Samstag im Eisenwerk Frauenfeld ist ihnen das dank erfundener Sprache, Wiener Dialekt und einem neuen Stil gelungen.

Wie war das Konzert am Samstag? Wir sind sehr dankbar für die Treue unseres Publikums. Manche Fans kennen uns schon seit über 30 Jahren und kommen immer wieder an unsere Konzerte. Der Saal war auch diesmal voll, und das Publikum verlangte nach einer Zugabe. Das muss einen freuen. Klar. Aber leider lief nicht alles fehlerlos ab. Bei einem Lied haben wir den Anfangston nicht gefunden und mussten neu beginnen. Das ärgert mich schon ein bisschen, aber die Stücke werden eben erst mit den Live-Auftritten reifer. Auf Ihrem neuen Album hat es ein Lied mit einer erfundenen Sprache. Wie ist die entstanden? Bei «Badu Wadaja» hat mir die Melodie zwar sehr gut gefallen, aber ich konnte als Texter einfach keine passenden Worte finden. Deshalb kam mir die Idee einer neuen Sprache. Ich habe mehrheitlich darauf geachtet, Vokale so aneinanderzureihen, dass es wirklich wie eine reale Sprache klingt, auch wenn der Text keinen Sinn ergibt. Auch verfasste ich einen deutschen Text, den Freunde von mir in die ähnlich klingenden Sprachen von Madagaskar, Kongo und Hawaii übersetzten. Nun hatten wir einen Mix von realen und erfundenen Sprachen. War es für das Publikum denn überhaupt möglich, bei «Badu Wadaja» mitzusingen? Ja, der Text ist nicht sehr schwer zu merken, und durch die Melodie wird das Lied schnell zum Ohrwurm. Abgesehen von «Badu Wadaja» haben wir auch ein neues Lied auf Wienerisch. Ich habe lange mit einem Freund aus Wien geübt, um den wahren Wiener Dialekt zu beherrschen. Gab es noch weitere Besonderheiten an Ihrem Auftritt? Zum ersten Mal haben wir bei unserem Auftritt geschriebene Übergänge zwischen den einzelnen Liedern. Also sozusagen kleine Sketches, bei denen wir auf lockere humorvolle Weise versuchen, dem Publikum die Entstehungsgeschichte der einzelnen Lieder zu erzählen. Vielleicht werden die Sketches ja zum neuen Galgevögel-Stil, wir möchten eben auch nach 40 Jahren immer wieder Neues ausprobieren. Auf jeden Fall kam es gut beim Publikum an. (aye)